Schallplatte mit Volker Rebell Beschriftung

2017 Kramladen-Sendungen in ByteFM

am Donnerstag 21.09.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 23.09.17, 14-15 Uhr), Thema:

Hellmut Hattler - aktuell verbindet man mit ihm ein großes Ausrufezeichen und ein schreckliches Fragezeichen.

 Gleichzeitig mit der Veröffentlichung des großartigen neuen Soloalbums „Bassball II" von Hellmut Hattler kam die Nachricht, dass er ernsthaft erkrankt sei. Da feierte der Super-Bassist und Komponist edler Vokal- und Instrumentaltitel zwischen Rock, Jazz und Elektronik gerade erst seinen 65. Geburtstag, setzte mit seinem hervorragenden zweiten Soloalbum „Bassball II" einen weiteren Meilenstein in die deutsche Musiklandschaft - und dann das. Man liest und erschrickt: „Bleibt zu hoffen, dass „Bassball II" nicht der letzte Teil seines musikalischen Vermächtnisses sein wird. Hellmut Hattler ist schwer erkrankt. Sämtliche Tourtermine sind aus diesem Grund abgesagt."  So lautet die Presseerklärung.

Im Telefoninterview, das ich in einer Behandlungspause mit ihm führen konnte, bestätigte er, dass es bei seiner Erkrankung um Leben und Tod gehe und dass es sich in den nächsten schweren Wochen entscheiden werde, ob es gut ausgeht oder nicht.

Im Interview gab er entspannt und aufgeräumt - wie man ihn im Grunde schon immer kennt - Auskunft über die Entstehung, die Hintergründe und Inhalte des neuen Albums. Und tatsächlich gibt es über dieses außergewöhnlich gut gelungene Album eine Menge zu sagen. In einer Art Resümee stellt Hellmut Hattler alle seine Bands und Projekte, die seine Musikerkarriere ausgemacht haben mit deren jeweils spezifischer Musikstilistik zusammen und nebeneinander. Dieser musikalische Überblick über sein kreatives Schaffen ist alleine wegen der stilistischen Vielfältigkeit beeindruckend - zumal er kein Best-of altbekannter Titel aneinanderreihte, sondern für jede seiner Bands und Projekte neue Kompositionen ausarbeitete und aufnahm. So hört man seine Jazzrockgruppe Kraan, die er 1970 mitbegründet hatte, genauso im Klang-Update neu produziert, wie das mit dem Trompeter und Rapper Joo Kraus 1987 gegündete Hipjazz-Duo Tab Two. Desweiteren ist natürlich vertreten seine Soul-Elektro-Funk-Lounge-etc.-Band Hattler, ebenso das Experimental-Elektro-Projekt Deep Dive Corp., sein Soul-Jazz-Duo Siyou'n Hell und das Nu-Jazzrock-Fusion-Projekt mit dem Gitarristen Ali Neander. Und dazu kommen noch zwei hoch interessante Titel „Hellmut Hattler and Friends". Das alles klingt erstaunlich frisch und gleichermaßen zeitgemäß wie zeitlos und ist musikalisch wie produktionstechnisch ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Das Album „Bassball II" zeigt Hellmut Hattler auf der Höhe der Zeit und im Zenit seiner instrumentalen Könnerschaft und kompositorischen wie arrangementtechnischen Kreativität. Und demonstriert gleichzeitig eindrucksvoll seinen Stellenwert als Musikerpersönlichkeit in der deutschen Musikszene.

Er und seine hochklassige, individuelle Musik und erst recht seine kreativen Impulse für die Entwicklung der Popularmusik in Deutschland werden auch weiterhin dringend gebraucht.

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Hellmut Hattler & Kraan

Siesta

Bassball II

Bassball Recordings

3.

Hattler

Trident

Bassball II

Bassball Recordings

4.

Hellmut Hattler & Kraan

Hoch das Bein

Bassball II

Bassball Recordings

5.

Hellmut Hattler & Ali Neander Projekt

Startup Express

Bassball II

Bassball Recordings

6.

Hellmut Hattler & Siyou'n'Hell

Mow Fun

Bassball II

Bassball Recordings

7.

Hattler

Bollerwagen

Gotham City Beach Club Suite

Bassball Recordings

8.

Hellmut Hattler & Kraan

Birds

Bassball II

Bassball Recordings

9.

Hellmut Hattler & Tab Two

Altenburg

Bassball II

Bassball Recordings

10.

Hellmut Hattler & Friends

Tiny Little Mad

Bassball II

Bassball Recordings

11.

Hellmut Hattler & Friends

Random Walk

Bassball II

Bassball Recordings

 

am Donnerstag 07.09.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 09.09.17, 14-15 Uhr), Thema:

„Everything Must Go" - doch Außergewöhnliches wird nicht vergessen -

zum Tod von Walter Becker und Holger Czukay

Gemeinsam mit seinem musikalischen Partner Donald Fagen im Duo Steely Dan schrieb Walter Becker einige der edelsten und intelligentesten Songs der letzten 40 Jahre. Und zusammen mit Donald Fagen, dem Sänger und Keyboarder von Steely Dan produzierte der Bassist und Gitarrist Walter Becker acht der großartigsten und perfektesten Pop-Alben, die zwischen 1972 und 2000 die Musikszene bereicherten.

1969 gegründet, galten die beiden am Jazz geschulten Vollblutmusiker rasch als Intelligenzler und Perfektionisten der Popbranche, wurden als brillante Soundtüftler und Songschreiber gerühmt, als Ästheten zwischen Pop und Pomp, Rock und Jazz, Funk und Soundtrack, ein elitäres Gespann, das ebenso geschmeidige wie hoch verdichtete Kompositionen und Arrangements schuf, die souverän mit den edelsten Stilmitteln spielten. Am Sonntag dem 3. September starb Walter Becker im Alter von 67 Jahren nach schwerer Krankheit.

Am Dienstag dem 5. September wurde Holger Czukay in seinem Studio tot aufgefunden. Der Bassist und Soundexperimentator war Gründungsmitglied der einflussreichen Kölner Band Can. Er wurde 79 Jahre alt. Unter Fachleuten gilt der musikalische Avantgardist Holger Czukay als einer der innovativsten und bedeutendsten Musiker der deutschen Rockszene.

Playlist:

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Steely Dan

Everything Must Go

Everything Must Go

Reprise Records

3.

Walter Becker

Door Number Two

Circus Money

5 over 12, Mailboat Records

4.

Steely Dan

Two Against Nature

Two Against Nature

Giant Records

5.

Steely Dan

Reelin' In The Years

Can't Buy A Thrill

ABC Records

6.

Walter Becker

Downtown Canon

Circus Money

5 over 12, Mailboat Records

7.

Rickie Lee Jones

The Horses

Flying Cowboys

 

8.

Can

Spoon

Ege Bamyasi

Spoon Records, Warner

9.

Holger Czukay

Hey Baba Rebop

Hit/Flop

Grönland

10.

Holger Czukay

Ode To Perfume

On The Way To The Peak Of Normal

Grönland

 

am Donnerstag 24.08.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 26.08.17, 14-15 Uhr), Thema:

„... Too Young To Die" - Ian Anderson zum 70. Geburtstag. Teil 2

Es gibt nicht so sehr viele Musikerpersönlichkeiten in der Geschichte der Rockmusik, die über 50 Jahre bis heute aktiv blieben und einen unverwechselbaren Stil entwickelt haben, der im Verlauf der Jahrzehnte vielleicht etwas Patina angelegt hat, aber sich doch eine gewisse Zeitlosigkeit erhalten konnte. Ian Anderson ist eine dieser Musiker-Persönlichkeiten, die ihre eigenwilligen Spuren in der Rockentwicklung hinterließen und ihren Platz in der Popgeschichte längst sicher haben. Ian Anderson ist noch immer aktiv, nicht mehr mit seiner Hausband Jethro Tull, aber mit Begleitmusikern, die ähnliche Funktionen und Qualitäten haben wie seinerzeit seine Mitmusiker bei Jethro Tull. Vor 50 Jahren gründete er seine Haus- und Hofband Jethro Tull und er ist noch immer „on the road". So wird er z.B. Ende September sechs Konzerte in Deutschland geben. Und bis ins Frühjahr 2018 tourt er durch die halbe Welt.

In den letzten Jahren war er öfter auch mal mit großem Orchester unterwegs und offerierte seinen staunenden Anhängern die großen Jethro Tull-Klassiker in prunkvollem klassischem Klanggewand, was ihm auch die Kritik einbrachte, er zehre heute eher von der eigenen Vergangenheit als innovativ an einer neuen eigen musikalischen Zukunft zu arbeiten. Doch was er heute auf die Bühne bringt, ist nach wie vor hörenswert. Und neue Songs hat er ja auch durchaus zu bieten. Da sei nur an sein hoch gelobtes Soloalbum „Homo Erraticus" erinnert, das 2014 erschien. Seine Solo-Alben, die sich zum Teil deutlich von seinen Arbeiten mit Jethro Tull unterscheiden, machen seine besondere Musikalität und die Weite seines musikalischen Horizonts hörbar. 

Am 10. August konnte er seinen 70. Geburtstag feiern. Dies war der Anlass, Ian Anderson am Tag seines Geburtstags schon mit einem ersten Teil über 60 Minuten zu feiern. In Teil 2 stehen erneut nicht seine großen Erfolgssongs im Mittelpunkt, sondern eher unbekanntere Stücke, die als Entdeckungen zu bezeichnen wären.

Playlist:

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Ian Anderson

Puer Ferox Adventus

Homo Erraticus

EMI

3.

Jethro Tull

Rare And Precious Chain

Roots To Branches

Chrysalis

4.

Ian Anderson

The Browning Of The Green

Homo Erraticus

EMI

5.

Jethro Tull

Ears Of Tin

Rock Island

Chrysalis

6.

Jethro Tull

White Innocence

Catfish Rising

Chrysalis

7.

Jethro Tull

Love Story

This Was (40th Anniversary Collector's Edition, 2008)

Chrysalis, EMI

8.

Jethro Tull

Old Ghosts

Stormwatch

Chrysalis

9.

Ian Anderson

Locomotive Breath

Ian Anderson Plays The Orchestral Jethro Tull

Zyx Music

10.

Jethro Tull

Velvet Green

The Best Of Acoustic

Parlophone

 

 

am Donnerstag 10.08.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 12.08.17, 14-15 Uhr), Thema:

„Too old to Rock'n'Roll ..."? Ian Anderson der Rattenfänger des Rock wird 70.

