Schallplatte mit Volker Rebell Beschriftung

2017 Kramladen-Sendungen in ByteFM

und 2018 Kramladen-Sendungen in ByteFM

am Donnerstag 12.07.18, 23-24 Uhr (Wiederholung 14.07.18, 14-15 Uhr), Thema:

„Yellow Submarine", der legendäre Zeichentrickfilm der Beatles hatte vor 50 Jahren Kinopremiere. Eine Würdigung des „genialen Animationsmeisterwerks und Pop-Märchens" (Kinowelt)

„Es war einmal, oder vielleicht zweimal, ein überirdisches Paradies namens Pepperland - ein Reich voller Glück und Musik. Doch die Idylle wurde von den schrecklichen Blaumiesen bedroht, die Pepperland kurzerhand den Krieg erklärten und eine Invasionsarmee schickten. Angeführt wurden die Truppen von dem gefährlichen Fliegenden Handschuh, der alles zermalmte, was gut war und Spaß machte. - Auftritt John, Paul, George und Ringo als Retter in der Not!" (zitiert aus der Ankündigung des Films)

Der Zeichentrickfilm Yellow Submarine gilt als ein bahnbrechendes Meisterwerk der Animationskunst. Angeregt von ausgewählten Beatles-Songs zeichnete das Graphiker-Team um den Düsseldorfer Art Director Heinz Edelmann „ein einmaliges Farbenfeuerwerk voll absurd anarchischem Witz, blühendem Nonsens und stilistisch einflussreichen Einfällen" (VideoWoche, 1999).

Die Drehbuchautoren um den späteren Autor der „Love Story" Erich Segal kreierten eine märchenhafte Allegorie auf die Zeitgeschichte und Bewusstseinshaltung der späten sechziger Jahre mit der utopischen Vorstellung eines paradiesischen Lebensentwurfs, der von einer missgünstigen kriegerischen Gegenmacht vereitelt wird. Doch durch die Hilfe und Gegenwehr der Glorreichen Vier erlebt das Musikparadies Pepperland dann doch noch ein Happy End. Die Beatles mit ihrer lebensbejahenden und fröhlichen Musik vertreiben die kriegerischen Miesmacher und aggressiven Neinsager und bekehren die Blue Meanies (die Blaumiesen) am Ende sogar  zu Friede, Freude, Eierkuchen und guter Laune.

Mit dem Film selbst hatten die Beatles nicht allzu viel zu tun. Sie lieferten gerade mal vier neue Songs für den Soundtrack ab, wobei diese Songs zum Teil aus der Schublade gezogen wurden, weil sie bei früheren Produktionen aussortiert worden waren. Nur der neue Song „Hey Bulldog" konnte den hohen Ansprüchen, die man damals an Beatles-Songs stellte, einigermaßen gerecht werden. Dafür sind im Film jede Menge berühmte Song-Klassiker zu hören wie etwa „Nowhere Man", „Eleanor Rigby", „With A Little Help From My Friends", „All You Need Is Love" und natürlich der Titelsong des Films „Yellow Submarine".

Leibhaftig, persönlich traten die 4 Beatles nur ganz am Schluss des brillanten, psychedelischen Pop-Art-Spektakels auf - im Grunde nur um launig überzuleiten zum Schlusstitel des Films „All Together Now".

Vor 50 Jahren, um genau zu sein am 17. Juli 1968 feierte der dritte Beatles-Film seine Kinopremiere in London. Grund genug, sich an die fantasievolle Handlung und wegweisende graphische Darstellung zu erinnern, aber auch an die Bedeutung des Films und erst recht an seine Songs.

Playlist 

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

The Beatles

All Together Now

Yellow Submarine Songtrack

Apple, EMI

3.

The Beatles

Hey Bulldog

Yellow Submarine Soundtrack

Apple, EMI

4.

The Beatles

Baby You're A Rich Man

Yellow Submarine Songtrack

Apple, EMI

5.

George Martin, The Beatles

Sea Of Monsters

Yellow Submarine Soundtrack

Apple, EMI

6.

The Beatles

Nowhere Man

Yellow Submarine Songtrack

Apple, EMI

7.

The Beatles

Lucy In The Sky With Diamonds

Yellow Submarine Soundtrack

Apple, EMI

8.

The Beatles

All You Need Is Love

Yellow Submarine Soundtrack

Apple, EMI

9.

The Beatles

Love You To

Yellow Submarine Soundtrack

Apple, EMI

10.

The Beatles

When I'm Sixty-Four

Yellow Submarine Soundtrack

Apple, EMI

11.

The Beatles

Only A Northern Song

Yellow Submarine Soundtrack

Apple, EMI

12.

The Beatles

It's All Too Much

Yellow Submarine Soundtrack

Apple, EMI

 

 

am Donnerstag 28.06.18, 23-24 Uhr (Wiederholung 30.06.18, 14-15 Uhr), Thema:

Katja Werker - "Magnolia" und die Reise ins Innere der Seele

Ist es nicht bitter, dass sich die außergewöhnliche Songschreiberin und Sängerin Katja Werker gezwungen sieht, sich von der Konzertbühne als Live-Musikerin zurückzuziehen? Und dies nach 20 Jahren Bühnenerfahrung und nach der Veröffentlichung von sieben makellosen Alben mit selbstverfassten, absolut hörenswerten Songs. Ihr neues Album „Magnolia" soll zwar nicht das letzte sein, die Musik wird sie nicht aufgeben. Doch zum Jahresende wird sie von der Konzertbühne abtreten.

Ihr Start ins Musikbusiness hatte verheißungsvoll begonnen als sie im Jahre 2000 wie aus dem Nichts auftauchte und damals ihr großartiges Debüt-Album „Contact Myself" veröffentlichte -  mit atmosphärischen Songs, die ungemein intensiv waren und vor allem durch Katjas introvertierte, geradezu beschwörende Singweise auffielen.

Dieses allseits hochgelobte Album öffnete der damals 29-jährigen Sängerin, Songschreiberin, Multiinstrumentalistin und Autodidaktin viele Türen. Ihre damalige Plattenfirma schrieb zu recht: „Jubelnde Redakteure von Beckmann bis Brigitte, Talkshows und Titelstorys, Fanzines und Feuilletons - alle liebten Katja Werker". Tatsächlich las man in Musikmagazinen wie Rolling Stone, Stereoplay und Audio außerordentlich positive Kritiken, was zur Folge hatte, dass der Plattenerstling „Contact Myself" eine Top 50-Platzierung in den deutschen Charts erreichte.

Ebenso überraschend wie sie ins Rampenlicht getreten war, verschwand sie auch wieder. Erst sechs Jahre später erschien ihr zweites Album „Leave That Thing Behind", eine erneut englischsprachige Produktion von internationalem Format, die erstaunlicherweise ohne große Beachtung blieb. Auch die Folgealben zeichneten sich durch eine außergewöhnliche Qualität und einen individuellen, geradezu unverwechselbaren Charakter aus, blieben aber erneut unterbewertet. Seit ihrem vierten Album „Neuland" von 2011 singt die 1970 in Essen geborene Katja Werker in ihrer Muttersprache - und seit Album Nr. 6, „Lieder vom Küchentisch" (2014), produziert und veröffentlicht sie in Eigenregie und gründete ihr eigenes Label „Küchentisch Productions".

Um sich Katja Werkers besondere Ausstrahlung zu vergegenwärtigen, höre man sich das hypnotische und magische Intro ihres Songs „Rollercoaster" aus dem Album „Dakota" von 2008 an, das detailreiche, sorgsam ausgearbeitete Arrangement des Ethno-Popsongs „The Streets Of Africa" aus dem Debütalbum „Contact Myself", oder das psychologische Feingefühl im Text des von Akustikgitarre und Streichern getragenen Lebenshilfeliedes „Nur dir allein" aus dem neuen Album „Magnolia". Aber vor allem höre man ihre intime, verhauchte Stimme, die von der Achterbahn namens Liebe singt, zwischen Melancholie und Verzückung, Flehen und Verlieren, sich verlieren, alles verlieren, alles gewinnen. Die anstrengendste, aufregendste, wildeste, schönste Berg-und-Tal-Bahn, die das Leben bietet: die magnetische Kraft zwischen zwei Menschen - das ist ihr Thema, neben der nie endenden Reise zu sich selbst. Darum geht es in allen ihren Alben, so auch im neuen „Magnolia", das sich erneut auf die Suche begibt nach dem imaginären Eldorado im Innenleben einer jeden leidgeprüften, glückgewärtigen Seele, die auf dem Weg zu sich selbst ist, im Sinne von zu sich selbst zu stehen.

Noch immer ist Katja Werker vielen Pop-Interessierten nicht bekannt , obwohl sie eine der bemerkenswertesten Sängerinnen und Songschreiberinnen in Deutschland ist - mit einem imponierenden Song-Repertoire von inzwischen sieben Alben, die ihre Ausnahmestellung im anspruchsvollen deutschen Pop begründen.

Warum wird sie zum Jahresende 2018 die Konzertbühne verlassen? Es habe mit dem Zustand der Musik- und Konzertszene zu tun, mit dem wachsenden Konkurrenzdruck, mit unerfreulichen Ereignissen wie Respektlosigkeiten von Seiten der Veranstalter und Plattenfirmen, sagt Katja Werker im Interview, das in dieser Kramladen-Stunde neben vielen ihrer Songs ausführlich zu hören sein wird. Noch ist Katja Werker auf Abschiedstour. Wer Gelegenheit hat, sie live und solo zu erleben, sollte diese letzte Chance nutzen. (aktuelle Tourtermine siehe www.katja-werker.com)

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Katja Maria Werker

Life Goes Up

Contact Myself

RCA, BMG

3.

Katja Werker

Pony Ride On

Leave That Thing Behind

SPV

4.

Katja Werker

Nur dir allein

Magnolia

Küchentisch Productions

5.

Katja Werker

Werden, wer ich bin

Magnolia

Küchentisch Productions

6.

Katja Werker

Rollercoaster

Dakota

EMI

7.

Katja Werker

Zorn in meinem Kopf

Magnolia

Küchentisch Productions

8.

Katja Werker

Nur den Moment

Magnolia

Küchentisch Productions

9.

Eva Cassidy

Fields Of Gold

Fields Of Gold

hotrecords

10.

Katja Werker

Die Gitarre passt in einen Koffer

Magnolia

Küchentisch Productions

 

 

am Donnerstag 14.06.18, 23-24 Uhr (Wiederholung 16.06.18, 14-15 Uhr), Thema:

Badesalz und der „Mailbox TERROR" 

Sie sind die Pioniere und Paten der hessischen Comedy. Als die beiden Musiker und Indie-Humoristen Gerd Knebel (Ex-Flatsch) und Henni Nachtsheim (Ex-Rodgau Monotones) sich 1982 zum Comedy-Duo Badesalz zusammentaten und an ersten eigenen Lachnummern erfolgreich arbeiteten, war „Comedy" noch ein Fremdwort in hiesigen Breiten. Von Anfang an setzten die beiden Anarcho-Komödianten Maßstäbe in der explosionsartig sich ausbreitenden Humorszene aus subversiven deutschen Landen - mit ihrem absurden Voodoo-Gebabbel, ihren grenzgängigen Gaga-Gags, urkomischen Nonsens-Dialogen, wortwitzig überdrehtem Dada-Sprachausfluss und ihren schrägen Fantasiefiguren und den bis zur Kenntlichkeit herausgearbeiteten Dödeltypen, die dem Wahnsinn des Alltags entsprungen sein konnten.

Ihre wortakrobatische Komik speist sich aus dem kreativ fabulierenden Umgang mit dem banalen bis kruden Geschwall, das man Aufschnappen kann, wenn man andern aufs Maul schaut; und entspringt einer genauen Beobachtung all jener illustren Zeitgenossen, die das alltägliche Straßentheater in Groß- und Kleinstädten bevölkern - vom nur vordergründig braven Spießbürger bis zum verqueren Doofkopp. Doch trotz bitterbösem Spott und überzeichneter Karikatur findet man in den abwatschenden Badesalz-Sketchen statt herabwürdigender Häme immer noch eine gewisse Restsympathie für all die beknackten Dollbohrer und bescheuerten Simpel, die von Badesalz aufs Korn genommen wurden und humoristisch ihr Fett abbekamen.

Dem riesigen, kaum noch überschaubaren Produktionsumfang von teilweise unglaublich erfolgreichen Bühnen-Programmen, Alben, DVDs, Büchern und TV-Filmen der letzten Jahrzehnte fügen Badesalz nun zwei weitere urkomische Glanzstücke hinzu: die CD „Mailbox-Terror" und die DVD „Dö Chefs", Mitschnitt ihrer kürzlich erst abgeschlossenen Bühnentour, die zu den erfolgreichsten Tournee-Programmen in der Geschichte von Badesalz zählt.

Der rote Faden und running gag der neuen CD „Mailbox Terror" ist das Abhören von hinterlassenen Nachrichten auf dem Anrufbeantworter im Badesalzbüro. Da verwählt sich ein grenzdebiler Rentner. Ein Pornoproduzent, der vorgibt Henni aus einem Bibelkreis zu kennen, trägt Henni eine Hauptrolle an im Pornofilm „Der Sex-Reaktor des Dr. Plutonium", der im stillgelegten Atommeiler von Biblis spielen soll. Dann ruft ein Kinderbuchverleger an, der die Badesalz-Autoren geradezu verzweifelt flennend anfleht, ihn künftig mit weiteren Manuskripten zu verschonen, worauf anschließend natürlich das in Rede stehende „Bibelhörspiel für Kinder - Im Paradies" in aller schräg-absurden Pracht zu hören ist. Ein eitler Möchtegern-Musikstar und Weltverbesserer fordert Badesalz auf, sich an einem Benefizfestival für den vom Aussterben bedrohten Gualamappa-Käfer zu beteiligen. Ein fernöstlich klingender Comedy-Schreiber (gesprochen von Rick Kavanian) bietet einen exklusiven Sketch an, in dem der Sohn seinen Vater fragt: „Babba, wenn ich mal Hämorriden habe muss ich dann zum Arschäologen?" Dann trägt ein Fan eine selbstverfasste, grottenschlechte „Hochzeits-Laudatio" vor und bitte Badesalz um Verbesserungsvorschläge. Ein Nachbar fragt, ob er seinen „Bubi" übers Wochenende mal in Obhut geben könne. Doch weiter kommt der Hundehalter nicht, denn er wird während seines Anrufs von „Bubi", dem Kampfterrier gemeuchelt. Uschi und Rosi wollen die Badesalzer ins „schöne Retzelbach" einladen, wo es sensationelle Attraktionen gibt, wie z.B. den berühmten Brunnen, wo sich sogar Luther die Füße gewaschen habe, sogar zweimal, erst den rechten, dann den linken Fuß. Aber zur Zeit sei der Brunnen ausgeschaltet. Und so geht's immer weiter - meist schenkelklopfend bis brüllend komisch. Man muss es hören, beschreiben geht nicht.

Zu den musikalischen Highlights gehören drei Coverversionen des neuen Badesalz-Hymnus auf Äppler, Handkäs und Griie Soos mit der Überschrift „Hessische Freundschaft", der neben den fiktiven „Bessunger Pressköpp" von den realen Sängerfreunden Matz Mutzke und Andreas Kümmert aufgenommen wurden. Zu den satirischen Höhepunkten des Albums zählt das Minihörspiel „Die Vorteile toleranten Denkens" über eine Stammtischrunde, in der ein Loblied auf die Scharia angestimmt wird, weil dann die unterm Pantoffel stehenden Stammtischbrüder endlich ihre lästig quengelnden Frauen in die Schranken weisen könnten.

Am Freitag, dem 15. Juni erscheinen beide neuen Silberlinge von Badesalz. Aus diesem Anlass gibt Henni Nachtsheim in einem ausführlichen Interview Auskunft über die Hintergründe, Inhalte und Besonderheiten der neuen Badesalz-Produktionen. Zu hören im „Kramladen" am 14.06. um 23 Uhr und am 16.06. um 14 Uhr.

Playlist 

 

Artist

Track

Album

Label

0.

Badesalz

Meldeteuchmal Die Hessalians

Mailbox TERROR

Frau Batz Records

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Henni Nachtsheim

Alles durcheinander

Es wird Zeiten geben

105 music

3.

Dirty Dabbes

Putzintensiv

Putzintensiv

Frau Batz Records

4.

Badesalz

Lissabon-Virus

Mailbox TERROR

Frau Batz Records

5.

Badesalz

Pordugall

Mailbox TERROR

Frau Batz Records

6.

Rick Kavanian

Indababba

Mailbox TERROR

Frau Batz Records

7.

The Hotz

I Lover The Sun

The Hotz

Pirate Records

8.

Badesalz

Fuck and Love

Mailbox TERROR

Frau Batz Records

9.

Badesalz

Black Or White

Black Or White (Maxi-Single, 1992)

Columbia

10.

Badesalz

Die Vorteile toleranten Denkens

Mailbox TERROR

Frau Batz Records

11.

Bessinger Pressköpp

Hessische Freundschaft

Mailbox TERROR

Frau Batz Records

12.

Max Mutzke

Hessische Freundschaft

Mailbox TERROR

Frau Batz Records

11.

Andreas Kümmert

Hessische Freundschaft

Mailbox TERROR

Frau Batz Records

12.

Badesalz

Los Dos Cheffos

Dö Chefs

Frau Batz Records

13.