Seine Querflöte, das storchenähnlich angewinkelte Spielbein, der antiquierte Frack, und seine grimassierende, wild gestikulierende Show, das waren von Anfang an die Markenzeichen von Ian Anderson und damit auch von Jethro Tull. Denn der Sänger, Songkomponist, Texter, Arrangeur, Produzent und Querflötist Ian Anderson war seit der Bandgründung 1967 nicht nur der Kopf und Frontman von Jethro Tull, er war der Chef, der absolute Monarch -  und für den Rest blieb nur die mehr oder weniger austauschbare Rolle der Begleitband. Der hochbegabte, ehemalige Kunststudent Ian Anderson war es aber auch, der seiner Band ein unverwechselbares Image verlieh. Das Bild vom flötespielenden, auf einem Bein stehenden „Blues-Raben Hans Huckebein", das Bild vom Rock-Hofnarren mit den rollenden Augen und wirren Gebärden ging um die Welt und prägte sich ein als das Logo von Jethro Tull. Seine von Grunz- und Balzlauten begleitete Überblastechnik beim Spiel der Querflöte, sein individueller, mit Schnörkeln versehener Gesangsstil, seine Kompositionen, die altenglische Burlesken, Music Hall-Zitate und progressive Artrock-Elemente souverän verbanden, dies alles war einzigartig in der Rockmusik der frühen 1970er Jahre, als Ian Anderson im Zenit seiner Kreativität herausragende Konzeptalben wie „Aqualung" und „Thick As A Brick" mit Jethro Tull produzierte. Der Albumtitel „Living in the Past" von 1972 blieb typisch für die Musik von Ian Anderson's Jethro Tull bis heute. Natürlich hat er unter seinem Namen auch Soloalben veröffentlicht: vom Synthesizer dominierten Album „Walk Into The Light" (1983), über das klassisch orientierte Album mit religiöser Thematik von 1995 „Divinities: Twelve Dances With God", über das hoch gelobte Naturepos „The Secret Language Of Birds" (2000), bis zum Konzeptalbum „Homo Erraticus" von 2014. Letzteres konnte in Deutschland immerhin Platz 13 der Albumcharts erreichen.

Erfolgreicher waren über die Jahrzehnte natürlich die Alben, die er mit seiner Haus- und Hofband Jethro Tull eingespielt hatte. Vor 50 Jahren in Blackpool gegründet, endete die Bandgeschichte 2014, als Ian Anderson verkündete, dass er nicht mehr unter dem Namen „Jethro Tull" auftreten werde. Was ihn natürlich nicht davon abhält, nach wie vor deren großes Songrepertoire live aufzuführen. Denn er ist ja noch immer mit seinem „Best-of-Jethro Tull"-Programm „on the road". So trat er gerade erst am 29. Juli mit eben diesem Programm beim Burgherzberg-Festival auf; ab Mitte August ist er auf Nordamerikatournee und kommt vom 23. bis 30. September für sechs Konzerte auch wieder nach Deutschland, um anschließend in USA, Polen und England zu gastieren. Was belegen mag, dass Ian Anderson und seine Jethro Tull-Songs noch immer eine große Anhängerschaft haben, auch wenn die herausragenden Erfolge lange zurückliegen. Doch die eigentümliche Musikmischung von Ian Andersons Jethro Tull mit Elementen aus altenglischer und mittelalterlicher Musik, Folkrock, Jazz, Prog/Artrock, Elektronik und sogar fernöstlichen Anleihen bleibt nach wie vor außergewöhnlich und reizvoll.

Aus Hunderten von Songs ist die Handschrift von Ian Anderson immer herauszuhören. Keiner singt so aristokratisch wie er, ohne affektiert zu klingen. Keiner formt seine Melodien so verschnörkelt wie ein höfischer Minnesänger aus der elisabethanischen Zeit, gleichzeitig gebrochen vom Blues und liebäugelnd mit der Gefälligkeit des Pop. Und natürlich steht keiner außer ihm mit angewinkeltem Spielbein querflötespielend auf der Bühne. Bis heute ist er die Inkarnation des flötespielenden Rattenfängers der Rockmusik. Und als Texter wird Ian Anderson schon immer unterbewertet. Viele seiner Texte haben Charme und Witz und viel Fantasie. Und schließlich hat er ein paar geflügelte Worte dem Kanon der Rockmusik hinzugefügt, man denke nur an „Too Old To Rock'n'Roll, Too Young To Die", oder „Thick As A Brick" („Dumm wie Bohnenstroh").

Der Kramladen feiert ein Original der Rockgeschichte - aus Anlass seines 70. Geburtstages am 10. August 2017. Fortsetzung folgt in Teil 2 am 24.08.17

Playlist Teil 1:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Jethro Tull / Living In The Past / The Very Best Of / Chrysalis
3. Jethro Tull / Dot.Com / J-Tull Dot Com / Roadrunner Records
4. Ian Anderson / Doggerland / Homo Erraticus / EMI
5. Jethro Tull / Quizz Kid / Too Old To Rock'n'Roll / Chrysalis
6. Jethro Tull / Cheerio / The Broadsword and the Beast / Chrysalis
7. Jethro Tull / Songs From The Wood / Songs From The Wood / Chrysalis
8. Ian Anderson / Pigeon Flying Over Berlin Zoo / Rupi's Dance / Randm records
9. Jethro Tull / Stormy Monday Blues / 20 Years Of Jethro Tull / Chrysalis
10. Jethro Tull / Life Is A Long Song / The Very Best Of / Chrysalis
11. Ian Anderson / Budapest / Ian Anderson plays the Orchestral Jethro Tull / Zyx Music

 

am Donnerstag 27.07.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 29.07.17, 14-15 Uhr), Thema:

50 Jahre „Summer Of Love"

 21 Coverversionen soll es bislang geben; sogar U2 (1997) und New Order (2014) coverten den berühmt/berüchtigten Song „San Francisco". „If You're Going To San Francisco Be Sure To Wear Some Flowers In Your Hair", sang Scott McKenzie in der schlagerhaften Hymne der Blumenkinder im Sommer 1967 - geschrieben von John Philips, Gründer der Mamas And Papas und Mitveranstalter des legendären Monterey Pop Festivals, das Mitte Juni 1967 stattfand. Diesen Flower Power-Song hatte er für das erste Groß-Festival der Popgeschichte in Monterey geschrieben, und zwar auf Geheiß der Stadtväter von Monterey, die um die Sicherheit ihrer Kleinstadt fürchteten. Der Songtext, der zu friedfertigem Verhalten aufruft, erwähnt ganz bewusst mit keinem Wort den Austragungsort des Festivals Monterey, sondern fordert die Fans auf, in die nahe gelegene, weltoffene Großstadt San Francisco zu pilgern. Dorthin sollten die Ströme der Hippies gelenkt werden, Monterey wollte die Fan-Massen nur über die Dauer des dreitägigen Festivals zu Besuch haben. Das Song-Konzept ging auf. Die Hippie-Kolonnen strömten in die Stadt an der Golden Gate Bridge.

San Francisco und die umgebende Bay Area stiegen im Sommer vor 50 Jahren zum Zentrum einer neuen Jugendkultur auf. Der „Summer Of Love" war der Höhepunkt der Hippie-Bewegung, die sich von San Francisco aus in die westliche Welt übertrug. Vielleicht war der Sommer der Liebe die fröhlichste, freieste und fruchtbarste Zeit, die die Popmusik je erlebt hat. Es war die Zeit der „Free Concerts", der „Free Stores" und der kulturellen wie sozialen Freiräume. Der Psychedelic Rock wurde geboren, Love-ins, Be-ins, Teach-ins, alle Arten von Happenings und Pop-Arts trieben kreative Blüten.

Diesen einen Sommer lang schien der Traum von „Love & Peace" Realität zu werden. Doch die Unschuld der Flower Power-Philosophie, die Glaubwürdigkeit der Hippie-Weltverbesserer ging unter in Drogenexzessen und Gewalt. Doch Spuren von damals sind geblieben. Dafür sprechen auch die diversen Neufassungen des Anfang der Siebziger Jahre von Nick Lowe im Geiste der Blumenkinder geschriebenen Songs „What's So Funny 'bout Peace, Love And Understanding?" Die jüngsten Neufassungen stammen von Simple Minds (2009), Panic! At The Disco (2011) und Wilco (2017).

Der Kramladen blickt zurück im Spaß in den turbulenten „Summer of Love" Anno 1967 und fragt, was falsch ist am Traum von Liebe, Frieden und einer besseren Welt.

Playlist:  Artist /  Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. The Flowerpot Men / Let's Go To San Francisco / Best of Summer of Love / Universal
3. The Mamas And Papas / California Dreaming / The Very Best of / Probe, EMI
4. Scott McKenzie, Monalisa Twins, Rob Tognoni, Barbados, Me First and The Gimme Gimmes / San Francisco (Montage) / diverse / diverse
5. Jefferson Airplane / Somebody To Love / The Essential / RCA, Sony, BMG
6. Eric Burdon & The Animals / San Franciscan Nights / Love & Peace / Polystar, Universal
7. Tanya Tucker, Jimmy LaFave, Dominik Hestéra / San Francisco (Montage) / diverse / diverse
8. It's A Beautiful Day / White Bird / It's A Beautiful Day/  CBS
9. Neil Young /Peace and Love / Mirror Ball / Reprise
10. Brinsley Schwarz / (What's So Funny 'bout) Peace, Love And Understanding / The New Favourites of Brinsley Schwarz / United Artists
11. Chris Cornell / (What's So Funny 'bout) Peace, Love And Understanding / download / download
12. A Perfect Circle / (What's So Funny 'bout) Peace, Love And Understanding / Emotive / Virgin
13. Fountains Of Wayne / Peace and Love / Welcome Interstate Managers / Virgin
14. Peter Colours / Love & Peace / download / download

 

am Donnerstag 13.07.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 15.07.17, 14-15 Uhr), Thema:

Carlos Santana - zum 70. Geburtstag

Seit Woodstock kennt und schätzt man ihn und seine nach ihm benannte Band. Schließlich haben Carlos Santana und seine Mitmusiker den Stil des Latin-Rock auf die Landkarte des Planeten Pop gebracht. Vor 50 Jahren gründete der am 20. Juli 1947 in Mexiko geborene Carlos Santana seine erste Band in San Francisco und nannte sie Santana Blues Band. Weil seine Begleitmusiker ebenfalls aus lateinamerikanischen Ländern stammten, entwickelte sich folgerichtig eine musikalische Mixtur aus perkussiven und melodischen Elementen aus den Herkunftsländern der Musiker und dem in San Francisco damals angesagten psychedelischen Bluesrock.

Gefördert durch den einflussreichen Konzertveranstalter Bill Graham entwickelte sich die nun Santana genannte Band zu einem Geheimtipp und schließlich Publikumsmagnet im Großraum San Francisco. Bill Graham war es auch, der Santana den Auftritt beim Woodstock-Festival vermittelte. Der vom Publikum umjubelte Woodstock-Auftritt war ein großer Erfolg für die damals außerhalb der San Francisco-Szene noch völlig unbekannte Band und begründete ihren beginnenden Weltruhm. Nur wenige Tage nach dem Woodstock-Festival erschien das Debüt-Album von Santana und wurde auf Anhieb ein Riesenerfolg, wie auch die beiden Folgealben „Abraxas" von 1970 und Santana III von 1971. Doch der zu schnelle und zu große Erfolg brachte viele Probleme mit sich - von Ego-Trips bis zu massiven Drogen-Exzessen. Die Band Santana löste sich auf und Carlos Santana machte danach mit unterschiedlichen Partnern und verschiedenen Begleitmusikern weiter. Er wandte sich dem Guru Sri Chinmoy zu, erhielt von ihm, seinem neuen Meister, den Beinamen Devadip, er veröffentlichte ein viel beachtetes Jazzrockalbum („Love Devotion Surrender") mit seinem neuen spirituellen Bruder im Geiste, dem - wie er - Supergitarristen und Anhänger des Gurus Sri Chinmoy, Mahavishnu John McLaughlin, kehrte danach auch wieder zum pop-rock-orientierten Latin-Sound zurück, kam aber allmählich kommerziell aus dem Tritt.

1999 gelang ihm mit seinem Album „Supernatural" ein überraschendes Comeback und ein riesiger weltweiter Erfolg, der sich mit dem Nachfolgealbum „Shaman" von 2002 fast in ähnlicher Weise wiederholte. In der Folgezeit setzte allerdings eine gewisse kreative Verflachung ein. Im April 2016 überraschte Santana wieder mit einem überzeugenden Album („Santana IV"), eingespielt mit einem Großteil der Santana-Urformation, mit der Carlos Santana schon 1969 in Woodstock auf der Bühne stand.

Der Kramladen feiert einen der großen stilbildenden Gitarristen der Rockszene, der nicht nur als Musikerpersönlichkeit seine Individualität und Identität gefunden hat, sondern auch als spiritueller Mensch, der mit Engeln in Kontakt stehen will und nicht nachlässt, seine Botschaft von Liebe, Frieden und Spiritualität in die Popwelt hinauszutragen. 

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Santana / Shake It / Santana IV / Thirty Tigers, Santana Records, Alive
3. Santana / Maria Maria / Live in Montreux 2015 / Montreux Archives
4. Santana / Love / Marathon / Columbia
5. Carlos Santana / Redemption Song / Hymns For Peace / Eagle Vision
6. Santana / Soul Sacrifice / The Best of Woodstock / Atlantic
7. Santana / Evil Ways / Santana / Columbia
8. Carlos Santana & Mahavishnu John McLaughlin / A Love Supreme / Love Devotion Surrender / Columbia
9. Santana / Smooth / Supernatural / Arista BMG
10. Santana / Forgiveness / Santana IV / Thirty Tigers, Santana Records, Alive

am Donnerstag 29.06.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 01.07.17, 14-15 Uhr), Thema:

Kurzfassung: Zum 50-jährigen Jubiläum der Beatles-Hymne des „Summer Of Love" 1967 „All You Need Is Love" erzählt der Kramladengastgeber die Geschichte des Songs - mit vielen Musikbeispielen und Coverversionen.

ALL YOU NEED IS LOVE - zum 50-jährigen Jubiläum

Es war eine Welt-Neuheit. Und es geschah vor 50 Jahren. „Our World" war die erste weltweit via Satellit übertragene Livesendung des Fernsehens. In 31 Staaten auf allen 5 Kontinenten wurde die 2-stündige TV-Show ausgestrahlt. 14 Länder beteiligten sich mit eigenen nationalen Beiträgen. Kanada begann mit einem Interview mit dem Medienguru Marshall MacLuhan, Japan berichtete über den Bau der U-Bahn in Tokio. Australien ließ die Fernsehzuschauer in die Weiten des Alls blicken. In weiteren Beiträgen traten Maria Callas und Pablo Picasso auf. Deutschland beteiligte sich mit der Übertragung einer Probe von Richard Wagners Lohengrin aus Bayreuth.

Das Großereignis für die Popwelt war allerdings Englands Beitrag: die Live-Übertragung einer Studioaufnahme der Beatles. John Lennon hatte eigens für dieses TV-Ereignis, das von über 400 Millionen Menschen weltweit verfolgt wurde, einen neuen Song geschrieben mit einem universellen und weltumarmenden Thema: „All You Need Is Love" - ein Song, der TV-Geschichte schrieb und in die Pop-Annalen einging als die Themamusik des „Summer Of Love" Anno 1967, als die Flowerpower-Hymne, die das Lebensgefühl und die Botschaft jenes Sommers auf den prägnanten Satz komprimierte: „Alles was du brauchst ist Liebe"!. Am 25. Juni 1967 wurde die Fernsehsendung „Our World" mit dem neuen Beatles-Song weltweit ausgestrahlt. Am 30. Juni 1967 wurde der Song als Single in Deutschland veröffentlicht, am 7. Juli in Großbritannien und am 17. Juli in den USA. Überall erreichte die Single Platz 1 der nationalen Charts. Nach der Happening-ähnlichen Live-Übertragung des Beatles-Songs aus den Abbey Road-Studios in London drückte der Beatles-Pressesprecher aus, was viele damals empfanden: „Die Popmusik hat nie einen schöneren Augenblick erlebt".

Zum 50-jährigen Jubiläum von „All You Need Is Love" sind im Kramladen - neben dem Originalsong - viele verschiedene Coverversionen, Neubearbeitungen und Interpretation aus aller Welt zu hören.

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. The Beatles / All You Need Is Love / Yellow Submarine (Songtrack) / EMI, Apple
3. Dave Koz & Friends / All You Need Is Love / The 25. of December / Concord Music Group
4. 156 countries sing together / All You Need Is Love / Aids Awareness Campaign by Starbucks / download
5. The Beatles / „All You Need Is Love" / Ausschnitt aus der TV-Sendung „Our World" / The Beatles Documents Vol. 3 / Document Records
6. Ben From Corduroy; Jamie Lancaster; Nate Williams Band / All You Need Is Love (Montage) / diverse / diverse
7. The Punkles / All You Need Is (Punk) / Beat The Punkles / Bitzcore
8. Charlotte Rayy / All You Need Is Love / Char Writes Songs / download
9. Sören Okholm-Trio / All You Need Is Love / WannaBe Studios / download
10. Bandaged Together / All You Need Is Love / Bandaged / download
11. Paul McCartney and Various Artists / All You Need Is Love / Party At The Palace / Virgin
12. Diverse Künstler / All Your Need Is Love (Montage) / diverse / download

 

am Donnerstag 15.06.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 17.06.17, 14-15 Uhr), Thema: 

Der ewige Beatle: Paul McCartney - zum 75. Geburtstag

 „Your song will fill the air", sang er 1968 in seinem Beatles-Song „I Will" aus dem Weißen Album - damals geschrieben als Liebeslied für seine spätere Frau Linda. Paul McCartneys Songs erfüllen noch immer die Klangwelt der Popmusik. Und sie füllen nach wie vor Stadien, Radioprogramme, Bücher und nicht zuletzt auch sein Bankkonto. Er ist der erfolgreichste Songschreiber der Popgeschichte, einer der letzten Giganten aus den sechziger Jahren, die die Entwicklung der Popkultur kreativ prägten wie kein anderes Jahrzehnt und er blieb bis heute einer der vielseitigsten Künstler des Planeten Pop.

Er schrieb klassische Werke und Ballettmusik, produzierte Ambient-Musik und elektronische Soundtableaus, er schrieb einen Lyrikband und ein Kinderbuch, veröffentlichte Kurzfilme und überraschte als Maler abstrakter Gemälde - und das natürlich neben all den unzähligen Rocksongs und Popballaden, die er seit rund 55 Jahre wie kaum ein Zweiter zu schreiben versteht. Er verfügt über die seltene Gabe, Melodien von besonderer Schönheit mit harmonischer Raffinesse zu verbinden und neue musikalische Ideen aus einem schier unerschöpflichen Reservoir zu schöpfen, wobei sein sicheres Gespür für die Attraktivität der populären Form ihn nur selten im Stich lässt.

Tatsächlich gehören viele seiner großen Songs, nicht nur aus der Beatles-Ära, sondern auch aus seiner Solo-Zeit - vor allem nach 1997 - zu den geschmackvollsten und edelsten Referenz-Kompositionen der Popszene.

Natürlich lebt Paul McCartneys unverwüstlicher Ruhm von seiner großen Vergangenheit als Beatle. Und noch immer kämpft er um die Musikrechte an den unsterblichen Beatles-Songs, die er mehr oder weniger mit John Lennon zusammen geschrieben hatte. Im Januar 2017 verklagte er den derzeitigen Rechteinhaber, den Musikverlag Sony/ATV, mit dem Ziel, die lukrativen Verlagsrechte an den Beatles-Evergreens zurückzuerlangen.

Er ist und bleibt also ungebrochen kämpferisch, wenn es um seine Interessen geht, er bleibt als Performer auch mit 75 und darüber hinaus aktiv und er hört nicht auf, künstlerisch kreativ zu sein. Seit dem letzten Jahr arbeitet er an einem neuen Studioalbum. Im Juli und September geht er auf große USA-Tournee und im Oktober gibt er Konzerte in Brasilien.

Und hält man sich vor Augen, was in jedem aktuellen Konzert von Paul McCartney weltweit passiert, wo man hört, wie beseelt er die alten Beatles-Klassiker mit Leben erfüllt, und wo man sieht, wie seine Fans im Publikum mit glänzenden Augen und verzücktem Lächeln mitsingen, dann wird der bekannte Aphorismus von William Faulkner wieder einmal bestätigt: „Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist noch nicht einmal vergangen".

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Paul McCartney / P.S. Love Me Do / Return To Pepperland / Download
3. Paul McCartney / We Got Married / Flowers In The Dirt / Capitol Records MPL
4. Paul & Linda McCartney / Uncle Albert - Admiral Halsey / RAM / Apple, EMI
5. Wings / Arrow Through Me / Back To The Egg / EMI Electrola
6. Paul McCartney / Here Today / Tug Of War / EMI, Electrola
7. Paul McCartney / Plastic Beetle / Liverpool Sound Collage
8. Paul McCartney / House Of Wax / Memory Almost Full / Hear Music
9. Paul McCartney / In The Blink Of An Eye / Ethels & Ernest (Soundtrackalbum) / download
10. Paul McCartney / I Lost My Little Girl / Unplugged / Parlophone
11. The Lonely Hearts Club Band / Penny Lane / Paul McCartney: YESTERDAY & Heute (Hörbuch) / RillenWerke 1740

 

am Donnerstag 01.06.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 03.06.17, 14-15 Uhr), Thema:

„Sgt. Pepper wird 50". Teil 2 

Beatles-Produzent George Martin schrieb in seinen Memoiren „Es geschah in der Abbey Road": „Für mich bedeutete das Werk einen Schnitt in der Karriere der Gruppe, denn es kennzeichnete den Übergang von einer „normalen" Rock'n'Roll-Band zu Künstlern, die einen nennenswerten Beitrag zur modernen Musikgeschichte leisteten. Es war ein Wendepunkt - der Wendepunkt. Durch Sgt. Pepper wandelte sich die Kunst der Aufnahme von der reinen Aufzeichnung netter Klänge zu einem Medium, das die Zeit als gültige Kunstform überdauert - und eine Art Skulptur der Musik erschafft."

Höhepunkt des Albums ist zweifellos, der grandiose Abschluss-Song „A Day In The Life". One-two-three-four, so würde jeder andere den Song einzählen. Aber ist John Lennon wie jeder andere? Sein Vorzähler lautet: „Sugar Plum Fairy, Sugar Plum Fairy" (Zuckerpflaumenfee) - so „hieß im damaligen Slang die Person, die einem Aufputschmittel besorgte" (Mark Hertsgaard). Lennon hatte bei diesem Song noch andere verrückte drogengeschwängerte Ideen. Doch die abgefahrenste stammte nicht von ihm alleine. So etwas hatte noch niemals zuvor irgendjemand in der Popmusik mit dem hehren Klangkörper eines 60-köpfigen Orchesters angestellt. Völlig entgeistert schauten die klassischen Musiker drein, als man ihnen auftrug, ein atonales „Soundcluster" zu erzeugen - ein was? - ein Glissando zu spielen, leise beginnend, ausgehend vom tiefsten Ton und dann sich stetig steigernd bis zum höchsten Ton in voller Lautstärke, allesamt endend in einem wilden Klimax-Akkord E. Ein organisiertes Chaos, exakt 24 Takte lang. Dieses düstere und dissonante orchestrales Crescendo, das an den Nerven zerrt und schier endlos kakophonisch aufsteigt bis es am höchsten Punkt erstirbt, ist das musikalisch herausstechendste Ereignis des genialen Songs „A Day In The Life". Die auslösende Textzeile, die dem Klang-Furor vorangestellt ist, wurde als die Provokation verstanden, die von den Beatles intendiert war: „I'd love to turn you on" - „ich würde dich gerne antörnen", das wurde nicht nur von der BBC als Aufforderung zum Drogenkonsum verstanden und führte sofort zum Sendeverbot im britischen Radio. Provokation im Sinne von Aufrütteln war angeblich die Intention dieser Zeile, und nicht die Leute zu animieren, einen Joint durchzuziehen: „Wir wollten die Leute anmachen, damit sie die Wahrheit herausfinden. Es ging dabei nicht um das verdammte Haschisch", stellte Paul McCartney später in einem Interview klar. Es ging wohl eher um LSD, denn natürlich war die Drogen-Assoziation beabsichtigt; schließlich kannte fast jeder damals das geflügelte Wort „Turn on, Tune in, Drop out". Mit diesem Slogan hatte sich Timothy Leary im September 1966 bei einer Pressekonferenz in New York als Prophet der Bewusstseinserweiterung durch psychedelische Drogen wie LSD weltweit bekannt gemacht.