Badesalz

Save The Gualappa Beetle

Mailbox TERROR

Frau Batz Records

 

 

am Donnerstag 31.05.18, 23-24 Uhr (Wiederholung 02.06.18, 14-15 Uhr), Thema: 

Er blieb der ewige Prinz am Hof der Black Music - zum 60. Geburtstag von Prince - Teil 1 

Geboren am 7. Juni 1958 in Minneapolis als Prince Rogers Nelson machte er im April 1978 zum ersten Mal in den USA von sich reden mit der Veröffentlichung seines aufwändig produzierten Debütalbums „For You". Wenig später begann für Prince eine beispiellose Karriere, die ihn binnen kurzem als Sänger, Songschreiber, Multiinstrumentalist und Produzent in den Olymp des Planeten Pop katapultierte. Seine beeindruckende Laufbahn endete abrupt, tragisch und völlig überraschend. Im Alter von nur 57 Jahren starb Prince am 21. April 2016 nach der Einnahme einer Überdosis eines extrem starken Schmerzmittels, des Opioids Fentanyl. Ein Selbstmord oder Fremdverschulden wurde ausgeschlossen; der abschließende Untersuchungsbericht geht von einer versehentlichen, unbeabsichtigten Überdosierung des Opioid-Schmerzmittels aus. Der Bericht legt allerdings die Vermutung nahe, dass Prince schon seit geraumer Zeit von Medikamenten und Schmerzmitteln abhängig gewesen sei. Aus seiner Umgebung verlautete, Prince habe wegen seiner jahrelangen exzessiven Tanzshows - immer mit High Heels an den Füßen - an schweren Hüft- und Knieschmerzen gelitten. 

In seiner Anfangszeit stilisierte er sich als Kreuzung aus Punk-Ästhet und Rokoko-Schönling, als futuristische Variante von King Elvis und Jimi Hendrix, als moderne Mutation von James Brown und Sly Stone, als Mixtur aus Sex-Derwisch und Purpur-Prinz. Mit 13 Millionen verkaufter Exemplare seines Albums „Purple Rain" (1984) stieg Prince nicht nur zum erfolgreichsten, sondern auch zum innovativsten schwarzen Musiker in der zweiten Hälfte der 80er Jahre auf. Weitere Meilenstein-Alben wie „Sign O' the Times" und „Lovesexy" beförderten noch seinen Ruhm als kreativer Superstar.

Doch Ende der 80er setzte eine künstlerische Flaute ein. Prince machte nur noch Schlagzeilen mit dem Verwirrspiel um seinen Namen (The Artist Formerly Known As Prince, TAFKAP, Symbol), mit dem zweifelhaften Sklavenhalter-Vorwurf gegenüber seiner Plattenfirma, der er zuvor den bis dato höchst dotierten Plattenvertrag aller Zeiten abgerungen hatte und mit dramatisch rückläufigen Plattenverkäufen und musikalischen Ideen.

Doch dann erkämpfte er sich innovatives Terrain zurück. Seine Dreifach-CD „Crystal Ball" von 1998 verweigerte sich gänzlich den herkömmlichen Vermarktungs- und Vertriebswegen und wurde zunächst ausschließlich über das Internet propagiert und vertrieben.

Auch mit seinem Album „Planet Earth" vom Juli 2007 sorgte er mit einem ausgefallenen Vertriebs-Clou für Schlagzeilen. In England brachte er das Album als Gratisbeilage einer Tageszeitung unter die Leute. Bei seiner anschließenden Tour erhielt jeder Konzertbesucher das Album als Dreingabe zum Konzertticket. Bei seiner Plattenfirma machte er sich mit solchen Aktionen keine Freunde. Aber die Aufmerksamkeit der Medien und Fans war ihm gewiss. Solche PR-Aktionen schienen auch nötig zu sein, denn die Pop-Öffentlichkeit war zwar noch immer sehr an ihm interessiert, an den Konzerten übrigens mehr als an seinen Alben der späten Jahre, aber an die Mega-Erfolge der 80er Jahre konnte er nicht mehr anknüpfen.

In seinem kommerziell doch wieder recht erfolgreichen Album „Musicology" von 2004 besang er ungewollt sein eigenes Schicksal: er war Musik-Geschichte geworden, blieb aber immer noch hörenswert.

Von seinem kreativen Potenzial her, hätte er den Stellenwert von Michael Jackson nach dessen Affären einnehmen und damit den King beerben können. Aber er blieb der ewige Prinz am Hof des schwarzen Pop. Aus Anlass seines 60. Geburtstags widmet sich der Kramladen dem musikalischen Kosmos des großen Musikers Prince. Im ersten Teil geht es vor allem um die Musik seines letzten Lebensjahrzehnts. Teil 2 beschäftigt sich mit der Zeit davor.

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Prince

Million $ Show

Hit'n'Run Phase One

NPG Records

3.

Prince

Baltimore

Hit'n'Run Phase Two

NPG Records

4.

Prince

Cinnamon Girl

Musicology

NPG Records, Columbia

5.

Prince

Dear Mr. Man

Musicology

NPG Records, Columbia

6.

Prince

Planet Earth

Planet Earth

NPG Records, Sony

7.

Prince

The Holy River

Emancipation

NPG Records

8.

Prince

3121

3221

NPG Records

9.

Prince

Lavaux

20ten

NPG Records

10.

Prince

When The Light Goes Down

The Vault ... Old Friends 4 Sale

WEA Records, Warner Music

 

 

 

am Donnerstag 15.05.18, 23-24 Uhr (Wiederholung 17.05.18, 14-15 Uhr), Thema:

„Power Of Resistance" - Weltklasse-Jazz von Michael Sagmeister

Ein Porträt zu seinem 40-jährigen Bühnenjubiläum.

Michael Sagmeister, einer der führenden Jazz- und Fusion-Gitarristen feiert aktuell sein 40-jähriges Bühnenjubiläum. Sein Live-Debüt gab er auf dem 16. Deutschen Jazzfestival 1978 im Großen Sendesaal des Hessischen Rundfunks. Ursprünglich sollte der am 27. Juli 1959 in Frankfurt geborene Arbeitersohn Michael Werner Sagmeister ein anderes Talent entwickeln und eine Laufbahn als Fußballprofi anstreben. Doch als Zwölfjähriger entdeckte er für sich die Leidenschaft zur Gitarre und machte auch mit diesem Talent rasante Fortschritte, weil er fast täglich stundenlang wie besessen übte. So gelang ihm eine außergewöhnliche Karriere vom Autodidakt zum „Gitarren-Wunderkind" und über seinen späteren Weltklasseruf als Gitarrenvirtuose bis hin zum Dozent am Berklee College of Music in Boston als erster Deutscher überhaupt und schließlich - seit 1999 - zum Ordentlichen Professor an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Als gefragter Jazz-Pädagoge veröffentlichte er Lehrvideos und Bücher, darunter ein Standardwerk für Jazz-Gitarre, das sich zum meistverkauften Gitarrenlehrbuch im Jazz entwickelte („Michael Sagmeisters Jazz-Gitarre", AMA-Verlag 1999).

Seit seinem Debütalbum mit dem Sagmeister Trio von 1979 zählt man ihn zu den renommiertesten Jazzgitarristen der Gegenwart; die internationale Jazzkritik lobt ihn inzwischen gar als „einen der weltbesten Gitarristen seines Genres". Im Laufe der Jahre arbeitete er mit bedeutenden Jazzmusikern zusammen, darunter Pat Martino, Larry Coryell, Attila Zoller, Barney Kessel, Charlie Byrd, Herb Ellis, Philip Catherine, Volker Kriegel, Shakti, Lyle Mays, Billy Cobham, Gerry Brown, Jack de Johnette, Will Kennedy, Jon Hiseman, Dave Samuels, Randy Brecker, Johnny Griffin, Miroslav Vitous, Dominic di Piazza, Albert Mangelsdorff, Emil Mangelsdorff, Wolfgang Dauner, Dario Eskanasi, Ack van Rooyen, Charlie Mariano, Mark Murphy, United Jazz und Rock Ensemble, etc..

Der mit über 30 veröffentlichten Alben äußerst produktive Ausnahmemusiker Michael Sagmeister, der spieltechnisch ohnehin über jeden Zweifel erhaben ist, erweist sich in seinem neuesten Album „Power Of Resistance" erneut auch als hervorragender Komponist. Elf der fünfzehn Titel seines neuen Albums sind Eigenkompositionen - allesamt gelungen und absolut hörenswert. Schon wie er im Eröffnungstitel „Flower Tower" das melodiöse Grundthema in virtuosen Soli umdeutet und souverän entwickelt und dabei ebenso elegant wie entspannt klingt, das ist hohe Jazz-Kunst in Vollendung.

Der Kramladen porträtiert Michael Sagmeister in einem ausführlichen Interview.

Playlist 

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Michael Sagmeister

Round Midnight

Power Of Resistance

Acoustic Music Records

3.

Michael Sagmeister

Giant Steps

Soul Ticket

Acoustic Music

4.

Michael Sagmeister & Britta Medeiros

Sunny

Soul Ticket

Acoustic Music

5.

Michael Sagmeister

Sunny

Live am 21.04.2018

Privataufnahme

6.

Michael Sagmeister & Antonella D'Orio

Estate

Nell' Anima

Jawo Records

7.

Michael Sagmeister

To Like The Bop Is Hard To Be

Soulful Questions

Bell Records

8.

Michael Sagmeister

Mild Taste

Power Of Resistance

Acoustic Music Records

9.

Michael Sagmeister Britta Medeiros

Night Ride Home

When The Moment Sings

Acoustic Music Records

10.

Michael Sagmeister

Both Sides Now

Live am 21.04.2018

Privataufnahme

 

am Donnerstag 03.05.18, 23-24 Uhr (Wiederholung Samstag 05.05.18 14-15 Uhr), Thema: 

Klaus Voormann - zum 80. Geburtstag

Den Echo-Ehrenpreis für sein Lebenswerk gab er zurück

„In der Mitte des Konzerts kündigt Paul das Lied an, das er für John nach dessen Tod geschrieben hatte. Er sagte dem Publikum, wie sehr er es bedauerte, dass er John nie mehr die Dinge sagen konnte, die er ihm sagen wollte. Plötzlich hielt er inne und ergänzte: ‚Und ich möchte diesen Song auch meinem guten alten Freund Klaus Voormann widmen, der viel Zeit mit John verbrachte und heute Abend auch hier ist. Here is to you, Klaus.'"  Dies schreibt Klaus Voormann auf Seite 305 seines 2003 veröffentlichten Buchs „Warum spielst du IMAGINE nicht auf dem weißen Klavier, John" (Erinnerungen an die Beatles und viele andere Freunde - Heyne Verlag, München, ISBN 3-453-87313-0).

Tatsächlich hatte er das Privileg als Bassist mit allen Beatles zusammenzuarbeiten - außer Paul, der am Bass nun mal keine Unterstützung brauchte. Doch für Paul hat er zumindest die Illustration des Album-Booklets Run Devil Run (1999) übernommen. Die anderen drei Beatles unterstützte er als Bassist bei vielen ihrer Platteneinspielungen und teilweise auch als Begleitmusiker bei Konzerten. Kennen gelernt haben sich die Beatles und Klaus Voormann 1960 in Hamburg, „als die vier Jungs voller Lebensfreude einen ganzen Stadtteil Hamburgs umkrempelten", schreibt Klaus Voormann im Nachwort seines Buches. Er entdeckte die damals noch völlig unbekannten Beatles im Kellergeschoss der Großen Freiheit 36, einer Seitenstraße der Reeperbahn von St. Pauli, der sündigsten Meile Europas. Dort, im Kaiserkeller, rockten die vier Beatles wild, ungezügelt und witzig, was den Grafikstudenten Voormann so sehr faszinierte, dass er so oft es ging den Kaiserkeller und die Beatles besuchte. Rasch entwickelte sich eine enge Freundschaft, die auch noch andauerte, als die Beatles längst zu Superstars aufgestiegen waren.

Klaus Voormann, der 1961 den Bass des scheidenden Beatles-Bassisten Stu Sutcliff gekauft hatte, zog 1964 nach London und machte sich bald einen Namen als Bassist in der Londoner Musikszene. Von 1966 bis '68 gehörte er der Band von Manfred Mann als Bassist an, war 1969 Gründungsmitglied der Plastic Ono Band und begleitete John Lennon auf fast allen seiner Soloplatten. Als gefragter Studiomusiker spielte er auf Platten von George Harrison, Ringo Starr, Carly Simon, B.B. King, Peter Frampton, Lou Reed, Harry Nilsson, Art Garfunkel, Randy Newman und vielen anderen mehr.

Nach 1979 arbeitete er vornehmlich als Musikproduzent und machte die vorher unbekannte Neue Deutsche Welle-Band Trio berühmt, nicht zuletzt mit deren Hit „Da-Da-Da". Darüber hinaus kooperierte er als Produzent mit Musikern wie Marius Müller-Westernhagen, Klaus Doldinger, Heinz-Rudolf Kunze, Joachim Witt, Stephan Remmler, Wigald Boning u.a..

2009 erschien sein viel gelobtes Soloalbum Voormann & Friends: „A Sideman's Journey", an dem auch Paul McCartney und Ringo Starr beteiligt waren - neben Yusuf Islam (formerly known as Cat Stevens), Dr. John, Bonnie Bramlett, Don Preston u.a..

Als international renommierter Grafik-Design-Künstler gestaltete Klaus Voormann 1995 und '96 das Cover-Artwork der drei Anthology-Boxen der Beatles. Seine berühmteste grafische Arbeit war aber die Gestaltung des Covers der Beatles-LP Revolver von 1966, wofür er 1967 einen Grammy für das beste Schallplatten-Cover erhielt. Das Rock-Magazin <Rolling Stone> kürte Voormanns Revolver-Cover 2011 zu den 10 besten Plattencover aller Zeiten. Zum 50-jährigen Jubiläum des Albums Revolver veröffentlichte Klaus Voormann das Buch „Birth of an Icon - Revolver 50".

Am 29. April konnte er seinen 80. Geburtstag feiern. Zwei Wochen zuvor war ihm der Echo-Ehrenpreis für sein Lebenswerk überreicht worden. Die Laudatio hielt Wolfgang Niedecken. Doch wenig später gab er seine Trophäe wieder zurück. Begründung: „Was sich für mich als Geschenk anlässlich meines 80. Geburtstags anfühlte, entpuppt sich nun als große Enttäuschung", teilte Voormann mit. Mit der Rückgabe des Echo ziehe er die Konsequenzen aus der Auszeichnung und Teilnahme der Rapper Bang und Kollegah und deren „menschenverachtenden, frauenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen und gewaltverherrlichenden" Texten. Was auch dieser Fall belegt: Klaus Voormann ist sich und seinen Wertvorstellungen immer treu geblieben.

„Er ist ein wunderbarer Mensch, ein verrückter Hund, ein leidenschaftlicher Kunst- und Musikliebhaber, ein prächtiger Vater und Ehemann, ein enger Freund und ein totales Arschloch." (Paul McCartney über Klaus Voormann - zitiert nach Wikipedia)

Playlist 

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Voormann & Friends

Mighty Quinn

A Sideman's Journey

Mercury, Universal

3.

Manfred Mann

Mighty Quinn

Mighty Garvey

Fontana Records

4.

The Beatles

Tomorrow Never Knows

Revolver

Parlophone, EMI, Apple

5.

Voormann & Friends

I'm In Love Again

A Sideman's Journey

Mercury, Universal

6.

Paddy, Klaus & Gibson

I Wanna Know

I Wanna Know I Tried

Pye

7.

Manfred Mann

Ragamuffin Man

Ragamuffin Man

Fontana

8.

John Lennon

Cold Turkey

Live Peace In Toronto

Apple Records

9.

Doris Troy

So Far

Doris Troy

Apple

10.

Voormann & Friends

So Far

A Sideman's Journey

Mercury, Universal

11.

Randy Newan

Short People

Little Criminals

Warner

12.

Voormann & Friends

Short People

A Sideman's Journey

Mercury, Universal

13.

Voormann & Friends

The Day The World Gets Round

A Sideman's Journey

Mercury, Universal

14.

George Harrison

The Day The World Gets Round

Living In The Material World

Apple, Dark Horse

 

am Donnerstag 19.04.18, 23-24 Uhr (Wiederholung Samstag 21.04.18, 14-15 Uhr). Thema:

Pura Vida, Pura Musica - Musik und Natur in Costa Rica

Kolumbus nannte seine Entdeckung im Jahre 1502 „reiche Küste", wegen der erhofften Goldschätze, die er aber niemals fand. Heutige Besucher finden in Costa Rica einen Reichtum an unvergleichlichen Naturschönheiten und vielgestaltiger Musik. Etwa 30% des landschaftlich kontrastreichen mittelamerikanischen Landes zwischen zwei Weltmeeren sind als Nationalparks und Naturschutzgebiete ausgewiesen. Das seit Jahrzehnten politisch stabile Costa Rica, das als einziges Land der Welt sein Militär abgeschafft hat, bietet nicht nur einsame Traumstrände, tropische Regenwälder, aktive Vulkane und eine erstaunliche Artenvielfalt von Kolibris über Brüllaffen und Leguane bis zu seltenen Schildkröten, sondern auch eine abwechslungsreiche Musikvielfalt. Auf der Plaza de la Cultura im Herzen der Hauptstadt San José hört man traditionelle Marimbas und Mariachis; aus den Autos der jungen Ticos, so nennen sich die Costaricaner selbst, dröhnt moderner Latin-HipHop; im ländlichen Guanacaste ist die regionale Volksmusik der Bomba noch weit verbreitet; an den atlantischen Palmenstränden von Cahuita dominiert der karibische Reggae; auf den Festen der Kleinstädte, aber auch in den Discos tanzt man im Rhythmus der Cumbia - und natürlich gibt es auch costaricanische Varianten von Mainstream-Pop, Rock und Jazz. Doch ähnlich wie beim rar gewordenen Nebelwald-Vogel Quetzal, den die Maya und Azteken als Götterboten verehrten, verhält es sich auch bei der Musik Costa Ricas: man muss sich ihr mit Muße widmen, um sie zu entdecken.

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Inconsciente Colectivo

Avenida Central

TiKici@ Rock

BMG Ariola

3.

Los Garbanzos

Sin Voluntad

TiKici@ Rock

BMG Ariola

4.

Malpaís

Mirá a tu alrededor

Hay Ninos Aqui

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5.

Kalúa

Chambacú

La Convencion De La Cumbia

Omega Music

6.

Editus

Navegando: Arrecife

Calle Del Viento

Teletica7

7.

Rubén Blades & Editus

Tiempos

Tiempos

Sony

8.

Porpartes

Para Que

Porpartes

Universal

9.

Guadalupe Urbina

País Azul

Gardens of Eden

Putumayo, Exil Musik

10.

Calle Dolores

Patria o Muerte

TiKici@ Rock

BMG Ariola

11.

Passiflora

Like A Tree

Noches En Flora

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12.

Andrew Roth & Marc Roegiers

Cloud Forest & Wetlands

Natural sounds Of Costa Rica

www.zonatropical.net

 

 

 

am Donnerstag 05.04.18, 23-24 Uhr (Wiederholung Samstag 07.04.18, 14-15 Uhr), Thema:

„You say you want a revolution. But what can a poor boy do ...?" - Die 68er. Zwischen Revolution und Party. Bericht eines Zeitzeugen. oder: Vor 50 Jahren: „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke" und die Folgen: Revolte im Frühjahr 68.

Frühjahr 1968: In den Kinos läuft „Zur Sache Schätzchen" mit Uschi Glas und Werner Enke, außerdem Oswalt Kolles Aufklärungsfilm „Das Wunder der Liebe". Die Zeitschrift Konkret wirbt für ihre jüngste Ausgabe mit Texten von Ulrike Marie Meinhof. 16. März: Massaker von My-Lai in Vietnam. US-GIs ermorden 504 Zivilisten. 17. März: Die Anti-Vietnamkrieg-Demo vor der US-Botschaft in London eskaliert in eine Schlacht mit der Polizei (Mick Jagger schreibt anschließend „Streetfighting Man"). 2. April: Kaufhausbrandstiftung in Frankfurt unter Beteiligung der späteren RAF-Mitglieder Andreas Baader und Gudrun Ensslin. 4. April: Martin Luther King wird in Memphis ermordet. 12. - 15. April: Studentenunruhen in Frankfurt und Berlin nach Attentat auf Rudi Dutschke.

Vom Wasserwerfer bis auf die Haut durchnässt, fühlte sich der kleine Rebell als wäre er nun zum Straßenkämpfer getauft worden. Und der erste - leichte - Hieb, den er vom Knüppel eines Polizisten einstecken musste, war für ihn wie ein Ritterschlag. Jetzt gehörte er dazu. Jetzt war seine Wut auch durch das persönliche Getroffen-sein gerechtfertigt. Er beteiligte sich am Barrikadenbau vor der Frankfurter Societäts-Druckerei. Es galt, die Auslieferung der Bild-Zeitung zu verhindern.  Die Springerpresse - und allen voran die Bild-Zeitung - hatte seit Wochen gegen den Studentenführer Rudi Dutschke gehetzt. Und fast folgerichtig war es jetzt passiert. Ein Hilfsarbeiter hatte Dutschke, „das Kommunistenschwein" (O-Ton des Attentäters Josef Bachmann), am Gründonnerstag, dem 11. April 1968 mit drei Schüssen lebensgefährlich verletzt. Elf Jahre später sollte Rudi Dutschke an den Folgen des Attentats sterben.

Allen, die sich zur Studentenbewegung zählten, oder mit ihr sympathisierten, war klar, dass die Hetze der Bild-Zeitung für die Fast-Ermordung des Studentenführers mitverantwortlich war. Also gingen tags drauf, am Karfreitag vor 50 Jahren, Hunderte von Studenten und jungen Leuten spontan auf die Straße und versuchten, die Auslieferung der Bild-Zeitung zu verhindern. An der sachbeschädigenden Protestaktion, einen Bauwagen vor die Ausfahrt der Druckerei zu schieben und umzustürzen, hatte sich der kleine Rebell noch beteiligt, doch als Protestler versuchten, den Bauwagen anzuzünden, da wurde ihm zum ersten Mal mulmig. Dann beteiligte er sich an einer Sitzblockade - und traute seinen Augen nicht. Berittene Polizisten gallopierten auf die Demonstranten zu und ritten in die Menge hinein. Alle schrieen und stürmten in Panik auseinander.

Dieses schockierende Erlebnis, das von der Polizei später abgestritten und von der konservativen örtlichen Presse bewusst falsch dargestellt wurde, sollte die aktive Karriere des rebellischen „Street Fighting Man" bald beenden.

Aber an den sit-ins, be-ins, teach-ins und love-ins jener Tage beteiligte er sich mit großem Interesse. Was sich in dieser Zeit an kreativer Freiheit, spontanen Begegnungen, neuen Lebensentwürfen, sexueller Freizügigkeit und mentalen Erkenntniszuwächsen herauskristallisierte, entwickelte eine Dynamik, die das Gefühl erzeugte, alles sei möglich. Und tatsächlich war vor 50 Jahren in dieser Aufbruchsphase der Jugendkultur fast alles machbar. Auch die schöpferisch geradezu explodierende Musikszene des Jahres '68 machte die neuen Freiräume hörbar. Neue Bands wie Love, Spirit, The Doors, Cream, Steppenwolf, Jimi Hendrix Experience, Iron Butterfly, Vanilla Fudge, Captain Beefheart, The Mothers Of Invention u.a. prägten den geradezu revolutionären Sound vor 50 Jahren.

Der Kramladen erzählt wahre Begebenheiten vom Frühjahr 1968 und lässt den Sound jener Zeit Revue passieren.

Was damals in der Luft lag, das fasste die Gruppe Love im Titel ihres Albums vom März 1968 so zusammen: „Forever Changes".

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Reel Big Fish

Will The Revolution Come

Monkeys For Nothin And The Chimps For Free

Rykodisk

3.

The Zombies

Time Of The Season

Odessey and Oracle

CBS

4.

The Byrds

I Wasn't Born To Follow

The Notorious Byrd Brothers

Columbia Records

5.

Love with Artur Lee

Maybe The People Would Be The Times Or Between Clark And Hilldale

The Forever Changes Concert

Snapper Music

6.

Wolf Biermann

Drei Kugeln auf Rudi Dutschke

Warte nicht auf bessre Zeiten

CBS

7.

Steppenwolf

Born To Be wild

Steppenwolf

ABC Dunhill

8.

Big Brother And The Holding Company feat. Janis Joplin

Down On Me

Big Brother And The Holding Company

Columbia

9.

The Doors

Strange Days

Strange Days

Elektra Records

10.

Jimi Hendrix

Are You Experienced

Are You Experienced

Polydor

11.

The Rolling Stones

Streetfighting Man

Forty Licks

Virgin

12.

The Beatles

Revolution

The Beatles

Apple, EMI

13.

Spirit

Fresh Garbage

Time Circle

SPV

 

 

am Samstag 24.03.18, 14-15 Uhr, Thema:

„There's A Place to Twist and Shout" - 55 Jahre „Please Please Me" - Teil 2: die B-Seite

Das gab es nie wieder in der Popgeschichte. Nur ein Jahr, nachdem eine völlig unbekannte Beatband aus Liverpool ihr Debütalbum (am 22. März 1963) veröffentlicht hatte, stand die Popwelt Kopf, weil dieses junge Quartett eine weltweite Hysterie ohne gleichen ausgelöst hatte, genannt Beatlemania.

Das erste Album der Beatles „Please Please Me" steht für die Geburt der Popmusik wie wir sie heute kennen - was die Charakteristika Massenphänomen, Kommerzialität, Ausdruck des Zeitgeistes und Euphorisierung der Alltagskultur angeht. Alles nahm seinen (popkulturellen) Lauf mit der Verbreitung von 14 simplen, aber damals ungemein elektrisierenden Songs.

Die ersten sieben Songs und damit die A-Seite dieser bahnbrechenden Langspielplatte sind im ersten Teil behandelt worden, nun folgen im zweiten Teil die restlichen sieben Songs der B-Seite. Neben den Original-Songs der Beatles werden auch wieder die im Jahre 2013 aufgenommenen Neueinspielungen des BBC-Projektes Remaking A Classic - 12 Hours To Please Me zu hören sein. In dieser Produktion vom 11. Februar 2013, dem 50. Jahrestag der Beatles-Aufnahmen, wurden die Songs des Albums „Please Please Me" unter den gleichen Bedingungen wie beim Originalalbum 50 Jahre zuvor eingespielt: live, im gleichen Abbey Road-Studio 2 - wie weiland die Beatles - und ebenfalls innerhalb von 12 Stunden, wie es die Beatles vorgemacht hatten. Nicht alle Neuaufnahmen können mit den Beatles-Originalen konkurrieren, manche scheitern gar kläglich. Doch was zum Beispiel Joss Stone mit jazzigem Blues/Soul-Feeling gesanglich aus dem Filmsong „A Taste Of Honey" macht, das lässt die von Paul gesungene Coverversion der Beatles weit hinter sich. Wohingegen Paul Carracks Nachspielung von „Misery" ziemlich langweilig ist - im Vergleich zur Urfassung der Beatles.

Beim Wiederentdecken des Original-Albums fällt endlich auf, dass der vorletzte Song der B-Seite, die Lennon/McCartney-Komposition „There's A Place" lange unterbewertet wurde. Hauptsächlich von John Lennon geschrieben, ist, wie immer, der Name beider Songschreiber als Komponistenangabe vermerkt. Hier allerdings in der Reihenfolge McCartney/Lennon, was übrigens bei allen Eigenkompositionen des Plattenerstlings der Fall ist. Diese Schreibweise bleibt aber einmalig in der Plattengeschichte der Beatles.

Der bislang arg unterschätzte Song „There's A Place" kann tatsächlich als ein erstes kleines Highlight der Beatles-Songkunst bezeichnet werden. Die 2013 aufgenommene Neufassung des Songs, eingespielt von der damals erst 20-jährigen britischen Sängerin und Songschreiberin Gabrielle Alpin, die vornehmlich übers Internet bekannt wurde, stellt eine mutig veränderte Neudeutung des Songs dar.

Der Schlusstitel sowohl des Originalalbums als auch der BBC-Neuproduktion setzt beiden Aufnahme-Sessions die Krone auf. Wie John Lennon trotz Erkältung und Halsschmerzen den banalen Songtext von „Twist And Shout" mit leidenschaftlicher Intensität auflädt und wie Beverly Knight ihre soulgetränkte Neufassung 50 Jahre später mit gesanglicher Energie in Szene setzt, das ist gleichermaßen grandios - nachzuhören im Kramladen am 24.03.18 ab 14 Uhr.

(Wiederholung der Kramladen-Sendung vom 28.03.2013 in ByteFM zum 50-jährigen Jubiläum von „Please Please Me" Teil 2)

Playlist 

 

Artist

Track

Album

Label

Zeitplan

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

01:08

2.

The Beatles

Love Me Do

Please Please Me

Apple, EMI

03:49

3.

Rudy Rotta & Band

Love Me Do

The Beatles In Blues

Pepper Cake, Zyx

07:29

4.

The Beatles

PS I Love You

Please Please Me

Apple, EMI

12:34

5.

Various Artists

PS I Love You (Kollage)

diverse

download

15:08

6.

The Shirelles

Baby It's You

Under The Influence - the Original Versions of the songs The Beatles covered

Sequel Records

21:41

7.

The Beatles

Baby It's You

Please Please Me

Apple, EMI

22:31

8.

The Beatles

Do You Want To Know A Secret

Please Please Me

Apple, EMI

28:18

9.

Ian Broudie

Do You Want To Know A Secret

Remaking A Classic - 12 Hours To Please Me

BBC Radio

download

30:21

10.

The Beatles

A Taste Of Honey

Please Please Me

Apple, EMI

34:58

11.

Lenny Welch

A Taste Of Honey

Under The Influence - the Original Versions of the songs The Beatles covered

Sequel Records

37:51

12.

Joss Stone

A Taste Of Honey

Remaking A Classic - 12 Hours To Please Me

BBC Radio

download

39:38

13.

The Beatles

There's A Place

Please Please Me

Apple, EMI

44:37

14.

Gabrielle Alpin

There's A Place

Remaking A Classic - 12 Hours To Please Me

BBC Radio

download

46:23

15.

The Beatles

Twist And Shout

Please Please Me

Apple, EMI

51:47

16.

Isley Brothers

Twist And Shout

Under The Influence - the Original Versions of the songs The Beatles covered

Sequel Records

55:06

17.

Beverly Knight

Twist And Shout

Remaking A Classic - 12 Hours To Please Me

BBC Radio

download

56:44

 

am Donnerstag 22.03.18, 23-24 Uhr. Thema:

55 Jahre „Please Please Me" - oder: wie ein simples Album die Welt veränderte - Teil 1: die A-Seite

Die Produktionskosten betrugen gerade mal 400 Pfund, die LP wurde an einem Tag aufgenommen und veränderte die Geschichte der Popmusik nachhaltig. War dieses Album wirklich ein Urknall für die Popentwicklung? Vom musikalischen Inhalt her wohl nicht. Aber: das Debütalbum der Beatles, das am 22. März 1963 veröffentlicht wurde, markiert in mancherlei Hinsicht den Startpunkt einer Pop-Explosion. Als ein völliges Novum enthielt das erste Album der Beatles acht (von insgesamt 14) Songs, die Eigenkompositionen der Band waren. Dies war damals vor 55 Jahren geradezu revolutionär. Denn nach der damals üblichen Praxis musste ein Schallplattenkünstler Songs von professionellen Songschreibern aufnehmen, die der Produzent zuvor ausgewählt hatte. Auch dass die Beatles ihr eigenes Songrepertoire als geschlossene Band, ohne Einsatz von professionellen Studiomusikern, aufnehmen konnten, war damals alles andere als üblich.

Das Entscheidende aber, das „Please Please Me" zu einem der wichtigsten Alben der Popgeschichte aufsteigen ließ, war die weltweite Wirkung dieser Langspielplatte. Das erste Beatles-Album veränderte die Welt nicht nur der Popmusik, weil mit dieser überraschend frisch und teilweise originell klingenden Musik der Beatles eine neue Zeitrechnung anbrach. Das unbekümmert und frech-fröhlich auftretende Quartett versprühte eine überrumpelnde, ansteckende Energie, der sich kaum jemand unter 25 entziehen konnte. Alle wollten plötzlich so sein wie John, Paul, George und Ringo. Mit einemmal wurden überall Bands gegründet.

Die vier Beatles mochten keine herausragenden Musiker sein, doch sie hatten Charme, Witz, Verve und eine mitreißende Ausstrahlung. Sie boten Identifikationsmöglichkeiten für Abertausende von jungen Leuten - und: in ihren Reihen befanden sich zwei fantastische Sänger und großartige Songschreiber, die ihr immenses Talent in diesem Plattenerstling deutlich hörbar aufblitzen ließen. Nach der Veröffentlichung von „Please Please Me" und dem Erreichen des Spitzenplatzes in der britischen Hitparade war in der Popwelt nichts mehr wie zuvor. Die Beatles stiegen auf zur größten Band des Planeten, und in ihrem Sog veränderte sich die gesamte Popkultur.

Fast 50 Jahre später kürten die Juroren des Musikmagazins <Rolling Stone> „Please Please Me" im Ranking der „500 größten Alben aller Zeiten" auf Platz 39. Dieses Votum von 2012 dokumentiert und unterstreicht - trotz der Simplizität des musikalischen Materials - die Bedeutung des Albums bis heute.

Zum 50. Jubiläum des Beatles-Debüts nahmen im Jahre 2013 renommierte Popkünstler von heute (Joss Stone, Mick Hucknall, Stereophonics, I Am Kloot, Paul Carrack, Graham Coxon von Blur, u.a.) alle Songs des Albums „Please Please Me" in den Abbey Road Studios nochmals neu auf, also an jenem Ort, wo das Originalalbum der Beatles an einem einzigen Tag entstanden war. Und auch diese Neu-Aufnahme fand innerhalb nur eines einzigen Tages statt, wie damals, live im Studio eingespielt.

Zu den Höhepunkten dieses aktuellen Remakes zählt die soulgetränkte Neufassung von „Twist And Shout", grandios gesungen von Beverly Knight und eine intime Interpretation des eigenwilligsten Songs des ersten Beatles-Albums, der schon eine Ahnung gab, in welche Richtung sich die Beatles weiter entwickeln sollten: „There's A Place", einfühlsam in Szene gesetzt von der damals erst 20-jährigen Newcomerin Gabrielle Aplin. Der Kramladen spielt die Songs des so überaus wichtigen Plattendebüts der Beatles, liefert die Hintergrundgeschichten und vergleicht die Beatles-Originale mit den 2013 aufgenommenen Neueinspielungen von „Please Please Me". Mal hören, ob die Bitte nach Befriedigung erfüllt wird.

(Wiederholung der Kramladen-Sendung vom 14.03.2013 in ByteFM zum 50-jährigen Jubiläum von „Please Please Me" Teil 1)

Playlist 

 

Artist

Track

Album

Label

Zeitplan

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

01:02

2.

The Beatles

Misery (Probeaufnahme)

Documents Vol. 1

Document Records, Disk De Luxe

04:32

3.

Beatles

Misery (Ausschnitt)

Please Please Me

Apple, EMI

11:03

4.

Paul Carrack

Misery

Remaking A Classic - 12 Hours To Please Me

BBC Radio

download

14:52

5.