„A Day In The Life" markiert nicht nur den Abschluss des epochalen Meisterwerks „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", sondern kann auch als künstlerischer Höhepunkt nicht nur des Albums, sondern auch der Zusammenarbeit des genialen Songschreiber-Duos Lennon/McCartney angesehen werden. Der Rahmensong stammte aus der Schreibe von John Lennon, den Mittelteil hatte Paul McCartney beigesteuert. Beide hatten nur ein Songfragment fertiggestellt, unabhängig voneinander und ohne dass der eine vom Thema des anderen wusste. Und doch passten die beiden völlig unterschiedlichen Songteile, wie von magischer Hand gesteuert, perfekt zusammen.

John Lennon schlägt die Akkorde des mollreichen Harmonieschemas auf seiner Akustikgitarre schnörkellos geradlinig an, während das Klavier und Paul McCartneys ideenreiches Bass-Spiel raffinierte rhythmische Akzente setzen und Ringo auf dem Schlagzeug mit clever getrommelten Fills brilliert. George Harrison spielt bei dieser vielleicht überragendsten Aufnahme in der Beatles-Geschichte so gut wie keine Rolle. In der Besetzungsangabe wird er geführt unter dem Instrument „Maracas". Johns Gesang ist verhalten intoniert, doch ungemein präsent und präzise phrasiert. Seine Stimme klingt kontrolliert und im Duktus fast wie unbeteiligt erzählerisch und gleichzeitig auch gespenstisch, weltabgewandt und traumverloren. Gesanglich besonders herausstechend sind zwei Abschnitte: 1. die in schnellen Sechzehntel-Noten gesungenen Schlusszeilen der Strophen 1und 3 („Nobody was really sure if he was from the House ..., now they know how many holes it takes to fill the..."), die beide mit einem kühnen Sprung in die Kopfstimme enden („..of Lords, ... Albert Hall") - und 2. das leiernde Auf- und Abschwingen im Halbton-Intervall auf den Silben „turn you on" (das übrigens im Jahre 2001 von Michael Stipe im R.E.M-Song „Imitation Of Life" imitiert wurde).

Beendet wird der vielleicht beste, sicher aber spektakulärste Song der Beatles nach der zweiten sich hoch schraubenden Orchester-Kakophonie durch einen mächtigen E-Dur-Akkord, auf drei Konzertflügeln gleichzeitig angeschlagen. Bei diesem Effekt des mächtigen Schlussakkordes und seines langsamen Ausklangs bis zur völligen Stille kam manchem die Assoziation der sich allmählich ausbreitenden, unheimlichen Grabesstille nach einer Atombomben-Explosion. Doch auch in der Düsternis, die von der Texthandlung des Songs heraufbeschworen wird, stecke Hoffnung und „Lennons Sehnsucht, die Welt wachzurütteln und ihr bewusst zu machen, dass sie es nicht nur in der Hand hat, sich selber auszulöschen, sondern sich auch zu erneuern" (schrieb Tim Riley). Auf der Platte mag der finale E-Dur-Akkord nach 53 Sekunden verklungen sein, doch der Nachhall des Geniestreichs „A Day In The Life" klingt überdauernd weiter.

Playlist:   Artist /  Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. The Beatles / Within You Without You / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
3. The Beatles / Within You Without You (Take 1 Indian Instruments) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
4. The Beatles / When I'm Sixty-Four / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
5. The Beatles / When I'm Sixty-Four (Take Two) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
6. The Beatles / Lovely Rita / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
7. The Beatles / Lovely Rita (Take 9) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
8. The Beatles / Good Morning Good Morning / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
9. The Beatles / Good Morning Good Morning (Take 8) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
10. The Beatles / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
11. The Beatles / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise) (Take 8) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
12. The Beatles / A Day In The Life / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
13. The Beatles / A Day In The Life (Take 1) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal

 

am Donnerstag 18.05.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 20.05.17, 14-15 Uhr), Thema:

Sgt. Pepper wird 50 (Teil 1)

 Wie oft hat man das schon gehört und gelesen, als besondere Auszeichnung, als höchstes Lob, wenn ein spezielles Album in der Geschichte einer Band oder eines Solisten herausgestellt wurde mit dem Adelstitel: Das ist das „Sgt. Pepper-Album von XY". Ein größeres Kompliment konnte man einer LP-Veröffentlichung nicht machen, als sie zu vergleichen mit dem berühmtesten Meilenstein-Album der Beatles „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", das vor 50 Jahren veröffentlicht wurde, offiziell genau am 30. Mai 1967 in West-Deutschland, tags drauf am 01. Juni 1967 in UK und am 2. Juni in den USA. Das waren die offiziellen Erscheinungstermine. Aber da bereits Raubpressungen kursierten, entschloss sich die Plattenfirma der Beatles, das Album bereits am 26. Mai auf den Markt zu bringen. Der Kramladen feiert das 50-jährige Jubiläum des epochalen Sgt. Pepper-Albums in zwei Teilen - am 18. Mai und am 1. Juni.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung stand „Sgt. Pepper" schon auf Platz 1 der Album-Charts - und das fast überall in der Popwelt. Bis heute wurde das Album weltweit über 30 Millionen mal verkauft. „Sgt. Pepper" gilt vielen als das bedeutendste Album der Popgeschichte. Im Jahre 2003 wählte das Musikmagazin Rolling Stone „Sgt. Pepper" zum besten Album aller Zeiten. Wem das eine Nummer zu groß ist, wird zustimmen, „Sgt. Pepper" als das herausragende Pop-Album der 1960er Jahre zu bewerten, obwohl es etliche Beatles-Fachleute gibt, die das Vorläufer-Album „Revolver" noch höher einschätzen. Aber „noch höher" heißt eben nur, „Revolver" wird von vielen als ein noch größeres Meisterwerk angesehen - und dies heißt konsequent weiter gedacht: die Beatles waren in der Zeit 1966 bis '67 das Non Plus Ultra, die absolute Weltspitze in der populären Musik, nicht nur was die Popularität und die Verkaufszahlen anging, sondern weitaus wichtiger, was die künstlerische Qualität ihrer Musik jener Zeit betraf.

Das Sgt. Pepper-Album überraschte damals mit bislang ungehörten Sound-Experimenten, faszinierte mit der konzeptuellen Idee eines Gesamtkunstwerks, begeisterte sowohl mit seiner Vielfalt an Stilformen, exotischen Instrumenten und surrealen, psychedelischen Klangbildern wie auch durch die musikalische Versinnbildlichung einer künstlerisch wie gesellschaftlich innovativen Jugendkultur im „Summer of Love" und überzeugte durch seine aufwändig ausgearbeiteten Songarrangements und die überragende, damals unerreichte Produktionsqualität.

In all den Jahren ist eine Menge über das Ausnahmealbum „Sgt. Pepper" geschrieben worden. Was man so alles lesen konnte, war unter anderem dies: die Beatles hätten aus Rock'n'Roll Kunst gemacht. Oder: sie hätten die Sache des aufmüpfigen Beat an die etablierte Kultur verraten. Oder: mit Sgt. Pepper habe die Langspielplatte ihre höchste Entwicklungsstufe als künstlerisches Medium erreicht. Oder: seit dem Wiener Kongress habe kein Ereignis die Teilnehmer der westlichen Zivilisation - zumindest der jungen Generation - gemeinsam so betroffen, wie das Erscheinen des Sgt. Pepper-Albums. Oder: Sgt. Pepper gehöre zu den kulturellen Meilensteinen des 20. Jahrhunderts.

Pünktlich zum 50. Jahrestag des Beatles-Meisterwerks erscheint am 26. Mai eine Jubiläums-Edition mit allen neu abgemischten Original-Songs, plus diverser zusätzlicher, teils unveröffentlichter Aufnahmen aus den damaligen Studiosessions.

„Es ist völlig irre, dass wir auf dieses Projekt 50 Jahre später mit so viel Freude zurückblicken - und auch gewissem Erstaunen darüber, wie vier Typen und ein großartiger Produzent samt seiner Tontechniker einen derartigen Klassiker schaffen konnten", so lautet Paul McCartneys Kommentar in seinem neu verfassten Einleitungswort zur „Sgt.-Pepper"-Jubiläums-Ausgabe.

„Sgt.-Pepper' schien damals wohl einfach die gesellschaftliche Stimmung des Jahres 1967 musikalisch treffend einzufangen und die Menschen geradewegs zu beflügeln", erinnert sich Ringo Starr im beigefügten Buch zur Jubiläums-Ausgabe.

Teil 1 der Kramladenfeier zum 50. Geburtstag von Sgt. Pepper beschäftigt sich ausführlich mit den Songs der A-Seite des Albums (1. Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band, 2. With A Little Help From My Friends, 3. Lucy In The Sky With Diamonds, 4. Getting Better, 5. Fixing A Hole, 6. She's Leaving Home, 7. Being For The Benefit Of Mr. Kite!

Im zweiten Teil folgen detaillierte Besprechungen aller Songs der B-Seite (8. Within You Without You, 9. When I'm Sixty-Four, 10. Lovely Rita, 11. Good Morning Good Morning, 12. Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise), -- und als Höhepunkt und Abschluss: 13. A Day In The Life.

Zusammenfassung: „A splendid time is guaranteed for all"

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. The Beatles / Strawberry Fields Forever / Magical Mystery Tour / Parlophone, EMI, Apple
3. The Beatles / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band / Parlophone, EMI, Apple
4. The Beatles / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Take 9 and speech) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Anniversary Edition 2017) / Parlophone, EMI, Apple
5. The Beatles / With A Little Help From My Friends (Remix) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Anniversary Edition 2017) / Parlophone, EMI, Apple
6. Joe Cocker / With A Little Help From My Friends / Joe Cocker Sings The Beatles / Edel Company
7. The Beatles / Lucy In The Sky With Diamonds / Love / EMI, Apple
8. Katie Melua / Lucy In The Sky With Diamonds / Piece By Piece / Dramatico Records
9. The Beatles / Getting Better / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band /  Parlophone, EMI, Apple
10. Ben from Corduroy / Getting Better / Fab Guiro! / Sony
11. The Beatles / Fixing A Hole / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band / Parlophone, EMI, Apple
12. Billy Brag / She's Leaving Home / Lennon & McCartney-Songbook Volume 2 / VSOP, EMI
13. The Beatles / She's Leaving Home / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band / Parlophone, EMI, Apple
14. Al Jarreau / She's Leaving Home / Tenderness / Reprise Records
15. The Beatles / Being For The Benefit Of Mr. Kite / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band / Parlophone, EMI, Apple

 

 

am Donnerstg 04.05.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 06.05.17, 14-15 Uhr), Thema:

Procol Harum veröffentlicht ein „Novum" - erst 1967 und nun auch 50 Jahre später

Das Jahr 1967 war eines der wichtigsten in der Popgeschichte. Bahnbrechende Debütalben wurden veröffentlicht: The Doors (Januar 1967) mit dem Singlehit „Light My Fire" (April 1967), The Velvet Underground & Nico (März 1967), Jimi Hendrix „Are You Experienced" (Mai 1967) mit der fantastischen Single-Auskopplung „The Wind Cries Mary". Im August folgten die Debütalben von Pink Floyd und Janis Joplin, damals noch Bandmitglied von Big Brother and The Holding Company.