Arthur Alexander

Anna (Go To Him)

Under The Influence - the Original Versions of the songs The Beatles covered

Sequel Records

19:49

6.

The Beatles

Anna (Go To Him)

Please Please Me

Apple, EMI

20:24

7.

Mick Hucknall

Anna (Go To Him)

Remaking A Classic - 12 Hours To Please Me

BBC Radio

download

21:00

8.

The Beatles

I Saw Her Standing There

Please Please Me

Apple, EMI

24:17

9.

Stereophonics

I Saw Her Standing There

Remaking A Classic - 12 Hours To Please Me

BBC Radio

download

28:55

10.

The Cookies

Chains

Under The Influence - the Original Versions of the songs The Beatles covered

Sequel Records

33:37

11.

The Beatles

Chains

Please Please Me

Apple, EMI

35:09

12.

I Am Kloot

Chains

Remaking A Classic - 12 Hours To Please Me

BBC Radio

download

37:20

13.

The Beatles

Boys

Please Please Me

Apple, EMI

41:39

14.

The Shirelles

Boys

Under The Influence - the Original Versions of the songs The Beatles covered

Sequel Records

44:20

15.

The Merseybeats

Boys

Remaking A Classic - 12 Hours To Please Me

BBC Radio

download

45:24

16.

The Beatles

Ask Me Why

Please Please Me

Apple, EMI

48:39

17.

The Beatles

Please Please Me

Please Please Me

Apple, EMI

53:47

18.

Chris Difford, Glen Tilbrook

Please Please Me

Remaking A Classic - 12 Hours To Please Me

BBC Radio

download

55:43

19.

The Beatles

Love Me Do

Please Please Me

Apple, EMI

58:57

 

 

am Donnerstag 08.03.18, 23-24 UhrThema:

James Taylor - zum 70. Geburtstag

Er fühle sich wie ein Bote aus einer anderen Zeit, sagte James Taylor zur Veröffentlichung seines letzten Albums „Before This World", das im Juni 2015 erschien. Den Albumtitel wolle er so verstanden wissen, dass er in einer Welt vor der jetzigen zu dem wurde, der er heute sei. Die Welt der sechziger Jahre habe ihn nun mal geprägt. Und diese Prägung verleugnet keiner seiner Songs, die in den letzten 50 Jahren von ihm veröffentlicht wurden. Insofern kann man sagen, auch in seinem aktuellen Album pflege er einen altmodischen Stil. Mit gleicher Berechtigung lässt sich behaupten, diese Songs haben eine zeitlose Qualität.

Seine exzellente Spieltechnik auf der Akustikgitarre, seine klare, makellose Gesangsstimme, seine empfindsamen und entspannt vorgetragenen, in melancholisch warmen Tönen grundierten Songkompositionen und seine oft scharfsinnigen Texte, meist aus einer persönlichen Perspektive erzählerisch vermittelt, machen ihn nach wie vor zum Inbegriff des Singer/Songwriters. Dass noch immer ein Bedürfnis an seinen scheinbar altmodischen Songs besteht, beweist der immense Erfolg seines aktuellen, siebzehnten Studioalbums „Before This World", das in den USA Platz 1 der Billboard-Charts belegte und in England Platz 4 erreichte.

Mit Feuer und Regen und darauf folgendem Dukatensegen begann seine Karriere. „Fire And Rain" war seine Befreiung aus der Drogenhölle und sein erster Songerfolg 1970. Auch in seinem aktuellen Song „Watchin' Over Me" aus dem letzten Album thematisiert er seine frühere Suchtabhängigkeit. Mit seinen persönlichen, authentisch klingenden Songs definiert er seit fünf Jahrzehnten das Singer/Songwriter-Idiom wie kaum ein Zweiter - musikalisch-inhaltlich wie kommerziell. Sein Greatest Hits-Album von 1976 ist mit 11 Millionen das bestverkaufte Album eines Singer/Songwriters.

Natürlich gab es vor ihm schon Dylan und Donovan, Simon & Garfunkel und andere. Aber seine autobiographischen Gitarrenballaden hatten eine zuvor kaum gekannte Intensität und Intimität gleichermaßen. Fast privatim, auf jeden Fall ehrlich und ungekünstelt, klangen seine Selbstreflexionen und Lebensbeichten in Songformat. Seine ersten schmerzgetränkten Gitarrenballaden von 1969/70 haben die Tür geöffnet für das, was wir heute als Singer/Songwriter-Stil kennen.

Sein Debüt-Album erschien im Dezember 1968 auf dem Beatles-eigenen Label Apple, blieb aber ohne Erfolg. Doch schon von seinem zweiten Album „Sweet Baby James" von 1970 wurden über 2 Millionen Exemplare verkauft. Bis dato haben seine Alben insgesamt eine Auflage von weit über 30 Millionen erreicht. 1998 erhielt er einen Grammy für sein Album „Hourglass" und im Jahre 2000 wurde er in die „Rock and Roll Hall of Fame" aufgenommen. 

Heute ist James Taylor ein entspannter, abgeklärter Zeitgenosse und singt und schreibt nach wie vor sensible und hörenswerte Songs. In seinem Live-Album „One Man Band", das am 30.11. 2007 zusammen mit einer Konzert-DVD erschien, zeigte er sich auch von seiner humorvollen Seite in launigen und ironischen Geschichten, die er zwischen seinen Songs erzählte.

Er betreibt inzwischen ein eigenes Webradio: „James Taylor Radio", in dem er neben eigenen auch Songs von anderen Singersongwritern spielt, die mit ihm stilistisch verwandt sind. Zur Playlist seines eigenen Radios gehört auch das Titelstück seines letzten Albums „Before This World", bei dem er von Starcellist Yo-Yo Ma und Co-Sänger Sting begleitet wird.

Am 12.03. wird James Taylor 70 Jahre alt. Der Kramladen feiert ihn schon heute.

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

James Taylor

Watchin' Over Me

Before This World

Universal

3.

James Taylor

Montana

Before This World

Universal

4.

James Taylor

Far Afghanistan

Before This World

Universal

5.

James Taylor

October Road

October Road

Columbia

6.

James Taylor

The Frozen Man

One Man Band

hearmusic

7.

James Taylor

Line 'Em Up

Hourglass

Columbia

8.

James Taylor

My Travelling Star

One Man Band

hearmusic

9.

James Taylor

Anana

Hourglass

Columbia

10.

James Taylor

Fire And Rain

Sweet Baby James

Warner Bros. Records

 

 

 

am Donnerstag 22.02.18, 23-24 Uhr (Wiederholung 24.02.18 14-15 Uhr), Thema:

Zappa vs. Beatles

Im Februar vor 50 Jahren erschien das erste kollagierte Rockalbum der Popgeschichte, das ebenso satirisch-anarchische wie musikalisch überbordende Album „We're Only In It For The Money" von Frank Zappa und seinen Mothers Of Invention. Das Albumcover parodierte das Sgt. Pepper-Cover des Meilensteinalbums der Beatles. Der musikalische Inhalt des Zappa/Mothers-Albums bot spöttisch Paroli zum Hippie-Zeitgeist jener Monate - und alleine der Albumtitel durfte als Häme auf Lennons Hippie-Botschaft „All You Need Is Love" verstanden werden.

Zur gleichen Zeit pilgerten die Beatles ins Meditationscamp des Gurus Maharishi Mahesh Yogi im nordindischen Rishikesh. Die Beatles waren wiedermal Vorreiter für neue Entwicklungen in der Popkultur, diesmal mit ihrer Suche nach Seelenfrieden und spiritueller Erkenntnis in Indien. Während Zappa und die Mothers gleichzeitig den ganzen Hippiekram verhöhnten.

Reizvolle Kontraste im Kramladen mit dem Blick zurück in den Februar 1968.

Der Schluss-Song dieser Stunde trägt die Überschrift: „When the lie's so big" - die Lügen der amerikanischen Politiker, vor allem der Republikaner geißelte Frank Zappa in seinem letzten Rock-Live-Album „Broadway The Hard Way" von 1988. In diesem seinem politischsten Album, in dem er sich selbst auch als Alternative für das Amt des US-Präsidenten ins Spiel brachte, brandmarkte er die meisten der Mächtigen unter den konservativen Republikanern als verlogen, eitel, machtbesessen, unfähig, bigott und korrupt. Ähnliches hatte er auch schon Ende der 60er Jahre vom Stapel gelassen.

„We're Only In It For The Money"- dieser 50-jährige Slogan von Frank Zappa hat doch auch heute wieder Präsenz und ist aktuell wie nie - auch hierzulande. Hier eine kleine Auswahl aus Nachrichten vom 21.02.2018:  Laut „Tranparency International" ist Deutschland auf dem weltweit ermittelten Korruptions-Index um 2 Punkte auf Platz 12 abgerutscht. Wer sagt's denn: „We're only in it for the money". Die EU-Kommission verhängt Millionenstrafen gegen die Deutschen Automobilzulieferer Bosch und Continental, wegen illegaler Preisabsprachen. Ist doch klar: „We're only in it for the money". Bis zu 8000 Menschen sollen jährlich in Deutschland an Herz/Kreislauferkrankungen sterben alleine wegen der giftigen Dieselabgase - und die Autoindustrie weigert sich, ihre betrügerischen Machenschaften durch Nachrüstung von Abgasmindernder Hardware wieder gut zu machen. Gibt stattdessen Versuche mit Affen und Menschen in Auftrag, die belegen sollen, dass wegen ihrer Abgasmanipulation im Testmodus kaum Gift aus ihren Auspuffrohren herauskommt.

 „We're only in it for the money" - von der Geldgier der Topmanager, die den Hals nicht voll kriegen können, über die Korruption und Beutelschneiderei der Konzerne: „Uns geht's nur um den Zaster" hat Zappa vor 50 Jahren in einer Mischung aus Ironie und Anklage formuliert und er hat auch gleich seine Sicht der Dinge mitgeliefert: „Was ist das Hässlichste an Dir? Manche sagen deine Nase, manche sagen deine Zehen, aber ich denke, es ist dein Bewusstsein. Deine Kinder sind bedauernswerte unglückliche Opfer von Lügen, an die du glaubst. Die Pest auf deine Ignoranz, die den Jungen die Wahrheit vorenthält, auf die sie ein Recht haben."

Playlist 

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Frank Zappa & The Mothers Of Invention

Absolutely Free

We're Only In It For The Money

Rykodisc

3.

The Beatles

The Inner Light

Past Masters Volume Two

Apple, Parlophone

4.

The Beatles

Lady Madonna

Anthology 2

Apple, EMI

5.

The Beatles

Across The Universe

The Beatles Documents Vol 4

Document Records

6.

John Lennon

The Happy Rishikesh Song

John Lennon Anthology CD 4

Capitol Records

7.

The Beatles

Sexy Sadie

The Beatles

Apple, EMI

8.

George Harrison

Brainwashed

Brainwashed

EMI

9.

Frank Zappa & The Mothers Of Invention

Flower Punk

We're Only In It For The Money

Rykodisc

10.

Frank Zappa & The Mothers Of Invention

The Idiot Bastard Son

We're Only In It For The Money

Rykodisc

11.

Frank Zappa

When The Lie's So Big

Broadway The Hard Way

Rykodisc

 

 

 

am Donnerstag 08.02.18, 23-24 Uhr (Wiederholung 10.02.18, 14-15 Uhr), Thema:

Legales Kiffen

Die Geschichte der Popmusik ist auch eine Geschichte vom Kiffen. Vor 5 Jahrzehnten wurde mit Anspielungen auf das Kiffen noch kokettiert. Der unverblümte Lobgesang auf Marihuana, wenig verklausuliert im Song „My Green Tambourine" war für die US-Band The Lemon Pipers vor genau 50 Jahren ein Nr.1-Hit in den Billboard-Charts im Februar 1968. Der „schwarze Afghane", der „rote Libanese" oder der „grüne Türke" galt den Befürwortern des Marihuana-Konsums als Farbenlehre des Kiffer-Himmels, doch für die konservativen Drogen-Mahner war das alles Teufelszeug, weil Kiffen als Einstieg in die Drogenhölle des Schniefens (Kokain) und Fixens (Heroin) und Schluckens (LSD, Designerdrogen) gebrandmarkt wurde. Die Haschisch-Befürworter widersprachen dieser Verteufelung aufs energischste und forderten jahrzehntelang „Legalize It". 

Nun hat vor wenigen Tagen ausgerechnet der Bund Deutscher Kriminalbeamter gefordert, das Cannabis-Verbot in Deutschland zu beenden. Das Verbot sei „historisch betrachtet willkürlich erfolgt" und „weder intelligent noch zielführend". Verbote und Verurteilungen führten keinesfalls zu weniger Cannabis-Konsum, sondern nur zu einer Kriminalisierung auch harmloser Kiffer und begünstigten nur das weitere Expandieren eines unkontrollierbaren und kriminellen Schwarzmarkts. Wer kiffen wolle, der kiffe, schrieb ein Kommentator, ob Cannabis verboten sei oder nicht. Die jetzige Rechtslage lasse kriminelle Karrieren erst entstehen.

Die CDU/CSU lehnte den Vorstoß der Kriminalbeamten zur Legalisierung von Cannabis sofort und grundsätzlich ab, obwohl es doch inzwischen genug Beispiele in anderen Ländern gibt, wie mit diesem Thema unverkrampfter und fortschrittlich umzugehen ist. In Portugal, Uruguay und einigen US-Bundesstaaten wurde der Cannabis-Konsum längst entkriminalisiert - mit nachweisbaren Erfolgen.

Und es muss auch die Frage erlaubt sein, ob der Staat das Recht hat, mündigen, erwachsenen Bürgern unter Strafandrohung zu verbieten, sich mit Marihuana zu benebeln, selbst wenn dies gesundheitsschädlich ist. Zumal der gleiche Staat keinerlei Probleme damit hat, wenn sich seine Bürger an legalen Drogen wie Alkohol und Nikotin berauschen und das mit womöglich noch größeren gesundheitlichen Risiken. Im Zuge der gescheiterten Jamaika-Sondierungen hatten sich Grüne und FDP für eine Freigabe von Cannabis ausgesprochen. Die Legalisierung unter bestimmten Auflagen würde z.B. nicht unerhebliche Steuereinnahmen generieren mit denen Aufklärungskampagnen und sogar Suchtprävention, womöglich auch Entzugstherapien finanziert werden könnten.

Ob das Kiffen tatsächlich kreativitätsfördend ist, wie von einigen Künstlern behauptet, das darf bezweifelt werden, aber tatsächlich haben kiffende Popkomponisten zum Songbook der Popgeschichte einige berauschend gute Loblieder auf das High-sein beigetragen. Man denke nur an „Eight Miles High" von The Byrds, „Purple Haze" von Jimi Hendrix, Ben Harpers „Burn One Down" (gemeint ist ein Joint), „Don't Bogart That Joint My Friend" von Fraternity Of Man", „Mary Jane" von Rick James, „High All The Time" von 50Cent, „High For This" von The Weeknd, oder „Got To Get You Into My Life", Paul McCartneys Ode an die Droge. Auch der Literaturnobelpreisträger Dylan äußerte sich unverblümt zum Thema: „Everybody must get stoned".

Und auch wenn die besten und nachhaltigsten Rauschgefühle durch die Liebe ausgelöst werden und auch wenn nichts wirkungsvoller ist als euphorisierende, körpereigene Hormone und Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin, wird es dennoch höchste Zeit, dass Peter Toshs beherztes Eintreten für die Entkriminalisierung von Cannabis aus dem Jahre 1976 endlich Realität wird: „Legalize it!"

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Peter Tosh

Legalize It

Legalize It

EMI

3.

The Byrds

Eight Miles High

Fifth Dimension

Columbia Records

4.

Ben Harper

Burn One Down

Fight For Your Mind

Virgin

5.

Wolf Maahn

Hallo Sehnsucht

Soul Maahn

EMI

6.

The Weeknd

High For This

House Of Balloons

Island

7.

Peter Paul & Mary

Puff The Magic Dragon

Peter, Paul & Mommy, Too

Warner Music

8.

Earth Wind & Fire

Got To Get You Into My Life

All Together Now - Beatles-Songs by Superstars

EMI

9.

Wings

Let Me Roll It

Band On The Run

EMI

10.

Ray Charles

Let's Go Get Stoned

Let's Go Get Stoned

ABC

11.

Bob Dylan

Rainy Day Women 12 & 35

Blonde On Blonde

Columbia

 

am Donnerstag 25.01.18, 23-24 Uhr (Wiederholung 27.01.18, 14-15 Uhr), Thema:

Gleich drei Irish Folk-Festivals eröffnen die Konzertsaison 2018 in Deutschland - darunter das Konzertprogramm „Whiskey You Are The Devil" - eine kleine Geschichte des Whiskeys in Irland - live von Februar bis Mai 2018 auf Tour präsentiert vom Irish Folk-Tanz- und Musik-Ensemble Danceperados Of Ireland - vorgestellt im Kramladen

Playlist:

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

John Martyn

He's Got All The Whiskey

The Church With One Bell

independiente

3.

Danceperados Of Ireland

Whiskey You Are The Devil

Whiskey You Are The Devil

Magnetic Music Records

4.

Danceperados Of Ireland

John Barleycorn

Whiskey You Are The Devil

Magnetic Music Records

5.

Traffic

John Barleycorn Must Die

John Barleycorn Must Die

Island Records

6.

Jethro Tull

John Barleycorn

A Little Light Music

Chrysalis Records

7.

The Imagined Village

John Barleycorn

The Imagined Village

RealWorld, Virgin

8.

Cassie & Maggie Mac Donald

Nobleman's Wedding

Willow Collection

 

9.

Danceperados Of Ireland

Dancing Delirium

Whiskey You Are The Devil

Magnetic Music Records

10.

Danceperados Of Ireland

Spanish Connection

Whiskey You Are The Devil

Magnetic Music Records

11.

Danceperados Of Ireland

The Hills Of Connemara

Whiskey You Are The Devil

Magnetic Music Records

12.

Danceperados Of Ireland

The Hills Of Connemara

Whiskey You Are The Devil

Magnetic Music Records

 

am Donnerstag 11.01. 2018 . 23-24 Uhr (Wiederholung 13.01.2018, 14-15 Uhr, Thema:

Kari Bremnes „Det Vi Har" - „Was wir haben" und: Was wir an ihr haben

Auf die Frage wie sie mit dem Grauen in der Welt umgeht, mit Terror, Hass, Flüchtlingsdramen, Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus, Populismus usw. antwortet Kari Bremnes: Ihr Weg, damit umzugehen sei, nichts zu dramatisieren und nicht unterzugehen in Depression und Angst vor der Zukunft. Sie schaue auf das, was gut ist, sie schaue auf ein Lächeln und auf all die Beweise von menschlicher Wärme, wundervollem Verhalten und Umgang miteinander. Darauf würde sie schauen und könne das auch finden. - Dies sagt Kari Bremnes im exklusiven Kramladen-Interview, das die Grundlage ist für eine ausführliche Vorstellung ihres neuen Albums „Det Vi Har", das offiziell am 19.01.2018 veröffentlicht wird.

Im April und Mai geht sie mit ihrer Band für 11 Konzerte auf Deutschlandtour und wird dann die atmosphärisch unverwechselbaren Songs ihres neuen hörenswerten Albums auch live präsentieren.

Kari Bremnes ist eine der großen Sängerinnen und Songschreiberinnen Norwegens, die man in der Tradition von Dylan, Cohen und Joni Mitchell sehen kann, obwohl sie genug Eigenheit aufweist. Sie stammt von den Lofoten, einer Inselgruppe knapp südlich des Polarkreises, wo die Sonne im kurzen Sommer nie so ganz untergeht und wo im langen dunklen Winter die Landschaft in ein blaues, fahles Polarlicht getaucht wird . Bereits 16 Alben hat die heute 60-jährige Kari Bremnes in Norwegen veröffentlicht, nur wenige davon sind für den internationalen Markt in englischer Sprache erschienen. Auch auf ihrem aktuellen Album singt sie alle 11 neuen Songs auf Norwegisch. Zum Glück sind ihre Songtexte im Booklet auch in deutscher Übersetzung abgedruckt, so dass auch der des Norwegischen Unkundige nachlesen kann, wovon die Songs handeln, in der Regel von Nachdenklichkeit und Melancholie, von Aufbruchstimmung und Hoffnung. Und genauso klingt auch die Musik über weite Strecken - überwiegend entspannt und mit einem reizvollen Kontrast arbeitend: der melancholischen Grundstimmung des elegischen Gesangs und der romantisch-dunklen Harmonik auf der einen und einer coolen, motorisch insistierenden Drum-Ästhetik auf der anderen Seite . Kari Bremnes, die überwiegend in Oslo lebt, schreibt viele ihrer Songs im Haus auf ihrer Heimatinsel, wo das raue Meer ganz nah ist, die Landschaft offen und weit und Rentiere an ihrem Küchenfenster vorbeiziehen. Das hört man in den kristallklaren Arrangements und den weiten Klangräumen, die nur spärlich, aber dennoch ausdruckstark instrumentiert sind. Wer entspannte, intelligent gemachte Musik von hoher Klangqualität schätzt, weiß, was wir an Kari Bremnes haben.

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Kari Bremnes

Kanskje

Det Vi Har

Strange Way Records

3.

Kari Bremnes

You'd Have To Be Here

You'd Have To Be Here

Strange Ways Records

4.

Kari Bremnes

Glem Ikkje

Det Vi Har

Strange Way Records

5.

Kari Bremnes

Det Einaste Vi Ville

Det Vi Har

Strange Way Records

6.

Kari Bremnes

Det Som Ennu Ikkje Har Et Navn

Det Vi Har

Strange Way Records

7.

Kari Bremnes

Det Ma Vaere Orden

Det Vi Har

Strange Way Records

8.

Kari Bremnes

Det E Min Sonn

Det Vi Har

Strange Way Records

9.

Kari Bremnes

Det Kunne Skjedd

Det Vi Har

Strange Way Records

10.

Kari Bremnes

Tok Vi Ikke Tog

Det Vi Har

Strange Way Records

am Donnerstag 28.12.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 30.12.17, 14-15 Uhr), Thema:

Lieder zwischen den Jahren

Was macht man üblicherweise zwischen den Jahren? Verdaut man das zurückliegende Jahr und/oder die Weihnachtsgans? Geht man shoppen oder in sich? Widmet man sich der Stille oder der lärmenden Geschäftigkeit? Findet man Ruhe oder endlich Zeit zum Aufräumen? Wo kommt der Ausdruck „zwischen den Jahren" eigentlich her und was hat das zu bedeuten? Gibt es besondere Lieder für die Zeit zwischen den Jahren?
Weitere Fragen und einige Antworten im Kramladen zwischen den Jahren am 28.12.
 

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

0.

Tobias Mann

Zwischen den Jahren

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1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Ben Harper

With My Own Two Hands

Diamonds On The Inside

Virgin

3.

Element Of Crime

Das alles kommt mit

Weißes Papier

Polydor

4.

Sting

Forget About The Future

Sacred Love

A&M Records

5.

Dayna Kurtz feat. Richie Havens

Somebody Leave A Light On

Postcards From Downtown

Municrecords.com

6.

Leonard Cohen

Anthem

The Future

Columbia Sony BMG

7.

Afro Celt Sound System

Go On Through

Volume 3: Further In Time

Real World Records

8.

Ostinato

Between The Years

Chasing The Form

Exile on Mainstream Records

9.

Klee

Zwischen den Jahren

Hello Again

Kleemusik

10.

Erdmöbel

Rakete zwischen den Jahren

Geschenk

Rough Trade

11.

David Bowie

Where Are We Now

The Next Day

Columbia

am Donnerstag 14.12.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 16.12.17, 14-15 Uhr), Thema: 

50 Jahre „Magical Mystery Tour" - der erste künstlerische Flop der Beatles - heute längst rehabilitiert

Zum Jahresende 1967 scheinen die Beatles in einer Krise zu stecken. Zum ersten Mal in ihrer Karriere befinden sie sich künstlerisch in der Defensive.  An Weihnachten 1967 erlebten die erfolgsverwöhnten Fab Four eine schöne Bescherung. Ihr Film „Magical Mystery Tour", eine Art „Underground-Roadmovie in bester Hippie-Manier" (P. Kemper) entpuppte sich als Desaster und fiel bei den Kritikern wie beim Publikum gnadenlos durch. Daran konnten auch überragende Film-Songs wie I Am The Walrus und The Fool On The Hill damals jedenfalls nichts ändern. Wohlmeinende Anhänger attestierten dem zusammengestückelt wirkenden Film den schrägen Charme eines abgedrehten Dada-Gaga-Nonsense-Heimvideos, das jeder gerne mal gedreht hätte.

Die magische Mysterienreise der Beatles, die als ausgeflippter Fernsehfilm mit wirrer Handlung am zweiten Weihnachtsfeiertag von der BBC ausgestrahlt und zuvor schon als durchaus hörenswerte Soundtrack-EP am 8. Dezember 1967 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, markierte mit dem kaum strukturierten Irrsinn seiner drogen-induzierten Ideenvielfalt und dem sympathisch chaotischen Gemeinschaftserlebnis einer abgefahrenen Busreise im Grunde den Übergang vom „Summer Of Love" Anno '67 zum kreativ explodierenden Jahr '68, das soviel Energie in der Jugendbewegung entwickeln sollte, wie nie zuvor - Energie, die auch die Wirkung eines Sprengsatzes haben konnte. „Love and Peace" schien fast schon vergessen, wurde jedenfalls massiv überlagert und gefährdet. Eine Vorahnung von den wilden Zeiten, die unmittelbar bevorstanden, lieferte das irrwitzige und grandiose Klangwunderwerk von Lennon & Co I Am The Walrus. Dieser und andere Songs aus der Magical Mystery Tour, dem überwiegend gelungenen Soundtrack aus dem - nach damaliger Sicht - überwiegend misslungenen gleichnamigen TV-Film der Beatles, wirkten noch lange in das Jahr 1968 hinein.

Mit dem Abstand von fünf Jahrzehnten wird der TV-Film „Magical Mystery Tour" allerdings längst nicht mehr so kritisch beurteilt wie damals. Inzwischen mehren sich die Stimmen, die dem Beatles-Film sogar eine gewisse Form von Originalität attestieren und ihn als Vorreiter der skurrilen Nonsense-Sketchfilme der 1969 gegründeten britischen Komikertruppe Monty Python bezeichnen.

Das „Lexikon des Internationalen Films" rehabilitierte den Beatles-Film sogar mit außergewöhnlich lobenden Worten: „Witziger, unerhört rhythmischer Film, in dem die Beatles zahlreiche liebe Gewohnheiten der Briten persiflieren, aber auch sich selbst auf die Schippe nehmen. Die Zuneigung der Gesangsgruppe zu den Menschen aus den unteren Schichten, ihrer eigenen Herkunft, ist deutlich spürbar und macht den Film sympathisch."

Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums fasst der Kramladen die widersprüchlichen Aussagen über den umstrittenen Beatles-Film „Magical Mystery Tour" zusammen und würdigt die (überwiegend) herausragende Qualität der Filmsongs.

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

The Beatles

Barber Of Sevilla

Documents Vol. 4

Document Records

2.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

3.

The Beatles

Flying

Magical Mystery Tour

Parlophone, EMI, Apple

4.

The Beatles

Magical Mystery Tour

Magical Mystery Tour

Parlophone, EMI, Apple

5.

Cheap Trick

Magical Mystery Tour

All Together Now

EMI

6.

The Beatles

Auntie Jessie's Dream

Magical Mystery Soundtrack

EMI

7.

The Beatles

Blue Jay Way

Magical Mystery Tour

Parlophone, EMI, Apple

8.

The Beatles

I Am The Walrus

Anthology 2

Parlophone, EMI, Apple

9.

The Beatles

I Am The Walrus

Magical Mystery Tour

Parlophone, EMI, Apple

10.

Spooky Tooth

I Am The Walrus

The Last Puff

Island Records

11.

The Beatles

Shirley's Wild Accordion

Magical Mystery Soundtrack

EMI

12.

The Beatles

The Fool On The Hill

Anthology 2

Parlophone, EMI, Apple

13.

The Beatles

The Fool On The Hill

Magical Mystery Tour

Parlophone, EMI, Apple

14.

The Swingle Singers

The Fool On The Hill

Ticket To Ride - A Beatles Tribute

Primarily A Capella Records

15.

The Beatles

Your Mother Should Know

Magical Mystery Tour

Parlophone, EMI, Apple

16.

The Beatles

Your Mother Should Know

Anthology 2

Parlophone, EMI, Apple

17.

Lol Coxhill

I Am The Walrus - The Kid's Style

The Exotic Beatles Part Two

Exotica Records

 

am Donnerstag 30.11.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 02.12.17, 14 Uhr). Thema: 

And The Wind Cries Jimi - zum 75. Geburtstag von Jimi Hendrix

Er war einer der großen Musikerneuerer seiner Zeit, revolutionierte das Rock-Gitarrenspiel, experimentierte mit Elektronik und innovativen Klangtechniken. Und er spielte als Saiten-Magier und „Gitarren-Genius" einen unverwechselbaren Stil: eine Art von psychedelischem Sciencefiction-Bluesrock - oft kopiert, nie erreicht. Sein Einfluss auf Rockgitarristen, die nach ihm kamen und auf die gesamte Entwicklung der Popular-Musik kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Auch als Sänger mit  blues-getränkter Soul-Stimme und eigenem vokalen Charakter, in dem Elemente des späteren Rap-Sprechgesangs der Hiphop-Ära bereits vorweg genommen und erkennbar waren, nahm er eine exponierte Stellung ein. Nicht zuletzt seine besonderen Fähigkeiten als Songschreiber mit eigenem Profil, in dem Rhythm'n'Blues, Rock'n'Roll, Psychedelic und Electronica miteinander verschmolzen und erst recht seine unvergleichliche, hochenergetische Performance, in der spätere Genres wie Jazzrock, Fusion, Hard Rock und Heavy Metal bereits angelegt waren, begründeten seine Ausnahmestellung in der Rockmusik bis heute. Er sang von fernen Galaxien und utopischen Zeitreisen und suchte in seinen Songtexten nach Liebe und Freiheit. Beides schien er in der Realität seines kurzen Lebens nicht gefunden zu haben.

Vor 50 Jahren, genau am 1. Dezember 1967 erschien innerhalb seines hoch gelobten zweiten Studioalbums „Axis: Bold As Love" der Song „Castles Made Of Sand", dessen Refrainzeile wohl auch sein kurzes Leben hätte überschreiben können: „Schlösser, die auf Sand gebaut sind, werden letztlich vom Meer hinweggespült."

Am 27. November 1942 als John Allen Hendrix in Seattle geboren (später in James Marshall „Jimi" Hendrix umbenannt), begeisterte sich der jugendliche Jimi, der teils negroider, teils indianischer Herkunft war, für den Rock'n'Roll von Elvis Presley und Little Richard, den er später auf Tourneen als Gitarrist begleiten sollte. Seine erste Gitarre erhielt Jimi mit 15 Jahren, nachdem er zwei Jahre zuvor schon Ukulele zu spielen gelernt hatte. Seine ersten Bands hießen The Velvetones und The Rocking Kings. Populär wurde Jimi Hendrix durch seine spektakulären, zum Teil wüsten Bühnenshows. Beim Monterey Pop Festival 1967 verbrannte er seine Gitarre auf offener Bühne, ein andermal „zertrümmerte er sein Instrument an einer Lautsprecherbox oder trampelte darauf herum". In Woodstock 1969 zerfetzte er mit Rückkopplungen, Heul- und Splitterklängen die US-amerikanische Nationalhymne als Demonstration gegen den Vietnam-Krieg. Sein frühes Image vom „wilden schwarzen Mann", der seine Gitarre mit den Zähnen spielt oder wie ein Maschinengewehr einsetzt und der - wie sein Song-Held im Titel „Hey Joe" - mit der Knarre in der Hand seine Wut und Eifersucht mörderisch auslebt, dieses fatale Image, das mit seiner Persönlichkeit nichts zu tun hatte, wurde er lange nicht los. Den Geistern, die er selbst gerufen hatte und allen Image-Zuschreibungen, die man ihm verpasst hatte, versuchte er zu entfliehen und suchte nach neuen musikalischen Ausdrucksformen und künstlerischen Herausforderungen.

Doch im Sommer 1970 erlebte er eine persönliche Krise, schien ausgebrannt, vom Starruhm überfordert, und: vom Business ausgelaugt und ausgebeutet zu sein.Am 18. September 1970 hatte er zu viel Alkohol getrunken und zu viele Schlaftabletten  eingenommen und war an seinem Erbrochenen erstickt.

In seinem berühmten Song vom Sommer 1967 „The Wind Cries Mary" heißt es im Text: „ Die Verkehrsampeln schalten morgen auf Blau und die Einsamkeit wirft Schatten auf mein Bett. Das kleine Eiland segelt flussabwärts und das gelebte Leben ist tot. Und der Wind schreit Mary."

Jimi Hendrix hinterließ „ein klangliches Manifest, mit dem er die Musikgeschichte bereicherte. Seine extravagante Ausstrahlung, die den Himmel erleuchtete, und ein Leben, das permanent Grenzen überschritt, sind zur Legende geworden" (Lenny Kaye, Gitarrist der Patti Smith Group). Die Legende lebt - und floriert. Obwohl zu seinen Lebzeiten nur 5 offizielle Alben erschienen sind, zählt eine Internetplattform aktuell 672 verschiedene Hendrix-Veröffentlichungen auf. Neben den unzähligen, qualitativ überwiegend zweifelhaften Alben, die postum veröffentlicht wurden, kamen auch etliche Tribute-Alben mit Coverversionen auf den Markt - z.B.:

„Blue Haze - Songs of Jimi Hendrix" (2000),

„Voodoo Crossing - a tribute to Jimi Hendrix" (2003),

„Power Of Soul - A Tribute to Jimi Hendrix" (2004)

„Experienced - 17 Tracks inspired by The Jimi Hendrix Experience" (2006)

 

Auch die Zahl der Hendrix-Bücher und -Biographien ist schier unüberschaubar. Hier eine kleine Auswahl:

Lothar Trampert: „Elektrisch! Jimi Hendrix. Der Musiker hinter dem Mythos" (1991)

Corinne Ulrich: „Jimi Hendrix" (2000)

Charles Shaar Murray: Jimi Hendrix, sein Leben, seine Musik, sein Vermächtnis" (2003)

David Henserson: „Scuse Me While I Kiss The Sky - Das Leben von Jimi Hendrix" (2006)

Charles R. Cross: „Hinter den Spiegeln" (2006)

Klaus Theweleit, Rainer Höltschl: Jimi Hendrix - Eine Biographie" (2008)

Peter Kemper: „Jimi Hendrix" (2009)

Jimi Hendrix: „Strating At Zero" (2013)

Gary J. Jucha: „Der Ultimative Jimi Hendrix Guide" (2017)

Aus Anlass seines 75. Geburtstages erinnert der Kramladen an Jimi Hendrix, einen der unsterblichen, weil wichtigsten, innovativsten Musiker der Rock-Historie.

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Jimi Hendrix

Freedom

The Cry Of Love

Polydor

3.