Das alles überragende Album des Jahres 1967 war natürlich „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", das am 1. Juni auf den Markt kam. Doch vier Wochen zuvor erschien eine Single, die international für Furore sorgte und zumindest einen Monat lang - bis die Beatles mit Sgt. Pepper allen den Rang abliefen - die Popszene dominierte: „A Whiter Shade Of Pale", die erste musikalische Verschmelzung von klassischen Elementen mit britischem Beat, gesungen vom Komponisten des Songs Gary Brooker, dessen Soulstimme in der Tradition des afroamerikanischen Rhyth'n'Blues stand. Gary Brooker hatte sich musikalisch inspirieren lassen von Johann Sebastian Bachs „Air" aus der Orchestersuite Nr. 3 in D-Dur und verknüpfte seine melodiöse Bach-Adaption mit einem gravitätisch schreitenden Rhythmus und einem surrealen. metaphernreichen Text, was man so zuvor in dieser Form noch nicht im Pop gehört hatte. Die Reaktionen auf diesen von klassischen Klavierakkorden und einer sakral klingenden Orgel getragenen Wunder-Song waren damals überwältigend, und die außergewöhnliche Faszination dieser schwerblütigen, hymnischen Ballade hat bis heute kaum nachgelassen.

50 Jahre nach diesem Novum in der Popmusik veröffentlichte die längst umformierte Gruppe Procol Harum, in deren Mittelpunkt aber noch immer Mastermind Gary Brooker steht, ein weiteres „Novum", nämlich das gleichnamige, mittlerweile 13. Studioalbum von Procol Harum, ganze 14 Jahre nach dem letzten Plattenopus „The Well's On Fire" von 2003.

Musikalisch bietet das neue Album „Novum" nichts wirklich Neues, dafür aber eine Weiterentwicklung des bekannten eklektischen Stils der Gruppe zwischen neo-klassischer Harmonik, romantischem Kunstlied und blues-getränktem Rock-Gestus. Auf Elektronik-Mätzchen und soundtechnische Nachbearbeitung am Computer wurde weitgehend verzichtet. Den Songaufnahmen hört man an, dass sie überwiegend in einer live-ähnlichen Studioproduktion von allen gemeinsam eingespielt wurden. Nur Gary Brooker hat seinen Gesang erst später playback aufgenommen. Das Album „Novum" ist für Procol Harum kein gänzlich neues Kapitel, öffnet aber neue Türen in eine Zukunft möglicher Erneuerungen.

Zum 50-jährigen Band-Bestehen geht Procol Harum in diesem Jahr auf große Jubiläumstour und kommt im September 2017 auch für 10 Konzerttermine nach Deutschland.

Der Kramladen schlägt einen fünf Dekaden umspannenden Bogen vom Mai 1967 zum Mai 2017 und macht ein Stück beeindruckender Pop/Rockgeschichte hörbar - am konkreten Beispiel von Procol Harum.

Playlist: Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Procol Harum / I Told On You / Novum / Eagle Records, Universal
3. Procol Harum / Image Of The Beast / Novum / Eagle Records, Universal
4. Procol Harum / Weisselklenzenacht (The Signature / The Well's On Fire / Eagle Records
5. Procol Harum / The Vip-Room / The Well's On Fire / Eagle Records
6. Procol Harum / Wallstreet Blues / The Well's On Fire / Eagle Records
7. Procol Harum / Businessman / Novum / Eagle Records, Universal
8. Procol Harum / A Whiter Shade Of Pale / The Definite Collection / BR Music
9. Keith Emerson, Glenn Hughes, Marc Bonilla / A Whiter Shade Of Pale / Boys Club Live From California / Ear Music, Edel
10. Procol Harum / The Only One / Novum / Eagle Records, Universal
11. Procol Harum / Don't Get Caught / Novum / Eagle Records, Universal

 

am Donnerstag 20.04.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung  22.04.17, 14-15 Uhr), Thema:

Hellmut Hattler - zum 65. Geburtstag

Einer der wenigen, bis heute wirklich innovativen Musiker aus der Frühzeit der deutschen Rockmusik, der Bassist, Songschreiber und Bandleader Hellmut Hattler konnte am 12. April seinen 65. Geburtstag feiern. Als 19-jähriger machte er zum ersten Mal von sich reden, als Bassist der Jazzrockgruppe Kraan, die bis heute ein Markenbegriff für melodiebetonten Jazzrock der höchst individuellen Art geblieben ist. Parallel zu Kraan stieß er in die neuen Stilbereiche eines groovigen Hipjazz mit dem Duo Tab Two vor (1988 - 1999), tourt seit dem Jahr 2000 regelmäßig mit seiner exquisiten Elektro-Soulpop/Jazzlounge-Gruppe HATTLER durch die Lande, gründete mit der afrodeutschen Soul/Jazz-Sängerin Siyou das großartige Duo Siyou'N'Hell und erlaubt sich gemeinsam mit dem kongenialen Gitarristen Ali Neander immer wieder spannende Ausflüge in die freien Welten eines Neo-Fusion-Jazzrock der absoluten Highend-Spitzenklasse.

Dies ist als Geburtstagständchen zum 65. der zweite Teil einer Hattler-Hommage, mit weiteren Ausschnitten aus einem ausführlichen Gespräch, das ich am 4. Oktober 2016 mit ihm führen konnte - und mit weiteren Musikstücken aus seinem inzwischen äußerst umfangreichen Repertoire.

Sein Geburtstagsalbum zum 65., „Bassbal II", stieg am 13. April bei den iTunes-Jazzcharts von 0 auf Platz 1. Wenn das kein erfreuliches Geburtstagsgeschenk ist, das ihm seine Fans mit eifrigen Downloads bescherten ...

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. HATTLER / Warhol Holidays (Reprise) / Warhol Holidays / Bassball Recordings, 36music, Broken Silence
3. Tab Two / Lieblingslied / Sonic Tools / Virgin
4. HATTLER / Love And Freedom (No Smiley) / Warhol Holidays / Bassball Recordings, 36music, Broken Silence
5. HATTLER / Sunny Jay / Live Cuts / Bassball Recordings, 36music
6. HATTLER / Sand am Meer / Warhol Holidays / Bassball Recordings, 36music, Broken Silence
7. HATTLER / Anything At All / Warhol Holidays / Bassball Recordings, 36music, Broken Silence
8. HATTLER / Mountain Bike / Warhol Holidays / Bassball Recordings, 36music, Broken Silence
9. HATTLER / Dot Competition / Warhol Holidays / Bassball Recordings, 36music, Broken Silence

 

am Donnerstag 06.04.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 08.04.17, 14-15 Uhr), Thema:

 „The Night Siren" - das neue Album von Steve Hackett und Erinnerungen an Genesis

 Es scheint, als würde die Welt aktuell in Dunkelheit versinken, schreibt Steve Hackett in den Liner Notes zu seinem neuen weltmusikalisch orientierten Album „The Night Siren". Wo man hinschaue, sehe man Extremismus, Intoleranz, die Abkehr von der etablierten Politik und das Erstarken von Nationalismus. Dem wolle er den Geist der multikulturellen Offenheit entgegensetzen. Sein Album handele vom Frieden und beinhalte Weltmusik und Musik aus allen Teilen der Welt. Tatsächlich haben sich zwanzig Musiker aus aller Welt an Steve Hacketts neuem Album beteiligt. Neben dem typischen Instrumentarium des progressiven Artrock ist z.B. die indische Sitar zu hören, die persische Langhalslaute Tar, die Charango, das kleine Saiteninstrument aus Peru, der irische Dudelsack, das armenische Oboen-ähnliche Blasinstrument Duduk, die Andenflöte Quena, das australische Didgeridoo usw.

In den elf neuen Songs sind Flamenco-Elemente verarbeitet, Folklorethemen aus Aserbeidschan und Palästina - und doch kann man das Album „The Night Siren" nicht als typisches World Music-Album bezeichnen. Es enthält eine weiterentwickelte Form des Artrock, der sich verschiedenster Anregungen aus der weiten Welt der Musik bedient. Natürlich ist diese Stilmischung nicht neu. Auch neigen manche Songthemen zu übermäßigem Pomp oder verirren sich auch mal in seichtere Gefilde, doch insgesamt überwiegen die überzeugenden Momente dieser vielgestaltigen, weltoffenen Artrock-Produktion. Vor allem weiß Steve Hackett erneut als großartiger Gitarrensolist zu beeindrucken und erstmalig ist auch sein Gesang als gelungen einzustufen.

Der ehemalige Genesis-Gitarrist Steve Hacket, der an den sechs klassischen Genesis-Alben von 1971 bis '76 teilweise auch als Co-Komponist beteiligt war - Nursery Cryme (1971), Foxtrot (1972), Selling England By The Pound (1973), The Lamb Lies Down On Broadway (1974), A Trick Of The Tail (Februar 1976), Wind And Wuthering (Dezember 1976) - und inzwischen 25 Alben unter eigenem Namen veröffentlicht hat, gilt als einer der vielseitigsten Gitarristen aus dem Umfeld des britischen Artrock. Sein Gitarrenspiel wurde mal als Kreuzung aus mittelalterlichem Lautenspiel und futuristischem Weltalltrip bezeichnet. Er überraschte selbst Gitarrenexperten immer wieder durch spiel- und soundtechnische Neuerungen. Mal klang sein Gitarrenton wie ein Synthesizer, mal wie eine klagende menschliche Stimme, mal wie betörender Sirenengesang.

Bis auf ein kurzes Gastspiel in der vermeintlichen Supergruppe GTR mit Yes-Gitarrist Steve Howe arbeitet Steve Hackett seit 1976 als Solist. Als einflussreicher Gitarrist nahm er in den 1970er Jahren Entwicklungen vorweg, die erst sehr viel später im Pop/Rock stilbildend wurden. Bevor der Begriff erfunden wurde musizierte er schon akustisch-„unplugged", kreierte Ambient-Soundscapes, erprobte sich in klassisch-sinfonischer Musik und war gitarristischer Vorläufer der New Age-Musik. Doch seine eigentliche Domäne sind die verschiedenen Varianten des progressiven Artrock.

Steve Hackett ist derzeit noch bis zum 13. April auf Deutschlandtournee (Berlin, 10.04. / Hamburg 11.04. / Bochum 12.04. / Leipzig 13.04.). Sein Tourprogramm besteht aus Genesis-Songklassikern und ausgewählten Titeln aus seinen Soloalben, darunter auch zwei Stücke aus dem neuen Album „The Night Siren".

Playlist:  Artist /  Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Steve Hackett / Behind The Smoke / The Night Siren / Inside Out, Sony
3. Steve Hackett / In The Skeleton Gallery / The Night Siren / Inside Out, Sony
4. Genesis / The Lamb Lies Down On Broadway / Genesis Archive 1967-1975 / Virgin
5. Steve Hackett / Dance On A Volcano / Genesis Revisited / Reef Recordings, Snapper Music
6. Steve Hackett / Martian Sea / The Night Siren / Inside Out, Sony
7. GTR / Roundabout / Roundabout Live / download
8. Steve Hackett / Dejavu / Genesis Revisited / Reef Recordings, Snapper Music
9. John Hackett & Steve Hackett / Gymnopédie No.3 / Sketches Of Satie / Camino Records
10. Steve Hackett / Anything But Love / The Night Siren / Inside Out, Sony

 

am Donnerstag 23.03.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 25.03.17, 14-15 Uhr), Thema:

Elton John - zum 70. Geburtstag

Wer kennt schon Reginald Kenneth Dwight? Mit einem solchen Namen kann man höchstens Abteilungsleiter in der Brillenfachabteilung werden, oder allenfalls Kassenwart eines Fußballvereins, dachte sich offenbar der 20-jährige Pianist Reg und taufte sich vor 50 Jahren kurzerhand in Elton John um. Wenige Jahre später war er Popstar, besaß mengenweise exzentrische Brillen und leistete sich einen eigenen Fußball-Verein.

Heute trägt er den Adelstitel Sir, ist Ehrendoktor der Royal Academy of Music und spendet er für seine AIDS-Stiftung. Solange er lebe und Platten produziere, werde er alle Erlöse aus seinen Single-Verkäufen für die AIDS-Forschung zur Verfügung stellen, verkündete Elton John schon vor vielen Jahren. Für den Nr.1-Hit „Sacrifice" von 1990 kamen so vierhunderttausend britische Pfund zusammen. Seine späteren Single-Veröffentlichungen konnten allerdings nicht mehr ganz so viel Geld für den guten Zweck sammeln, mal abgesehen von der Remake-Single „Candle In The Wind", die ursprünglich für Marilyn Monroe geschrieben war und in der Neufassung von 1997 für Lady Di zur meistverkauften Single aller Zeiten aufstieg - was Keith Richards zum lästernden Ausspruch veranlasste, Elton Johns Talent beschränke sich darauf, Songs über tote Blondinen zu schreiben. Immerhin brachte die Zweitverwertung von „Candle In The Wind" der Stiftung zu Ehren von Prinzessin Diana 30 Millionen US-Dollar ein.

Auch wenn es immer wieder mal längere oder kürzere Durststrecken des Misserfolges und Phasen kreativer Flaute gab, sein Starruhm verblasste doch niemals. Immer wieder gelang es ihm, sich erneut mit einem großartigen Song in den Charts zurückzumelden und ins Bewusstsein der Medien und der Pop-Öffentlichkeit zurückzukehren.

Gemeinsam mit dem Texter Bernie Taupin schrieb Elton John in den vergangenen fünf Jahrzehnten ein Repertoire an edlen Popsongs, das zum qualitativen Premiumsegment in der Popgeschichte zu zählen ist

Im April wird der dann 70-jährige Elton John (geboren am 25. März 1947 in Pinner bei London) in Südamerika auf Tournee sein und gibt anschließend acht Konzerte in Las Vegas unter der Überschrift „The Million Dollar Piano". Für Juni und Juli ist eine große Europa-Tournee angekündigt, die ihn auch nach Deutschland führen wird  (5. Juli Mannheim, 7. Juli Berlin und 8. Juli Hamburg). Und für den Herbst sind Konzerte in Australien, Spanien, Frankreich und Russland geplant. Der mit über 300 Millionen verkauften Tonträgern erfolgreichste Sänger/Pianist/Komponist der Popgeschichte, der im Frühjahr 2016 sein 33. Studioalbum „Wonderful Crazy Night" veröffentlichte, bleibt also ungebrochen aktiv.

Nachdem er seine langjährige Drogenabhängigkeit, die ihn fast das Leben gekostet hätte, 1992 überwinden konnte, produzierte und konzertierte Elton John danach auf qualitativ gleich bleibend hohem Niveau und erfreut sich bis heute einer großen Anerkennung und enormen Beliebtheit, was seine Tourneetätigkeit auch im Jahre 2017 belegen kann.

Der Kramladen würdigt den Popkomponisten, Sänger und Pianisten Reginald Kenneth Dwight, der als Elton John zum Superstar aufstieg und zum Sir geadelt wurde.

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Elton John / Claw Hammer / Wonderful Crazy Night / Universal
3. Elton John / Take This Dirty Water / The Diving Board / Mercury Records
4. Elton John & Eric Clapton / Runaway Train / The One / MCA
5. B.B. King & Elton John / Rock This House / B.B. King & Friends - 80 / Geffen
6. Eminem & Elton John / Stan (live) / Curtain Call The Hits / Shady Records
7. Elton John / Old '67 / The Captain & The Kid / Mercury Records
8. Elton John / Border Song / Border Song / DJM Records
9. Elton John / Goodbye Yellow Brick Road / Goodbye Yellow Brick Road / MCA Records
10. Elton John & Mary J. Blige / I Guess That's Why The Call It The Blues / One Night Only / Mercury Records
11. John Lennon feat. Elton John / What Ever Gets You Through The Night / Walls & Bridges / Apple

am Donnerstag 09.03.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 11.03.17, 14-15 Uhr), Thema:

Zensur im Pop und Moddis verbotene Lieder

 In Zeiten von Fake-News, alternativen Fakten, „Lügenpresse" und gezielter Desinformation, in diesen Zeiten der Inhaftierung kritischer Journalisten, der Unterdrückung der Meinungsfreiheit, der staatlichen und behördlichen Willkür, in diesen Wochen, in denen Autokraten eine kritische Presse pauschal verunglimpfen, Oppositionelle als Terroristen anklagen und unliebsame Fragesteller mundtot machen, in diesen Tagen sind die „Unsongs", die verbotenen Lieder, die der norwegische Musiker Moddi nun auf die Bühne bringt, von besonderer Brisanz und Aktualität.

Zensur gab es in der Popmusik schon immer: Radioboykott, schwarze Listen, indizierte Songs, oder die Weigerung von Plattenfirmen, Songs oder auch nur Plattencover mit provozierendem, „anstößigem" Inhalt zu veröffentlichen.

Über die Indizierung von Tonträgern durch behördliche Institutionen wie die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien" kann man geteilter Meinung sein, nicht aber über die kritische Auseinandersetzung mit rechtsradikalen Bands bis hin zum Verbot von Gewalt verherrlichenden und menschenverachtenden Liedtexten.

Das Songprogramm „Unsongs" des norwegischen Singer/Songwriters und Folkpop-Sängers Moddi, mit dem er nun auf Tournee geht, präsentiert Lieder aus aller Welt, die wegen ihrer politischen oder gesellschaftskritischen Inhalte boykottiert oder aus dem Verkehr gezogen wurden, deren Urheber verfolgt, inhaftiert oder gar getötet wurden und die vor dem Vergessen-werden bewahrt werden müssen.

Das Album und Songprogramm „Unsongs", das Moddi Ende März live in Deutschland vorstellt, versammelt zwölf von ihm neu interpretierte, internationale Lieder, die in ihren jeweiligen Ländern verboten oder indiziert wurden.

Moddi: „Alles ist dabei - von Leuten, die wegen ihrer Musik getötet wurden wie Victor Jara aus Chile und Lounes Matoub aus Algerien. Künstler, die im Gefängnis waren wie Pussy Riot in Russland und Viet Khang in Vietnam, oder die immer noch eingesperrt sind wie Liu Xiaobo in China, bis zu Stars, die es nicht wirklich körperlich zu spüren bekamen, aber deren Songs einfach nicht mehr gespielt wurden wie etwa einzelne Songs von Kate Bush oder in Israel von Ihzar Ashdot." 

Kate Bush ist in der Tat niemals wegen eines ihrer Lieder bedroht worden. Ihr Song „Army Dreamers" von 1980 wurde während des ersten Golfkrieges lediglich von den Playlists der BBC gestrichen. Der algerische Sänger Lounes Matoub indes wurde wegen seiner kritischen und satirischen Lieder angefeindet, verfolgt und schließlich ermordet.

Das Thema Zensur im Pop zeitigte auch kuriose Vorgänge, etwa dass der brave Paul McCartney 1972 auf die Verbotsliste der BBC kam wegen seines harmlosen Protestsongs „Give Ireland Back To The Irish", oder dass Drafi Deutschers Schlagerschnulze „Marmor Stein und Eisen bricht" in der DDR von der Parteispitze verboten wurde, weil sie fürchtete, der Text könne als Attacke auf den „antiimperialistischen Schutzwall", sprich die Berliner Mauer verstanden werden. Johnny Cashs Nr.1.Hit „A Boy Named Sue" von 1967 durfte in vielen US-amerikanischen Radioprogrammen nur mit einem eingeblendeten Piepton statt der Zeile „son of a bitch" („Hurensohn") gesendet werden.

Der mehr gestöhnte als gesungene Beischlaf-Song „Je t'aime (moi non plus)" von Serge Gainsbourg und Jane Birkin war 1969 der meist zensierte Song der Popwelt. Die Single wurde mit Sendeverbot belegt und in Frankreich, England und Deutschland zum Teil mit Warnhinweisen bedruckt und in Italien sogar razzia-artig beschlagnahmt.

Schwerer wog da schon der Boykott, der 2003 in den USA gegen die Dixie Chicks verhängt wurde, weil die aus Texas stammende Leadsängerin der Dixie Chicks in einem Interview sich kritisch über den Irak-Krieg geäußert und gesagt hatte, es sei eine Schande, dass Präsident George W. Bush aus ihrem Bundesstaat komme. Die Platten und Videos der Countrypop-Band standen danach auf der Sendeverbotsliste fast aller US-Radio- und Fernsehsendern, Fanartikel wurden öffentlich verbrannt und Morddrohungen ausgestoßen.

Harmlos dagegen und auch wenig drollig waren die Zensuraktivitäten des bayerischen Kulturministeriums, das 2001 einem Schulbuchverlag die Anweisung erteilte, ein bereits gedrucktes Liederbuch für den Musikunterricht wieder einzustampfen, weil es ein anstößig kritisches Lied der bayerischen alternativen Volksmusikgruppe Biermösl Blosn enthielt. Der bayerische Kultusstaatssekretär rechtfertigte die Zensur-Aktion mit der Begründung, das Lied „Gott mit dir, du Land der BayWa" sei eine Verballhornung des Bayernlieds, „um die Firma BayWa und den Einsatz von chemischen Düngemitteln in der bayerischen Landwirtschaft zu kritisieren". So etwas sei für den Gebrauch im bayerischen Unterricht ungeeignet. Wenn die Zensur doch immer nur so lächerlich deppert wäre und nur zur Belustigung beitragen würde wie in Bayern.