Jimi Hendrix Experience

Hey Joe

Jimi Hendrix Essential

Polydor

4.

Eric Burdon

Third Stone From The Sun / The Story Of Life

Blue Haze - Songs of Jimi Hendrix

Ruf Records

5.

Jimi Hendrix Experience

I Don't Live Today

Are You Experienced

Polydor

6.

Sounds Of Blackness

Castles Made Of Sand

Power Of Soul: A Tribute To Jimi Hendrix

Experience Hendrix

7.

Jimi Hendrix Experience

Castles Made Of Sand

Axis: Bold As Love

Polydor

7.

Jimi Hendrix

Angel

Cry Of Love

Polydor

8.

Jimi Hendrix Experience

Little Wing

Jimi Hendrix Best of

Polydor

9.

Chaka Khan & Kenny Olson

Little Wing

Power Of Soul: A Tribute To Jimi Hendrix

Experience Hendrix

10.

Jimi Hendrix Experience

Fire

Are You Experienced

Polydor

11.

Jimi Hendrix Experience

The Wind Cries Mary

The Ultimate Experience

Polygram

 

am Donnerstag 16.11.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 18.11.17, 14 Uhr). Thema:

Jodler, locker gerockt

Zum 65. Geburtstag von Hubert von Goisern

Seit seinem Debutalbum von 1988 zählt Hubert von Goisern zu den wichtigsten musikalischen Persönlichkeiten, die Österreich je hervorgebracht hat, weil er das regionale Musikerbe seiner Heimat auf außergewöhnliche Weise mit den Musikkulturen der Welt zu verbinden wusste. Nach Auflösung seiner Band Alpinkatzen im Jahre 1994 ging er, wie schon Jahre zuvor, auf Reisen durch die Welt und produzierte im Jahre 1998 als Reflexion seiner musikalischen Reiseerfahrungen ein afrikanisches und ein tibetisches Album, jeweils gemeinsam mit Musikern der Gastländer. Typisch für ihn: sein Album des Jahres 2005 „Ausland" enthält eine CD mit  neu arrangierten, traditionellen Volksliedern aus dem Inneren Salzkammergut und eine DVD mit der Dokumentation eines Auftritts auf dem legendären „Festival au Desert" im westafrikanischen Mali.

Hubert von Goisern hat die österreichische Volksmusik endgültig aus dem Alpen-Ghetto herausgespielt, ganz nach dem Grundsatz lokal denken und global musikalisch handeln - im Takt der Jodler und Jauchzer genauso wie im Rhythmus des Global Beat.

Alles begann mit einem Buben namens Hubert Achleitner, der in seinem Tiroler Heimatkaff Bad Goisern Musik machen wollte. Da es in diesem Provinznest keine andere Möglichkeit gab, spielte er in der örtlichen Blaskapelle mit. Doch mit zunehmenden Jahren und wachsenden Haaren wuchs auch sein nonkonformistisches Bewusstsein. Er wollte die Klischees der blasmusikalisch-folkloristischen Schein-Idylle aufbrechen und flog prompt aus der Kapelle. Nach ausgedehntem, auch musikalischem Vagabundieren durch Kanada, Afrika und die Philippinen kehrte er nach Hause zurück und beschloss, seine eigene, neuzeitliche, weltoffene Volksmusik zu machen. Motto: Schluss mit dem verstaubten Spießertum. Die Volksmusik gehört nicht den Dicken-Backen-Blasmusi-Traditionalisten, sondern allen. In der Folgezeit haben Hubert von Goisern, wie er sich fürderhin nannte und seine Mitmusiker die Jodler und Schuhplattler, die Folklore der Lederhosen und Trachtenkapellen musikalisch total rundumerneuert.

Zu seinen erfolgreichsten Alben zählt das 12. Studioalbum „EntwederUndOder", das im September 2011 auf den Markt kam und mit der ausgekoppelten Single „Brenna tuat's guat", einem zornigen, linken Wutbürger-Lied, Hubert von Goiserns ersten Nummer-1-Hit enthielt. Im Text „kotzt er sich über Schuldengipfel, Gier und Geld im Allgemeinen aus - in einer Zeit, in der zornige Bürger das Frankfurter Bankenviertel mit Zeltstädten umschließen und ‚Occupy the Wall Street' täglich Zulauf findet" (Frankenpost). Weitere Textthemen des „mitreißenden Polka-Rock" (Badische Zeitung) sind Korruptionsskandale in der Politik und Biosprit, für dessen Erzeugung Weizen verbrannt werde, während Millionen von Menschen Hunger erleiden.

Im Mai 2015 erschien von Goiserns Album „Federn", eine eigenwillige musikalische Auseinandersetzung mit der US-amerikanischen Countrymusic - ausgehend von der These, dass US-Country und alpenländische Volksmusik sehr viel mehr miteinander verbindet, als man gemeinhin annimmt. Die darauf folgende Tour, die Hubert von Goisern und Band auch über den großen Teich bis nach New York und in die texanische Country-Metropole Austin führte, belegte die Richtigkeit der These eindrucksvoll. Seit April 2017, dem Erscheinen des Doppelalbums „Federn Live 2014-2016" mit Live-Aufnahmen, die zum Teil in den USA entstanden sind, kann man sich davon überzeugen.

Am Vorabend des 65. Geburtstags von Hubert von Goisern porträtiert der Kramladen einen der wichtigsten Popmusiker Österreichs der Jetztzeit.

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Hubert von Goisern

Alle 100 Jahr

Federn live 2014-2016

Capriola

3.

Hubert von Goisern

Snowdown

Federn live 2014-2016

Capriola

4.

Musica Alpina

Glocken der Singesler

Steilklänge

Capriola

5.

Anton Bruhin

Die Mücke

Steilklänge

Capriola

6.

Katice / Kraudn Sepp

Da Pa Canyn / Gstanzln

Steilklänge

Capriola

7.

Hubert von Goisern und Alpinkatzen

Juchitzer

Steilklänge

Capriola

8.

Zabine

Aussie

Transalpin

Lawine

9.

Hubert von Goisern

Anreisejodler

Gombe

BMG Ariola Austria

11.

Hubert von Goisern

Afrika

Iwasig

Sony BMG

12.

Hubert von Goisern

Akupemba

Inexil Tibet

BMG Ariola Austria

13.

Hubert von Goisern

Da Dasige

Fön

Virgin, Lawine

14.

Hubert von Goisern

Brenna tuats guat

EntwederUndOder

Capriola, Sony.

 

am Donnerstag 02.11.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 04.11.17, 14 Uhr). Thema:

„Goin' Home" - zum Tod von Fats Domino

Er hasst den deprimierenden Montag. Und auch die nächsten Tage können ihm gestohlen bleiben - nur Arbeit und Stress. Doch am Freitag gibt's Kohle und am Samstag wird einer drauf gemacht. Deshalb hat er am Sonntag einen Kater, aber das war's ihm wert. Denn am Montag beginnt der Schlamassel von vorn. Das sang der Pop-Spötter Randy Newman vor 10 Jahren als wär's ein Stück von ihm und/oder als wär's die Moritat eines Bauarbeiters von heute. Tatsächlich war der Song „Blue Monday" damals schon 50 Jahre alt und ging in die Pop-Geschichte als ein Top Five-Hit von Fats Domino ein. Lange vor Elvis und Bill Haley hatte der übergewichtige Boogie-Pianist und Sänger Antoine Domino, genannt Fats aus New Orleans den rollenden Rhythm'n' Blues entwickelt, die letzte Stufe vor dem Beginn des Rock'n'Roll-Zeitalters.

2007 erschien zu Ehren des Boogie'n'Rock-Pioniers Fats Domino, der am Dienstag im Alter von 89 Jahren in seiner geliebten Heimatstadt New Orleans starb, eine Sammlung mit 30 seiner großen Songklassiker in der Neufassung von Stars und Superstars -  darunter Sir Elton John mit „Blueberry Hill" von 1956 und Sir Paul McCartney mit „I Want To Walk You Home" (1959), wobei er auch die Originalzeile singt „I Want To Hold Your Hand", was einem doch irgendwie bekannt vorkommt. (Paul McCartneys Beatles-Single  „Lady Madonna" von 1968 war übrigens eine Hommage an Fats Domino).

John Lennon kräht gekonnt „Ain't That A Shame". Und das ist auch die einzige historische Aufnahme (aus Lennon's Album „Rock'n'Roll") auf diesem Tribute-Doppelalbum. Alle anderen Neu-Interpretationen wurden eigens für das Album „Going Home - A Tribute To Fats Domino" neu eingespielt. Taj Mahal & The New Orleans Social Club ließen „Hello Josephine" Jahrzehnte jünger klingen. Joss Stone mit Buddy Guy und Band, oder Lenny Kravitz mit Maceo Parker und Band befeuerten die fünf Jahrzehnte alten Songklassiker mit moderner Soul-, Funk- und Blues-Energie. Und was Led Zep's Robert Plant und The Band's Robbie Robertson aus weniger bekannten Fats Domino-Songs herauskitzelten und zeitgemäß in Szene setzten, ist einfach umwerfend.

Auch andere Größen wie Neil Young, Tom Petty, B.B. King, Norah Jones und Herbie Hancock trugen zur besonderen Qualität des Tribute-Samplers bei. Und Los Lobos ließen den Boogie-Song „The Fat Man" von 1949, mit dem die Karriere von Fats begann, so munter losrocken als sei's ein aktueller Titel einer jungen Indie-Rockband. Mit Sicherheit wird dieses großartige Allstar-Tribute-Album, an dem auch Dr. John, Willie Nelson, Ben Harper, Art Neville, Bonnie Raitt, Lucinda Williams, Bruce Hornsby u.a. beteiligt waren, nun zu Ehren des verstorbenen, stilprägenden Boogie'n'Rock-Pianisten wiederveröffentlicht werden.

Im August 2005 wäre Fats Domino während der verheerenden Hurricane-Katastrophe Katrina in New Orleans fast ums Leben gekommen. Sein Haus wurde völlig zerstört. Die Erlöse aus dem Album-Verkauf kamen dem Wiederaufbau eines Gemeindezentrums im noch immer nicht völlig sanierten Bezirk „Lower 9th Ward" von New Orleans zugute, in dem Fats Domino zeitlebens zuhause war.

Auch wenn nach Chuck Berry nun auch Fats Domino die Bühne endgültig verlassen hat, der Rock'n'Roll wird nie aussterben.

Playlist 

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Lenny Kravitz with Rebirth Brass Band, Pee-Wee Ellis and Maceo Parker

Whole Lotta Loving

Goin' Home: A Tribute To Fats Domino

EMI, Capitol

3.

Fats Domino

Whole Lotta Loving

Whole Lotta Loving

Imperial

4.

Fats Domino

The Fat Man

The Fat Man

Imperial

5.

Los Lobos

The Fat Man

Goin' Home: A Tribute To Fats Domino

EMI, Capitol

6.

Fats Domino

I'm Walking

Here Stands Fats Domino

Imperial

7.

Tom Petty & The Heartbreakers

I'm Walking

Goin' Home: A Tribute To Fats Domino

EMI, Capitol

8.

Fats Domino

My Girl Josephine

Deluxe Greatest Hits

Imperial

9.

Taj Mahal and The New Orleans Social Club

My Girl Josephine

Goin' Home: A Tribute To Fats Domino

EMI, Capitol

10.

Fats Domino

Valley Of Tears

Deluxe Greatest Hits

Imperial

11.

Robert Plant amd The Soweto Gospel Choir

Valley Of Tears

Goin' Home: A Tribute To Fats Domino

EMI, Capitol

12.

Bonnie Raitt and Jon Cleary

I'm In Love Again / All By Myself

Goin' Home: A Tribute To Fats Domino

EMI, Capitol

13.

Fats Domino

Let The Four Winds Blow

Deluxe Greatest Hits

Imperial

14.

Toots And The Maytals

Let The Four Winds Blow

Goin' Home: A Tribute To Fats Domino

EMI, Capitol

15.

Fats Domino

I'm Gonna Be A Wheel Someday

Deluxe Greatest Hits

Imperial

16.

Paul McCartney

I'm Gonna Be A Wheel Someday

The Russian Album

Melodya

17.

Fats Domino

Blueberry Hill

The Stars Of Rock'n'Roll

Phono Music

18.

Elton John

Blue Berry Hill

Goin' Home: A Tribute To Fats Domino

EMI, Capitol

19.

Randy Newman

Blue Monday

Goin' Home: A Tribute To Fats Domino

EMI, Capitol

 

am Donnerstag 19.10.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 21.10.17, 14 Uhr), Thema:

„Unter freiem Himmel" - oder: Musik wie ein Billardspiel. Die hohe Kunst der musikalischen Interaktion und Improvisation

Zum neuen Album von Matthias Frey (Piano) und Christopher Herrmann (Violoncello)

 „Man weiß jetzt soll's losgehen. Und dann passiert erstmal gar nichts, bis einer den ersten Ton spielt. Der kickt das an - vergleichbar vielleicht mit dem ersten Stoß auf dem Billardtisch. Die Kugeln liegen, und einer gibt den ersten Impuls. Und dann laufen die Kugeln in alle möglichen Ecken, stoßen aneinander, reiben sich oder laufen schön parallel", so beschreibt der Jazz-Pianist, Weltmusiker und Improvisationskünstler die Entstehung der improvisierten Musik, die er gemeinsam mit anderen Musikern kreiert: z.B. am 28.10.17 beim 6. Weltklangfestival in der Stadthalle Katzenelnbogen. Nach dem gleichen Prinzip entwickelte sich auch die Musik seines neues Duo-Albums „Unter freiem Himmel", das er gemeinsam mit dem Cellist Christopher Herrmann im eigenen Tonstudio einspielte.

Zwei hochbegabte, in der Kunst des Improvisierens geübte und mit der Gabe des intuitiven Improvisieren-Könnens gesegnete Musiker sitzen einander gegenüber, hören sowohl aufeinander als auch auf ihre innere Eingebung und beginnen zu musizieren, lassen Töne und Klänge in einem freien Spiel fließen. Es gibt keine aufgeschriebenen Noten, keine vorbereitete Themen, keinerlei melodische oder harmonische Vorgaben oder rhythmische Verabredungen. Vor ihnen liegt ein weißes Blatt, ein leeres Feld, in dem sie sich gemeinsam frei bewegen können.

Beide Musiker wissen im Grunde nicht genau zu sagen, was da geschieht, wie sich die gemeinsame Musik formt, entwickelt, woher sie kommt, wohin sie strebt. Es ist tatsächlich wie ein Wunder, dass zwei Musiker nur ihrer Intuition folgen, sich vom musikalischen Partner inspirieren lassen und eine Musik aus dem Moment heraus finden/erfinden, die es zuvor nicht gab und es auch kein zweites Mal genauso geben kann.

Wenn dieses Wagnis der gemeinsamen Improvisation gelingt, ist das ein Glücksfall, ein Geschenk. Die neun, neuen Improvisationsstücke des Duo-Albums „Unter freiem Himmel" von Matthias Frey und Christopher Herrmann sind ein solcher Glücksfall. Eine solch intensive Kommunikation zwischen zwei Musikern, eine vergleichbare Freiheit im Austausch von tiefem Gefühl und musikalischer Fantasie, ein ähnlicher Reichtum an Klängen, melodischen Motiven, harmonischen Themen, rhythmischen Variationen und unterschiedlichsten Stimmungen - wohlgemerkt von nur zwei rein akustischen Instrumenten ohne jegliche technische Tricks realisiert, das alles ist wahrlich nicht oft zu hören.  

Nimmt man als Beispiel nur das Eröffnungsstück „Sanfter Wind": wie aus dem Nichts oder aus weiter Ferne hört man einen hohen Flageolett-Ton des Cellos, leise umspielt von hingetupften, lebendig flirrenden Klaviertönen, die auf abgedämpften Saiten gespielt, als glitzerndes, schwebendes Ton-Muster die zarten Celloklänge tragen. Nach eineinhalb Minuten setzt das Klavier erste klare Melodietöne in den Raum. Das Cello folgt zunächst zögernd, zurückhaltend mit weiteren dezenten Flageolett-Tönen, bis es dann mit klassischem Celloklang und elegischen Melodiebögen hervortritt, immer mehr vom Klavier unterstützt und herausgefordert.  Das Klavier übernimmt kurzzeitig die Führung mit einem schwelgerischen, gefühlsstarken, fast hymnischen Thema, zu dem das Cello rhythmisch schnell gestrichene Basstöne mit leicht dramatischer Anmutung beisteuert, gefolgt von gezupften Basstönen, die mal nach Kontrabass, mal nach Fretlessbass klingen. Das Piano wechselt kurz in abgedämpfte Melodiemotive des klangpräparierten Klaviers, worauf das Cello ebenfalls mit ungewöhnlichen, gezogenen Tonfiguren antwortet, die mehr nach Akustikgitarre denn nach Cello klingen. Die Verlautbarungen beider Instrumente werden weniger und leiser, bis der „sanfte Wind" verweht ist.

Die Ausstrahlung dieser improvisierten Kammermusik insgesamt ist ungemein positiv, entspannt, klangfarbig und melodiös. Es macht Freude, den beiden Ausnahmemusikern bei ihren hochmusikalischen Ausflügen ins Blaue der gemeinsamen Musikfindung zu folgen. Was der Albumtitel verspricht, hält die Musik. Wer den beiden aufmerksam zuhört, ob im Wohnzimmer, im Auto, oder wo auch immer, fühlt sich sogleich „Unter freiem Himmel".

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Matthias Frey & Friends

Voyage Oriental

Voyage Oriental

Zyx Music

3.

Matthias Frey, Christopher Herrmann

Erwartung

Unter freiem Himmel

Freyraum-Musik

4.