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Moddi / A Matter Of Habit / Unsongs / Propeller Records
3. Moddi / June Forth 1989 From The Shatterd Pieces Of A Stone It Begins / Unsongs / Propeller Records
4. Gene Vincent / Woman Love / Be-Bob-a-Lula / Capitol
5. Moddi / Open Letter / Unsongs / Propeller Records
6. Moddi / Our Worker / Unsongs / Propeller Records
7. Phil Collins / The Times They Are-A Changin' / Dance Into The Light / Face Value Records
8. Moddi / The Shaman And The Thief / Unsongs / Propeller Records
9. Silly / Battailon D'Amour / Battailon D'Amour / Amiga BMG
10. Biermösl Blosn / Gott mit dir du Land der Baywa / Grüß Gott, mein Bayernland / Mood Records
11. Moddi / Punk Prayer / Unsongs / Propeller Records
12. Kolbe-Illenberger / Waves, Emotions, Annalisa (Hintergrundmusik) / Essentials / timezone

 

am Donnerstag 23.02.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 25.02.17, 14-15 Uhr), Thema:

In Memoriam: Al Jarreau und Larry Coryell

Die traurige Serie von Todesfällen in der Popularmusik reißt nicht ab. Nun sind auch die renommierten Jazzmusiker Al Jarreau und Larry Coryell gestorben.

Nur vier Tage nachdem der virtuose Jazzsänger Al Jarreau ankündigen musste, dass er auf ärztlichen Rat hin alle für 2017 geplanten Konzerte absagen müsse, starb er im Alter von 76 Jahren am 12. Februar. Der Schwerpunkt dieser In Memoriam-Sendung gehört dem Stimmwunder Al Jarreau, der wegen eines Schwächeanfalls und Atemnot, wie es hieß, Ende Januar ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Am 8. Februar ließ er vom Krankenbett aus verlauten, es gehe ihm zwar besser, er müsse aber schweren Herzens vom Tourleben Abschied nehmen. Die gesundheitliche Besserung war indes nur von sehr kurzer Dauer. Nun müssen alle seine Anhänger von ihm, dieser großen Sängerpersönlichkeit, endgültig Abschied nehmen.

Al Jarreau konnte schöpferisch improvisieren wie kaum ein zweiter, verfügte über stimmliche Fähigkeiten wie nur wenige andere Sänger und hatte die Gabe, den Klang von Instrumenten mit seiner Stimme zu imitieren. Zu recht feierte man ihn, den charismatischen Gesangsvirtuosen, als „einzigen Vokalisten mit einem ganzen Orchester in der Kehle".

Der in Milwaukee, Wisconsin am 12. März 1940 geborene Al Jarreau, der eigentlich Alwyn Lopez Jarreau hieß, war das fünfte von sechs Kindern. Sein Vater war Prediger, musste aber während der Kriegsjahre in einer Munitionsfabrik schuften, währenddessen vertrat die Mutter den hart arbeitenden Vater in der Kirche und spielte die Orgel. Die Familie Jarreau war arm und hatte kein leichtes Leben in der öden Stadt Milwaukee im Mittelwesten der USA, wo die afroamerikanische Bevölkerung unter sozialen Problemen und Diskriminierungen noch mehr zu leiden hatte als in anderen Städten des Mittleren Westens. Doch die gesamte Familie, Eltern und Geschwister, war hoch musikalisch, schon in seiner Kindheit erlernte Al im gemeinsamen Singen mit seinen Geschwistern das Improvisieren. Als junger Mann begann er in Bars aufzutreten und verdiente sich so ein wenig Geld für sein Studium der Psychologie und Sozialpädagogik. Anschließend zog er nach San Francisco und arbeitete dort tagsüber als Rehabilitationshelfer für geistig und körperlich behinderte Kinder und Erwachsene und arbeitete als Sozialhelfer mit Drogenabhängigen, und abends widmete er sich seiner Musik und seiner Entwicklung als Jazz-Sänger. 1969 entschloss er sich dann professionell Musik zu machen, konnte aber erst 1975 als damals schon 35-jähriger ein eigenes Album aufnehmen. In seiner Heimat USA kaum beachtet, wurde sein Debütalbum in der Bundesrepublik mit dem Schallplattenpreis der Deutschen Phonoakademie ausgezeichnet.

Kein anderer Musiker hat es - bis heute jedenfalls - fertig gebracht in den drei so unterschiedlichen Genres Jazz, Rhythm'n'Blues und Pop einen Grammy, die höchste Auszeichnung der US-amerikanischen Musikwelt zu erhalten. Insgesamt wurde er 7 mal mit einem Grammy ausgezeichnet. In seinem Nachruf schrieb der Zeit-Autor Stefan Hentz: „In seinem Gesang fließen die verschiedenen Seitenarme eines Stroms wieder zusammen, der sich irgendwann aufgeteilt hatte, als der Jazz erwachsen wurde und Kunstwillen zeigte, die schwarze Popmusik lieber Glitzeranzug trug und der kleine Bruder Rock'n'Roll das Pubertäre für sich beanspruchte." In Al Jarreaus Stimme hört der Autor: „Betörende Virtuosität und menschliche Wärme, mitreißenden Groove und subtil phrasierte Melodie, die Experimentierfreude des Jazz, den Schmelz des Rhythm'n'Blues und die Menschennähe des Pop".

Genau eine Woche nach Al Jarreau starb ein weiterer renommierter Jazzmusiker. Der Jazzrock-Gitarrist Larry Coryell hatte eine ganze Zeit lang mit Drogenproblemen zu kämpfen. Ob sein relativ früher Tod im Alter von nur 73 Jahren mit seiner früheren Drogenproblematik zu tun hat, ist eine spekulative Frage. Jedenfalls ist der Fusion-Pionier Larry Coryell, der gerade auf Tournee war, am Sonntag dem 19. Februar 2017 in einem New Yorker Hotel an Herzversagen gestorben.

Gemeinsam mit John McLauglin und Paco deLucia bildete Larry Coryell Ende der 70er Jahre das berühmte Guitar Trio mit deren legendärer Produktion „Meeting Of Spirits". Doch wegen seiner Drogenprobleme musste Larry Coryell ausscheiden und wurde durch Al DiMeola ersetzt. Schon 1968 war er durch die Jazzrock-Schule von Miles Davis gegangen, und 1973 gründete der 1943 in Texas geborene, in New York lebende Gitarrist seine eigene Fusion-Gruppe The Eleventh House, mit der Larry Coryell auch in Europa bekannt wurde. Seine handwerkliche Klasse als profunder, stilprägender Gitarrist und fähiger Komponist ist unbestritten. Ein US-amerikanischer Kritiker nannte ihn sogar: „Godfather of Fusion".

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Al Jarreau / All I Got / All I Got / GP, Universal
3. Al Jarreau / (Round Round Round) Blue Rondo á la Turk / Breakin Away / Warner Bos
4. Al Jarreau / You Don't See Me / We Got By / Reprise
5. Al Jarreau & Marcus Miller / You Don't See Me / Tenderness Studio Session / WEA
6. Al Jarreau / Raging Waters / Al Jarreau in London / Polygram
7. USA For Africa / We Are The World / We Are The World / CBS
8. George Benson & Al Jarreau feat. Paul McCartney / Bring It On Home To Me / Givin' It Up / Concord Records, Universal
9. Al Jarreau / Groovin' High / Accentuate The Positive / Verve
10. Al Jarreau / Fire And Rain / Glow / Warner
11. Larry Coryell / Purple Haze / Gipsy Blood A Tribute To Jimi Hendrix / Horizons

 

am Donnerstag 09.02.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 11.02.2017, 14-15 Uhr), Thema:

„It Was The Heat Of The Moment" - John Wetton, Sänger, Bassist und Songschreiber u.a. bei ASIA starb am 31.01.2017 an Krebs. Ein Porträt und Nachruf.

When I ride the hounds of hell / Twist my foot, I nearly fell / I was lucky I was alive /
One look back, I could have died / I was the sole survivor"
. Diesen von ihm geschriebenen Song über das Glück, eine persönliche Katastrophe überlebt zu haben, sang John Wetton zum letzten Mal live im Römischen Theater zu Plovdiv in Bulgarien - im letzten Konzert seiner Band ASIA, begleitet von einem großen bulgarischen Symphonieorchester. Der Livemitschnitt erscheint am 24. Februar 2017 auf CD und DVD. Der Doppel-Silberling „ASIA - Symfonia live in Bulgaria 2013" wird musikalisch eröffnet von „Sole Survivor", John Wettons erstem Erfolgssong, der 1982 als Single und im Debütalbum von ASIA erschienen war.

Überwunden hatte John Wetton seine schwere Alkoholabhängigkeit, überlebt hatte er 2007 eine komplizierte Herzoperation, überlebt hatte er im Frühjahr 2015 eine Krebsoperation, bei der ihm ein fast kilo-schwerer maligner Tumor entfernt worden war, doch dann kam der Krebs zurück. Am 31. Januar starb John Wetton im Alter von 67 Jahren.

John Wetton war Mitglied in erstaunlich vielen berühmten Bands und veröffentlichte 19 Soloalben. 1997 erschien sein wohl bestes Soloalbum „Arkangel". Als  Erzengel der britischen Rockszene hätte man den umtriebigen Musiker in seinen besten Jahren bezeichnen können. Auch als gefallener Engel konnte er wegen seiner Alkoholsucht gelten. Bei Solokonzerten in den 1990er Jahren war er oft so betrunken, dass er von der Bühne getragen werden musste. Doch niemals war er ein namenloser Posaunenengel aus dem Background-Chor.

Er hatte etwas von einem unsteten Wanderer, aber auch etwas von einem Chamäleon, das sich in jeder neuen Umgebung zu assimilieren versteht. Kein anderer englischer Musiker hat mit einer solchen Vielzahl von prominenten Bands und renommierten Solisten zusammengearbeitet wie er. Die Liste der Gruppen und Einzelkünstler, bei denen John Wetton seine Talente als Sänger, Bassist und/oder Songschreiber unter Beweis stellen konnte, liest sich fast wie ein Who-is-Who der britischen Pop/Rock-Geschichte: Mogul Thrash, Rare Bird, Family, King Crimson, Uriah Heep, Roxy Music, Streetwalkers, UK, Wishbone Ash, ASIA, Qango, Icon und andere. Er kooperierte mit Solokünstlern wie Brian Eno, Pete Sinfield, Bryan Ferry, Phil Manzanera, Peter Banks, Steve Hackett, David Byron, Roger Chapman und vielen mehr. Er schrieb Songs für Jethro Tull, Agnetha, David Cassidy, Heart, Cher u.a.. Sein berühmtester Song „Heat Of The Moment" stammt aus dem Jahre 1982; er schrieb ihn für seine Pomp- und Progressive-Hardrockband ASIA, der er von allen seiner vielen Bands am längsten angehörte. Für 2017 war eine große USA-Tour von März bis Juli schon fest gebucht. Die Tourdaten stehen noch immer auf der ASIA-Homepage.

Carl Palmer, Ex-ELP und Schlagzeuger bei ASIA schrieb in einem persönlichen Nachruf über seinen Band-Kollegen John Wetton: „John hatte eine sanftmütige Persönlichkeit. Er erschuf einige der unsterblichsten Melodien der Popmusik,. Als Künstler war er sowohl mutig als auch innovativ. Seine Stimme trug die Musik von ASIA in die Hitlisten der ganzen Welt. Sein später Triumph über die Alkoholsucht machte ihn zu einer Inspiration für viele Menschen, die sich in einem ähnlichen Kampf befinden. Für jene die ihn näher kannten und mit ihm zusammenarbeiteten, war auch sein tapferer Kampf gegen den Krebs eine Inspiration. Ich werde sein Talent vermissen, seinen Sinn für Humor und sein ansteckendes Lächeln."