Matthias Frey & Büdi Siebert

Jeux D'enfants

Both Side Of Life

Araucaria Music

5.

Matthias Frey

Appearance Of The Pintos

Nightfire

Delta Music

6.

Matthias Frey, Christopher Herrmann

Morgentanz

Unter freiem Himmel

Freyraum-Musik

7.

Matthias Frey, Christopher Herrmann

Lachender Buddha

Unter freiem Himmel

Freyraum-Musik

8.

Matthias Frey, Christopher Herrmann

Requiem

Unter freiem Himmel

Freyraum-Musik

9.

Matthias Frey, Christopher Herrmann

Patkotak's Lied

Unter freiem Himmel

Freyraum-Musik

 

am Donnerstag 05.10.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 07.10.17, 14-15 Uhr), Thema:

Seine Gitarre zielte auf die Faschisten

Zum 50. Todestag der Folksong-Ikone Woody Guthrie

Welch solidarische Kraft und hymnische Ausstrahlung ein Song von Woody Guthrie haben kann, das demonstrierte die Zeremonie zur Amtseinführung von US-Präsident Obama im Januar 2009. Pete Seeger und Bruce Springsteen sangen gemeinsam mit einem hunderttausendfachen Chor von begeisterten Menschen die alternative US-Nationalhymne „This Land Is Your Land", die Woody Guthrie schon 1940 geschrieben hatte. Der Song wird selbst von den rechtskonservativen Tea-Party-Anhängern als patriotische Hymne geschätzt, obwohl der Songtext von Woody Guthrie gesellschaftskritisch gemeint war. Die Frage am Ende des (meist verkürzt gesungenen) Originaltextes ist unmissverständlich: angesichts des Reichtums hinter den Mauern des Privatbesitzes auf der einen und verarmter, hungernder Landsleute auf der anderen Seite wird die Frage stellt, ob dieses Land tatsächlich jedem gehört. Kein Wunder, dass die 2011 ins Leben gerufene Occupy-Bewegung bei ihren Demonstrationen gegen den Raubtierkapitalismus „This Land Is Your Land" als Protestsong nutzte.

Woody Guthrie war überzeugter Sozialist und glühender Verfechter der Gewerkschaftsbewegung, engagierte sich für die kommunistische Partei, die ihn allerdings nicht als Parteimitglied aufnahm, weil er seiner religiösen Einstellung nicht abschwören wollte. Dennoch schrieb er regelmäßig pointierte Kolumnen für eine kommunistische Zeitung. Irritierenderweise bekannte er sich zum Stalinismus der Sowjetunion und verurteilte nie die Gräueltaten des Stalin-Regimes. Woody Guthrie war sich mit dem Stalinismus einig im radikalen Kampf gegen den Faschismus. Auf seiner Gitarre hatte er den Schriftzug angebracht „This Machine Kills Fascists". 1941 schrieb er unter anderen den antifaschistischen Song „Talking Hitler's Head Off Blues".

„Weder war es eine Maschine, noch mordete es Faschisten", schrieb der Musikkritiker Greil Marcus später. „Es ließ Guthrie und die Leute, die ihm zuhörten, sich nobel vorkommen. Ich will nicht sagen, er sei nicht gegen den Faschismus gewesen, aber zu sagen, dass sich dieser durch das Singen von Songs besiegen ließe, hilft dem Krieg gegen den Faschismus wahrlich nicht."

Über 3000 Lieder soll es von Woody Guthrie geben, viele von ihm gesammelt und bearbeitet, die meisten von ihm komplett selbst geschrieben und immer wieder verändert und aktualisiert. Als Wanderarbeiter, fahrender Sänger und Vagabund war er in den 1930er Jahren durch Amerika unterwegs und entwickelte sich zum wichtigsten musikalischen Geschichtensammler, Chronisten und Songschreiber der USA jener Zeit. Mit dem damals 22-jährigen Pete Seeger, der später die zweite Vaterfigur des US-amerikanischen Folksongs werden sollte, gründete er 1941 das politische Musiker-Kollektiv Almanac Singers, dessen tonangebender Songschreiber Woody Guthrie war.

Seine Musik gilt als Keimzelle des Americana-Sounds: mit Elementen aus Volksliedern der europäischen Siedler, den Hillbilly-Klängen der ländlichen „Hinterwäldler" aus den Appalachen und dem afroamerikanischen Blues - getragen vom rhythmischen Stampfen der Überland-Eisenbahnen. „Woody Guthrie selbst behauptete allerdings, er habe das Quietschen der Betten verarbeitet, das er Nacht für Nacht hörte, als sein Vater Manager eines Cot House für Ölarbeiter war, in dessen Obergeschoss sich ein Bordell befand" (Bodo Mrozek).  

Zu seinen wichtigsten Song-Zyklen zählen die „Dust Bowl Ballads", geschrieben über die Folgen des verheerenden Sandsturms, der 1935 über den Süden der USA hinwegfegte und tausende Existenzen zerstörte. Im Song „Tom Joad" nahm Guthrie Bezug auf die gleichnamige Romanfigur aus John Steinbecks „Früchte des Zorns" über das Schicksal der verarmten Farmer in den „Dust Bowl"-Landstrichen von Oklahoma und Arkansas, die in Folge der „Großen Depression" und der Dürrejahre zu Tausenden über die Route 66 nach Kalifornien flüchteten.

„Er singt die Lieder des Volkes", sagte Literaturnobelpreisträger John Steinbeck über Guthrie, „und ich habe den Verdacht, er ist irgendwie dieses Volk. Woody hat nichts Liebliches an sich, auch seine Lieder nicht. Doch diejenigen, die ihm zuhören, werden etwas viel Wichtigeres darin finden: den Willen des Volkes, der Unterdrückung standzuhalten und gegen sie zu kämpfen. Dies ist, glaube ich, was wir mit American Spirit meinen."

„Er habe, so heißt es allenthalben, mit seiner Musik stets jenen eine Stimme verliehen, die keine hatten: den Armen, den Land- und Machtlosen, den Flüchtlingen, den Diskriminierten, den Ausgebeuteten, den von der Gesellschaft Ausgemusterten. Denn die anderen wurden ja bereits gehört: die Konzernherren, die Besitzenden, die Einverstandenen, die Angepassten, die Mitmacher. Die Kennzeichen seiner Musik waren ihre Einfachheit und ihre Absicht, die soziale Realität abzubilden und das in ihr Vorgefundene nicht zu beschönigen", schrieb der Musikjournalist Thomas Blum.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Robert Kennedy nannte Woody Guthrie „einen der edelsten und authentischsten Künstler, die unsere Nation je hervorgebracht hat".

Nach schwerer Krankheit starb Woody Guthrie im Alter von 55 Jahren am 3. Oktober 1967 an den Folgen der von seiner Mutter geerbten, bis heute unheilbaren Nervenkrankheit Chorea Huntington. Sein Einfluss auf unzählige Musiker von Bob Dylan bis Billy Bragg, von Bruce Springsteen bis Tom Morello kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dylan bezeichnete Guthries Autobiografie „Bound To Glory" als „das erste literarische Dokument der sogenannten Beat-Generation". Woody Guthries Sohn Arlo entwickelte sich zu einem eigenständigen und hoch geschätzten Songschreiber und Sänger. Woodys Tochter Norah verwaltet sein musikalisches und schriftstellerisches Erbe.

Zum 50. Todestag erschien bei Bear Family eine umfangreiche Box mit der Dokumentation der beiden Tribute- und Benefizkonzerte zu Ehren von Woody Guthrie, die in den Jahren 1968 und 1970 die Größen der damaligen Folk/Folkrock-Szene versammelten, darunter Bob Dylan, Richie Havens, Country Joe McDonald. Joan Baez, Judy Collins, Pete Seeger, Arlo Guthrie u.a.. Ausschnitte aus der 3-CD-Box werden in diesem Kramladen zu hören sein.

Im Text des Woody Guthrie-Songs „Pastures of Plenty" von 1941 heißt es: „Wenn es sein muss, werde ich mein Land mit meinem Leben verteidigen / denn meine fruchtbaren Weiden werden immer frei sein".

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Bruce Springsteen

Vigilante Man

Folkways: A Vision Shared

Columbia Records

3.

Woody Guthrie, Joan Baez, Pete Seeger, Bruce Springsteen u.a.

This Land Is Your Land (Montage)

diverse

diverse

4.

Woody Guthrie

All You Fascists Bound To Lose

Poor Boy

Pläne

5.

Null Device

All You Fascists Bound To Lose

„All You Fascists Bound To Lose"

download

6.

Billy Bragg & Wilco

All You Fascists

Mermaid Avenue II

Elektra (2000)

7.

Billy Bragg & Wilco

Hesitating Beauty

Mermaid Avenue

Elektra (1998)

8.

Billy Bragg & Wilco

Way Over Yonder In The Minor Key

Mermaid Avenue

Elektra (1998)

9.

Will Geer

I Hate A Song (Narration)

A Tribute To Woody Guthrie

Bear Family

10.

Arlo Guthrie

Jesus Christ

The Tribute Concerts

Bear Family

11.

Bob Dylan

Last Thoughts On Woody Guthrie

The Tribute Concerts

Bear Family

12.

Bob Dylan

I Ain't Got No Home

The Tribute Concerts

Bear Family

13.

Woody Guthrie

I Ain't Got No Home

Hard Travelin' The Asch Recordings Vol. 3

Smithsonian Folkways

14.

Richie Havens

900 Miles

The Tribute Concerts

Bear Family

15.

Jonatha Brooks

You'd Oughta Be Satisfied Now

The Works

Bad Dog Records

 

am Donnerstag 21.09.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 23.09.17, 14-15 Uhr), Thema:

Hellmut Hattler - aktuell verbindet man mit ihm ein großes Ausrufezeichen und ein schreckliches Fragezeichen.

 Gleichzeitig mit der Veröffentlichung des großartigen neuen Soloalbums „Bassball II" von Hellmut Hattler kam die Nachricht, dass er ernsthaft erkrankt sei. Da feierte der Super-Bassist und Komponist edler Vokal- und Instrumentaltitel zwischen Rock, Jazz und Elektronik gerade erst seinen 65. Geburtstag, setzte mit seinem hervorragenden zweiten Soloalbum „Bassball II" einen weiteren Meilenstein in die deutsche Musiklandschaft - und dann das. Man liest und erschrickt: „Bleibt zu hoffen, dass „Bassball II" nicht der letzte Teil seines musikalischen Vermächtnisses sein wird. Hellmut Hattler ist schwer erkrankt. Sämtliche Tourtermine sind aus diesem Grund abgesagt."  So lautet die Presseerklärung.

Im Telefoninterview, das ich in einer Behandlungspause mit ihm führen konnte, bestätigte er, dass es bei seiner Erkrankung um Leben und Tod gehe und dass es sich in den nächsten schweren Wochen entscheiden werde, ob es gut ausgeht oder nicht.

Im Interview gab er entspannt und aufgeräumt - wie man ihn im Grunde schon immer kennt - Auskunft über die Entstehung, die Hintergründe und Inhalte des neuen Albums. Und tatsächlich gibt es über dieses außergewöhnlich gut gelungene Album eine Menge zu sagen. In einer Art Resümee stellt Hellmut Hattler alle seine Bands und Projekte, die seine Musikerkarriere ausgemacht haben mit deren jeweils spezifischer Musikstilistik zusammen und nebeneinander. Dieser musikalische Überblick über sein kreatives Schaffen ist alleine wegen der stilistischen Vielfältigkeit beeindruckend - zumal er kein Best-of altbekannter Titel aneinanderreihte, sondern für jede seiner Bands und Projekte neue Kompositionen ausarbeitete und aufnahm. So hört man seine Jazzrockgruppe Kraan, die er 1970 mitbegründet hatte, genauso im Klang-Update neu produziert, wie das mit dem Trompeter und Rapper Joo Kraus 1987 gegündete Hipjazz-Duo Tab Two. Desweiteren ist natürlich vertreten seine Soul-Elektro-Funk-Lounge-etc.-Band Hattler, ebenso das Experimental-Elektro-Projekt Deep Dive Corp., sein Soul-Jazz-Duo Siyou'n Hell und das Nu-Jazzrock-Fusion-Projekt mit dem Gitarristen Ali Neander. Und dazu kommen noch zwei hoch interessante Titel „Hellmut Hattler and Friends". Das alles klingt erstaunlich frisch und gleichermaßen zeitgemäß wie zeitlos und ist musikalisch wie produktionstechnisch ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Das Album „Bassball II" zeigt Hellmut Hattler auf der Höhe der Zeit und im Zenit seiner instrumentalen Könnerschaft und kompositorischen wie arrangementtechnischen Kreativität. Und demonstriert gleichzeitig eindrucksvoll seinen Stellenwert als Musikerpersönlichkeit in der deutschen Musikszene.

Er und seine hochklassige, individuelle Musik und erst recht seine kreativen Impulse für die Entwicklung der Popularmusik in Deutschland werden auch weiterhin dringend gebraucht.

Playlist

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Hellmut Hattler & Kraan

Siesta

Bassball II

Bassball Recordings

3.

Hattler

Trident

Bassball II

Bassball Recordings

4.

Hellmut Hattler & Kraan

Hoch das Bein

Bassball II

Bassball Recordings

5.

Hellmut Hattler & Ali Neander Projekt

Startup Express

Bassball II

Bassball Recordings

6.

Hellmut Hattler & Siyou'n'Hell

Mow Fun

Bassball II

Bassball Recordings

7.

Hattler

Bollerwagen

Gotham City Beach Club Suite

Bassball Recordings

8.

Hellmut Hattler & Kraan

Birds

Bassball II

Bassball Recordings

9.

Hellmut Hattler & Tab Two

Altenburg

Bassball II

Bassball Recordings

10.

Hellmut Hattler & Friends

Tiny Little Mad

Bassball II

Bassball Recordings

11.

Hellmut Hattler & Friends

Random Walk

Bassball II

Bassball Recordings

 

am Donnerstag 07.09.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 09.09.17, 14-15 Uhr), Thema:

„Everything Must Go" - doch Außergewöhnliches wird nicht vergessen -

zum Tod von Walter Becker und Holger Czukay

Gemeinsam mit seinem musikalischen Partner Donald Fagen im Duo Steely Dan schrieb Walter Becker einige der edelsten und intelligentesten Songs der letzten 40 Jahre. Und zusammen mit Donald Fagen, dem Sänger und Keyboarder von Steely Dan produzierte der Bassist und Gitarrist Walter Becker acht der großartigsten und perfektesten Pop-Alben, die zwischen 1972 und 2000 die Musikszene bereicherten.

1969 gegründet, galten die beiden am Jazz geschulten Vollblutmusiker rasch als Intelligenzler und Perfektionisten der Popbranche, wurden als brillante Soundtüftler und Songschreiber gerühmt, als Ästheten zwischen Pop und Pomp, Rock und Jazz, Funk und Soundtrack, ein elitäres Gespann, das ebenso geschmeidige wie hoch verdichtete Kompositionen und Arrangements schuf, die souverän mit den edelsten Stilmitteln spielten. Am Sonntag dem 3. September starb Walter Becker im Alter von 67 Jahren nach schwerer Krankheit.

Am Dienstag dem 5. September wurde Holger Czukay in seinem Studio tot aufgefunden. Der Bassist und Soundexperimentator war Gründungsmitglied der einflussreichen Kölner Band Can. Er wurde 79 Jahre alt. Unter Fachleuten gilt der musikalische Avantgardist Holger Czukay als einer der innovativsten und bedeutendsten Musiker der deutschen Rockszene.

Playlist:

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Steely Dan

Everything Must Go

Everything Must Go

Reprise Records

3.

Walter Becker

Door Number Two

Circus Money

5 over 12, Mailboat Records

4.

Steely Dan

Two Against Nature

Two Against Nature

Giant Records

5.

Steely Dan

Reelin' In The Years

Can't Buy A Thrill

ABC Records

6.

Walter Becker

Downtown Canon

Circus Money

5 over 12, Mailboat Records

7.

Rickie Lee Jones

The Horses

Flying Cowboys

 

8.

Can

Spoon

Ege Bamyasi

Spoon Records, Warner

9.

Holger Czukay

Hey Baba Rebop

Hit/Flop

Grönland

10.

Holger Czukay

Ode To Perfume

On The Way To The Peak Of Normal

Grönland

 

am Donnerstag 24.08.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 26.08.17, 14-15 Uhr), Thema:

„... Too Young To Die" - Ian Anderson zum 70. Geburtstag. Teil 2

Es gibt nicht so sehr viele Musikerpersönlichkeiten in der Geschichte der Rockmusik, die über 50 Jahre bis heute aktiv blieben und einen unverwechselbaren Stil entwickelt haben, der im Verlauf der Jahrzehnte vielleicht etwas Patina angelegt hat, aber sich doch eine gewisse Zeitlosigkeit erhalten konnte. Ian Anderson ist eine dieser Musiker-Persönlichkeiten, die ihre eigenwilligen Spuren in der Rockentwicklung hinterließen und ihren Platz in der Popgeschichte längst sicher haben. Ian Anderson ist noch immer aktiv, nicht mehr mit seiner Hausband Jethro Tull, aber mit Begleitmusikern, die ähnliche Funktionen und Qualitäten haben wie seinerzeit seine Mitmusiker bei Jethro Tull. Vor 50 Jahren gründete er seine Haus- und Hofband Jethro Tull und er ist noch immer „on the road". So wird er z.B. Ende September sechs Konzerte in Deutschland geben. Und bis ins Frühjahr 2018 tourt er durch die halbe Welt.