In seinem letzten Studiosong, den John Wetton 2014 für das ASIA-Album „Gravitas" aufnahm, singt er: „Think the best of me, till we meet again."

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
0. ASIA / Till We Meet Again / Gravitas / Ward Records
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. John Wetton / The Last Thing On My Mind / Arkangel / Eagle Records
3. ASIA / Sole Survivor / ASIA - Symfonia live in Bulgaria 2013 / Frontiers Music
4. John Wetton / Rock Of Faith / Rock Of Faith / Giant Electric Pea
5. Family / Burlesque / Bandstand / Reprise WEA
6. Mogul Thrash / Elegy / Mogul Thrash / RCA
7. King Crimson / Fallen Angel / Red / E.G. Records
8. Roxy Music / Do The Strand / Viva! Roxy Music / Polydor
9. Bryan Ferry / The In-Crowd / Another Time Another Place / Island
10. Uriah Heep / Return To Fantasy / Return To Fantasy / Bronze Records
11. Phil Manzanera / Numbers / K-Scope / Parlophone
12. Roger Chapman & The Shortlist / Prisoner / Hyenas Only Laugh For Fun / Sanctuary
13. ASIA / Heat Of The Moment / Now - Live in Nottingham / Blueprint
14. UK / Caesar's Palace Blues / Night After Night / EG Records

 

 

am Donnerstag 26.01.2017, 23 - 24 Uhr (Wiederholung 28.01.2017, 14-15 Uhr), Thema:

Komplexität statt Simplifizierung - Vielfalt statt Einfalt - Offenheit statt Scheuklappen

Das neue Jahr begann vielversprechend - zumindest im Bereich der Neuveröffentlichung künstlerisch ambitionierter Pop/Rockalben. Wenn in der aktuellen Zeitgeschichte Personen und Strömungen versuchen, mit „alternativen Fakten" und Ansichten aus der Mottenkiste vordemokratischer Zeiten das Rad der Geschichte zurückzudrehen, dann muss man dagegenhalten - unter anderem mit dem emanzipatorischen Geist der Kunst. Auch in der aktuellen Pop/Rockmusik finden sich jede Menge Beispiele für ein aufgeklärtes fortschrittliches Bewusstsein: Songschreiber, Komponisten, Bands, in deren neuen Alben sich eine stilistische Offenheit mit Experimentier- und Spielfreude verbindet und nach individuellen, neuen Wegen geforscht wird.

Vielschichtigkeit, Komplexität, Grenzüberschreitungen, Kreativität und Klangfantasie, all das findet sich in den neuen Alben „Preternatural" von Moulettes, „V" von Blackfield, „Venn" von Clock Opera, „Hang" von Foxygen, „In The Passing Light Of Day" von Pain Of Salvation, „Mother Tongue" von Rebekka Karijord, „Close Eyes To Exit" von Klangstof, „The Outpost" von Blueneck, u.a.

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Moulettes / Parasite / Preternatural / Craft Pop, Rough Trade
3. Clock Opera / Whippoorwill / Venn / K7, Indigo
4. Pain Of Salvation / Meaningless / In The Passing Light Of Day / Inside Out, Sony
5. Foxygen / Mrs. Adams / Hang / Jagjaguwar, Cargo
6. Blackfield / Family Man / V / Kscope, Edel
7. Rebekka Karijord / Home / Mother Tongue / Control Freak Kitten Records, Cargo
8. Moulettes / Coral / Preternatural / Craft Pop, Rough Trade
9. Gentle Giant / Free Hand / Playing The Fool / Chrysalis
10. Foxygen / America / Hang / Jagjaguwar, Cargo

 

am Donnerstag 12.01.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 14.01.2017 14-15 Uhr), Thema:

In Memoriam: Paul Vincent Gunia

- zum Tod eines großartigen, vielseitigen und zeitlebens unterschätzten Musikers 

Wer sich nur über die großen Musikzeitschriften informiert, konnte es nicht wissen, weil es dort nicht vorkam. Auch der Schreiber dieser Zeilen hat es nicht mitbekommen und jetzt erst durch Zufall erfahren: Der großartige Musiker, virtuose Gitarrist und originelle Komponist von Rocksongs und Soundtracks für Kino/TV-Filme, Paul Vincent Gunia, ist bereits im Oktober 2016 gestorben.

Am 1. Dezember 1950 im Rheinland geboren, begann Paul Vincent, wie er sich als Musiker nannte, seine Laufbahn als Sänger und Gitarrist noch zur Schulzeit in der Beatband Park Lane und gehörte anschließend kurzzeitig der hessischen Psychedelic Rockband Missus Beastly an. Nach dem Gymnasium zog er nach München und konnte rasch in der dortigen Musikerszene Fuß fassen. Über den Jazz-Saxophonisten und Manager der Band Amon Düül II, Olaf Kübler, lernte er Klaus Doldinger kennen, in dessen Jazzrock-Gruppe Motherhood Paul Vincent als Gitarrist einstieg. Zu Motherhood gehörte damals auch der Schlagzeuger Udo Lindenberg, mit dem Paul Vincent später eng zusammenarbeiten sollte. 1973 erschien sein Debütalbum als Solist: „Vincent - Makin' Our Own Sweet Music", mit selbstverfassten, englischsprachigen Songs, gefolgt 1975 von dem deutschsprachigen Album „Vincents Fliegender Rock & Roll Zirkus", das im schnoddrigen Szenesprech der Texte an Udo Lindenberg erinnerte. 1982 wurde Paul Vincents dritte Solo-LP, das Deutschrock-Konzeptalbum „Sternreiter" veröffentlicht, eine „phantastische Reise ans Ende der Zeit" (Untertitel).

Inzwischen war Paul Vincent längst zu einem gefragten Studiomusiker aufgestiegen und begleitete eine große Zahl namhafter Musiker bei deren Plattenproduktionen. So arbeitete er als Studiogitarrist z.B. für Freddie Mercury, Eric Burdon, Sting, Roger Clover (Deep Purple), Meat Loaf, Gary Brooker (Procol Harum), Gianna Nanini, Eberhard Schoener und Peter Maffay. Zwischen 1976 und 1980 war er dann als Gitarrist, Co-Komponist und Arrangeur Mitglied in Udo Lindenbergs Panikorchester, danach der Macher, Songschreiber und Produzent in der Wolle Kriwanek Band, die von 1977 bis 2003 eine der wichtigsten Mundart-Bluesrockbands in Deutschland war. Als der schwäbische Dialekt-Rocker Wolle Kriwanek im April 2003 überraschend starb, machte die Band nun unter der Leitung von Paul Vincent mit neuem, englischsprachigem Songprogramm weiter und nannte sich Vincent Rocks.

Daneben gründete er die Band Quartetto, die sich auf Rock-Arrangements von klassischen Kompositionen (u.a. von Bach, Mozart, Grieg) spezialisierte. Schon in den 90er Jahren hatte er gemeinsam mit seiner Frau, der klassisch ausgebildeten Sängerin Monika „Mono" Gunia, ein weiteres Side-Projekt ins Leben gerufen, die Gospel-, Folk- und Spiritualgruppe Vincent, mit der er drei LPs produzierte.

Neben Live-Konzerten und Plattenaufnahmen beschäftigte sich Paul Vincent immer mehr auch mit der Komposition und Produktion von Filmmusik für TV-Serien und Kinofilme. Im Jahre 2001 erhielt er den Deutschen Fernsehpreis in der Sparte „beste Filmmusik" für seine Musik zum Film „Der Schrei des Schmetterlings". Für den Tatort hatte er ebenso Musik produziert wie für die ARD-Serie „In aller Freundschaft". Nebenher arbeitete er auch als Musikjournalist, schrieb von 1987 bis 2005 Kolumnen für die Musikfachzeitschrift Sound Check, führte Interviews mit Brian May, Jimmy Page u.a. und veröffentlichte 1993 ein Buch über die Geschichte der Rock-Gitarre („Das Rock Guitar Buch").

Auf seinen eigenen Alben überraschte er immer wieder mal mit originellen Stilverschmelzungen. Dazu gehörte auch eine originelle Mixtur aus Mozarts kleiner Nachtmusik und dem Bluesrock-Klassiker „Sunshine Of Your Love" von Cream. Zur Creme der deutschen Pop/Rock-Musiker zählte der bescheidene Paul Vincent allemal, auch wenn ihn außerhalb der Musiker- und Insiderszene kaum einer kannte. Diese Kramladen-Ausgabe will an das große Können des ungemein sympathischen und fachkundigen Musikers Paul Vincent erinnern - und zwar mit einem Querschnitt durch seine umfangreiche Produktivität.

So veröffentlichte er z.B. im Jahre 2004 eine Rockoper mit dem Titel „Love and Peace and Rock'n'Roll". In dieser amüsanten Song-Geschichte erzählt Paul Vincent mit mild ironischem Unterton ein Stück Rock-Historie aus Deutschland und England in den frühen siebziger Jahren. Auf drei CDs, die sehr liebevoll und aufwändig produziert wurden, hatte Paul Vincent seinen Traum von einer „Rock-Oper aus besseren Zeiten" - so der Untertitel - verwirklicht.

Im Jahre 2007 erschien das souverän eingespielte Live-Album American Girl seiner Band Vincent Rocks. 2011 veröffentlichte Paul Vincent äußerst gelungene, mutige und fast im Alleingang aufgenommene Bearbeitungen von Beatles-Songs in seinem Album My Beatles Songbook. Im Jahr darauf folgte sein nostalgisches, handwerklich großartig gemachtes, psychedelisches Bluesrock-Album Electric Hippie Music. Sein ungebrochener Arbeitseifer und seine schier unerschöpfliche Kreativität führten schließlich 2015 zu der 71 Songs umfassenden 4-CD-Box L.O.V.E., eine Art Kompendium der Love-Song-Tradition in der Popgeschichte; alles selbst geschrieben, arrangiert und überwiegend alleine in seinem eigenen Tonstudio aufgenommen. Hut ab! Große Pop-Kunst! Im September 2016 erschien dann sein letztes Album „Kammermusik".

Für seine Familie und Freunde muss es wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel gekommen sein. Paul Vincent Gunia starb am 25. Oktober 2016 völlig überraschend „an den Folgen eines schweren Herzinfarktes" (www.vincentrocks.de). Er wurde nur 65 Jahre alt.

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Paul Vincent / Universal Love / L.O.V.E. / Luxus Musik, Bell Records
3. Paul Vincent / Shangri-La / Electric Hippie Music / Luxus Musik, Bell Records
4. Vincent Rocks / Eine kleine Nachtmusik, Sunshine Of Your Love / American Girl live / Luxus Musik, Bell Records
5. Paul Vincent / Daytripper / My Beatles Songbook / Luxus Musik, Bell Records
6. Klaus Doldingers Motherhood (feat. Paul Vincent und Udo Lindenberg) / Song Of Dying / Klaus Doldingers Motherhood / Liberty Records
7. Freddie Mercury / Man Made Paradise / Mr. Bad Guy / Columbia
8. Udo Lindenberg (feat. Paul Vincent) / Montage diverser Songs / diverse Alben /  diverse
9. Wolle Kriwanek Band / I bin für die bloß der Neger / Schwabenrock / Mercury
10. Paul Vincent Gunia / Der Schneemann / Soundtrack / download
11. Paul Vincent / Ticket To Ride /  My Beatles Songbook / Luxus Musik, Bell Records