In den letzten Jahren war er öfter auch mal mit großem Orchester unterwegs und offerierte seinen staunenden Anhängern die großen Jethro Tull-Klassiker in prunkvollem klassischem Klanggewand, was ihm auch die Kritik einbrachte, er zehre heute eher von der eigenen Vergangenheit als innovativ an einer neuen eigen musikalischen Zukunft zu arbeiten. Doch was er heute auf die Bühne bringt, ist nach wie vor hörenswert. Und neue Songs hat er ja auch durchaus zu bieten. Da sei nur an sein hoch gelobtes Soloalbum „Homo Erraticus" erinnert, das 2014 erschien. Seine Solo-Alben, die sich zum Teil deutlich von seinen Arbeiten mit Jethro Tull unterscheiden, machen seine besondere Musikalität und die Weite seines musikalischen Horizonts hörbar. 

Am 10. August konnte er seinen 70. Geburtstag feiern. Dies war der Anlass, Ian Anderson am Tag seines Geburtstags schon mit einem ersten Teil über 60 Minuten zu feiern. In Teil 2 stehen erneut nicht seine großen Erfolgssongs im Mittelpunkt, sondern eher unbekanntere Stücke, die als Entdeckungen zu bezeichnen wären.

Playlist:

 

Artist

Track

Album

Label

1.

L. Shankar

Darlene (Kramladen-Themamusik)

Touch Me There

Zappa Records

2.

Ian Anderson

Puer Ferox Adventus

Homo Erraticus

EMI

3.

Jethro Tull

Rare And Precious Chain

Roots To Branches

Chrysalis

4.

Ian Anderson

The Browning Of The Green

Homo Erraticus

EMI

5.

Jethro Tull

Ears Of Tin

Rock Island

Chrysalis

6.

Jethro Tull

White Innocence

Catfish Rising

Chrysalis

7.

Jethro Tull

Love Story

This Was (40th Anniversary Collector's Edition, 2008)

Chrysalis, EMI

8.

Jethro Tull

Old Ghosts

Stormwatch

Chrysalis

9.

Ian Anderson

Locomotive Breath

Ian Anderson Plays The Orchestral Jethro Tull

Zyx Music

10.

Jethro Tull

Velvet Green

The Best Of Acoustic

Parlophone

 

 

am Donnerstag 10.08.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 12.08.17, 14-15 Uhr), Thema:

„Too old to Rock'n'Roll ..."? Ian Anderson der Rattenfänger des Rock wird 70.

Seine Querflöte, das storchenähnlich angewinkelte Spielbein, der antiquierte Frack, und seine grimassierende, wild gestikulierende Show, das waren von Anfang an die Markenzeichen von Ian Anderson und damit auch von Jethro Tull. Denn der Sänger, Songkomponist, Texter, Arrangeur, Produzent und Querflötist Ian Anderson war seit der Bandgründung 1967 nicht nur der Kopf und Frontman von Jethro Tull, er war der Chef, der absolute Monarch -  und für den Rest blieb nur die mehr oder weniger austauschbare Rolle der Begleitband. Der hochbegabte, ehemalige Kunststudent Ian Anderson war es aber auch, der seiner Band ein unverwechselbares Image verlieh. Das Bild vom flötespielenden, auf einem Bein stehenden „Blues-Raben Hans Huckebein", das Bild vom Rock-Hofnarren mit den rollenden Augen und wirren Gebärden ging um die Welt und prägte sich ein als das Logo von Jethro Tull. Seine von Grunz- und Balzlauten begleitete Überblastechnik beim Spiel der Querflöte, sein individueller, mit Schnörkeln versehener Gesangsstil, seine Kompositionen, die altenglische Burlesken, Music Hall-Zitate und progressive Artrock-Elemente souverän verbanden, dies alles war einzigartig in der Rockmusik der frühen 1970er Jahre, als Ian Anderson im Zenit seiner Kreativität herausragende Konzeptalben wie „Aqualung" und „Thick As A Brick" mit Jethro Tull produzierte. Der Albumtitel „Living in the Past" von 1972 blieb typisch für die Musik von Ian Anderson's Jethro Tull bis heute. Natürlich hat er unter seinem Namen auch Soloalben veröffentlicht: vom Synthesizer dominierten Album „Walk Into The Light" (1983), über das klassisch orientierte Album mit religiöser Thematik von 1995 „Divinities: Twelve Dances With God", über das hoch gelobte Naturepos „The Secret Language Of Birds" (2000), bis zum Konzeptalbum „Homo Erraticus" von 2014. Letzteres konnte in Deutschland immerhin Platz 13 der Albumcharts erreichen.

Erfolgreicher waren über die Jahrzehnte natürlich die Alben, die er mit seiner Haus- und Hofband Jethro Tull eingespielt hatte. Vor 50 Jahren in Blackpool gegründet, endete die Bandgeschichte 2014, als Ian Anderson verkündete, dass er nicht mehr unter dem Namen „Jethro Tull" auftreten werde. Was ihn natürlich nicht davon abhält, nach wie vor deren großes Songrepertoire live aufzuführen. Denn er ist ja noch immer mit seinem „Best-of-Jethro Tull"-Programm „on the road". So trat er gerade erst am 29. Juli mit eben diesem Programm beim Burgherzberg-Festival auf; ab Mitte August ist er auf Nordamerikatournee und kommt vom 23. bis 30. September für sechs Konzerte auch wieder nach Deutschland, um anschließend in USA, Polen und England zu gastieren. Was belegen mag, dass Ian Anderson und seine Jethro Tull-Songs noch immer eine große Anhängerschaft haben, auch wenn die herausragenden Erfolge lange zurückliegen. Doch die eigentümliche Musikmischung von Ian Andersons Jethro Tull mit Elementen aus altenglischer und mittelalterlicher Musik, Folkrock, Jazz, Prog/Artrock, Elektronik und sogar fernöstlichen Anleihen bleibt nach wie vor außergewöhnlich und reizvoll.

Aus Hunderten von Songs ist die Handschrift von Ian Anderson immer herauszuhören. Keiner singt so aristokratisch wie er, ohne affektiert zu klingen. Keiner formt seine Melodien so verschnörkelt wie ein höfischer Minnesänger aus der elisabethanischen Zeit, gleichzeitig gebrochen vom Blues und liebäugelnd mit der Gefälligkeit des Pop. Und natürlich steht keiner außer ihm mit angewinkeltem Spielbein querflötespielend auf der Bühne. Bis heute ist er die Inkarnation des flötespielenden Rattenfängers der Rockmusik. Und als Texter wird Ian Anderson schon immer unterbewertet. Viele seiner Texte haben Charme und Witz und viel Fantasie. Und schließlich hat er ein paar geflügelte Worte dem Kanon der Rockmusik hinzugefügt, man denke nur an „Too Old To Rock'n'Roll, Too Young To Die", oder „Thick As A Brick" („Dumm wie Bohnenstroh").

Der Kramladen feiert ein Original der Rockgeschichte - aus Anlass seines 70. Geburtstages am 10. August 2017. Fortsetzung folgt in Teil 2 am 24.08.17

Playlist Teil 1:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Jethro Tull / Living In The Past / The Very Best Of / Chrysalis
3. Jethro Tull / Dot.Com / J-Tull Dot Com / Roadrunner Records
4. Ian Anderson / Doggerland / Homo Erraticus / EMI
5. Jethro Tull / Quizz Kid / Too Old To Rock'n'Roll / Chrysalis
6. Jethro Tull / Cheerio / The Broadsword and the Beast / Chrysalis
7. Jethro Tull / Songs From The Wood / Songs From The Wood / Chrysalis
8. Ian Anderson / Pigeon Flying Over Berlin Zoo / Rupi's Dance / Randm records
9. Jethro Tull / Stormy Monday Blues / 20 Years Of Jethro Tull / Chrysalis
10. Jethro Tull / Life Is A Long Song / The Very Best Of / Chrysalis
11. Ian Anderson / Budapest / Ian Anderson plays the Orchestral Jethro Tull / Zyx Music

 

am Donnerstag 27.07.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 29.07.17, 14-15 Uhr), Thema:

50 Jahre „Summer Of Love"

 21 Coverversionen soll es bislang geben; sogar U2 (1997) und New Order (2014) coverten den berühmt/berüchtigten Song „San Francisco". „If You're Going To San Francisco Be Sure To Wear Some Flowers In Your Hair", sang Scott McKenzie in der schlagerhaften Hymne der Blumenkinder im Sommer 1967 - geschrieben von John Philips, Gründer der Mamas And Papas und Mitveranstalter des legendären Monterey Pop Festivals, das Mitte Juni 1967 stattfand. Diesen Flower Power-Song hatte er für das erste Groß-Festival der Popgeschichte in Monterey geschrieben, und zwar auf Geheiß der Stadtväter von Monterey, die um die Sicherheit ihrer Kleinstadt fürchteten. Der Songtext, der zu friedfertigem Verhalten aufruft, erwähnt ganz bewusst mit keinem Wort den Austragungsort des Festivals Monterey, sondern fordert die Fans auf, in die nahe gelegene, weltoffene Großstadt San Francisco zu pilgern. Dorthin sollten die Ströme der Hippies gelenkt werden, Monterey wollte die Fan-Massen nur über die Dauer des dreitägigen Festivals zu Besuch haben. Das Song-Konzept ging auf. Die Hippie-Kolonnen strömten in die Stadt an der Golden Gate Bridge.

San Francisco und die umgebende Bay Area stiegen im Sommer vor 50 Jahren zum Zentrum einer neuen Jugendkultur auf. Der „Summer Of Love" war der Höhepunkt der Hippie-Bewegung, die sich von San Francisco aus in die westliche Welt übertrug. Vielleicht war der Sommer der Liebe die fröhlichste, freieste und fruchtbarste Zeit, die die Popmusik je erlebt hat. Es war die Zeit der „Free Concerts", der „Free Stores" und der kulturellen wie sozialen Freiräume. Der Psychedelic Rock wurde geboren, Love-ins, Be-ins, Teach-ins, alle Arten von Happenings und Pop-Arts trieben kreative Blüten.

Diesen einen Sommer lang schien der Traum von „Love & Peace" Realität zu werden. Doch die Unschuld der Flower Power-Philosophie, die Glaubwürdigkeit der Hippie-Weltverbesserer ging unter in Drogenexzessen und Gewalt. Doch Spuren von damals sind geblieben. Dafür sprechen auch die diversen Neufassungen des Anfang der Siebziger Jahre von Nick Lowe im Geiste der Blumenkinder geschriebenen Songs „What's So Funny 'bout Peace, Love And Understanding?" Die jüngsten Neufassungen stammen von Simple Minds (2009), Panic! At The Disco (2011) und Wilco (2017).

Der Kramladen blickt zurück im Spaß in den turbulenten „Summer of Love" Anno 1967 und fragt, was falsch ist am Traum von Liebe, Frieden und einer besseren Welt.

Playlist:  Artist /  Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. The Flowerpot Men / Let's Go To San Francisco / Best of Summer of Love / Universal
3. The Mamas And Papas / California Dreaming / The Very Best of / Probe, EMI
4. Scott McKenzie, Monalisa Twins, Rob Tognoni, Barbados, Me First and The Gimme Gimmes / San Francisco (Montage) / diverse / diverse
5. Jefferson Airplane / Somebody To Love / The Essential / RCA, Sony, BMG
6. Eric Burdon & The Animals / San Franciscan Nights / Love & Peace / Polystar, Universal
7. Tanya Tucker, Jimmy LaFave, Dominik Hestéra / San Francisco (Montage) / diverse / diverse
8. It's A Beautiful Day / White Bird / It's A Beautiful Day/  CBS
9. Neil Young /Peace and Love / Mirror Ball / Reprise
10. Brinsley Schwarz / (What's So Funny 'bout) Peace, Love And Understanding / The New Favourites of Brinsley Schwarz / United Artists
11. Chris Cornell / (What's So Funny 'bout) Peace, Love And Understanding / download / download
12. A Perfect Circle / (What's So Funny 'bout) Peace, Love And Understanding / Emotive / Virgin
13. Fountains Of Wayne / Peace and Love / Welcome Interstate Managers / Virgin
14. Peter Colours / Love & Peace / download / download

 

am Donnerstag 13.07.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 15.07.17, 14-15 Uhr), Thema:

Carlos Santana - zum 70. Geburtstag

Seit Woodstock kennt und schätzt man ihn und seine nach ihm benannte Band. Schließlich haben Carlos Santana und seine Mitmusiker den Stil des Latin-Rock auf die Landkarte des Planeten Pop gebracht. Vor 50 Jahren gründete der am 20. Juli 1947 in Mexiko geborene Carlos Santana seine erste Band in San Francisco und nannte sie Santana Blues Band. Weil seine Begleitmusiker ebenfalls aus lateinamerikanischen Ländern stammten, entwickelte sich folgerichtig eine musikalische Mixtur aus perkussiven und melodischen Elementen aus den Herkunftsländern der Musiker und dem in San Francisco damals angesagten psychedelischen Bluesrock.

Gefördert durch den einflussreichen Konzertveranstalter Bill Graham entwickelte sich die nun Santana genannte Band zu einem Geheimtipp und schließlich Publikumsmagnet im Großraum San Francisco. Bill Graham war es auch, der Santana den Auftritt beim Woodstock-Festival vermittelte. Der vom Publikum umjubelte Woodstock-Auftritt war ein großer Erfolg für die damals außerhalb der San Francisco-Szene noch völlig unbekannte Band und begründete ihren beginnenden Weltruhm. Nur wenige Tage nach dem Woodstock-Festival erschien das Debüt-Album von Santana und wurde auf Anhieb ein Riesenerfolg, wie auch die beiden Folgealben „Abraxas" von 1970 und Santana III von 1971. Doch der zu schnelle und zu große Erfolg brachte viele Probleme mit sich - von Ego-Trips bis zu massiven Drogen-Exzessen. Die Band Santana löste sich auf und Carlos Santana machte danach mit unterschiedlichen Partnern und verschiedenen Begleitmusikern weiter. Er wandte sich dem Guru Sri Chinmoy zu, erhielt von ihm, seinem neuen Meister, den Beinamen Devadip, er veröffentlichte ein viel beachtetes Jazzrockalbum („Love Devotion Surrender") mit seinem neuen spirituellen Bruder im Geiste, dem - wie er - Supergitarristen und Anhänger des Gurus Sri Chinmoy, Mahavishnu John McLaughlin, kehrte danach auch wieder zum pop-rock-orientierten Latin-Sound zurück, kam aber allmählich kommerziell aus dem Tritt.

1999 gelang ihm mit seinem Album „Supernatural" ein überraschendes Comeback und ein riesiger weltweiter Erfolg, der sich mit dem Nachfolgealbum „Shaman" von 2002 fast in ähnlicher Weise wiederholte. In der Folgezeit setzte allerdings eine gewisse kreative Verflachung ein. Im April 2016 überraschte Santana wieder mit einem überzeugenden Album („Santana IV"), eingespielt mit einem Großteil der Santana-Urformation, mit der Carlos Santana schon 1969 in Woodstock auf der Bühne stand.

Der Kramladen feiert einen der großen stilbildenden Gitarristen der Rockszene, der nicht nur als Musikerpersönlichkeit seine Individualität und Identität gefunden hat, sondern auch als spiritueller Mensch, der mit Engeln in Kontakt stehen will und nicht nachlässt, seine Botschaft von Liebe, Frieden und Spiritualität in die Popwelt hinauszutragen. 

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Santana / Shake It / Santana IV / Thirty Tigers, Santana Records, Alive
3. Santana / Maria Maria / Live in Montreux 2015 / Montreux Archives
4. Santana / Love / Marathon / Columbia
5. Carlos Santana / Redemption Song / Hymns For Peace / Eagle Vision
6. Santana / Soul Sacrifice / The Best of Woodstock / Atlantic
7. Santana / Evil Ways / Santana / Columbia
8. Carlos Santana & Mahavishnu John McLaughlin / A Love Supreme / Love Devotion Surrender / Columbia
9. Santana / Smooth / Supernatural / Arista BMG
10. Santana / Forgiveness / Santana IV / Thirty Tigers, Santana Records, Alive

am Donnerstag 29.06.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 01.07.17, 14-15 Uhr), Thema:

Kurzfassung: Zum 50-jährigen Jubiläum der Beatles-Hymne des „Summer Of Love" 1967 „All You Need Is Love" erzählt der Kramladengastgeber die Geschichte des Songs - mit vielen Musikbeispielen und Coverversionen.

ALL YOU NEED IS LOVE - zum 50-jährigen Jubiläum

Es war eine Welt-Neuheit. Und es geschah vor 50 Jahren. „Our World" war die erste weltweit via Satellit übertragene Livesendung des Fernsehens. In 31 Staaten auf allen 5 Kontinenten wurde die 2-stündige TV-Show ausgestrahlt. 14 Länder beteiligten sich mit eigenen nationalen Beiträgen. Kanada begann mit einem Interview mit dem Medienguru Marshall MacLuhan, Japan berichtete über den Bau der U-Bahn in Tokio. Australien ließ die Fernsehzuschauer in die Weiten des Alls blicken. In weiteren Beiträgen traten Maria Callas und Pablo Picasso auf. Deutschland beteiligte sich mit der Übertragung einer Probe von Richard Wagners Lohengrin aus Bayreuth.

Das Großereignis für die Popwelt war allerdings Englands Beitrag: die Live-Übertragung einer Studioaufnahme der Beatles. John Lennon hatte eigens für dieses TV-Ereignis, das von über 400 Millionen Menschen weltweit verfolgt wurde, einen neuen Song geschrieben mit einem universellen und weltumarmenden Thema: „All You Need Is Love" - ein Song, der TV-Geschichte schrieb und in die Pop-Annalen einging als die Themamusik des „Summer Of Love" Anno 1967, als die Flowerpower-Hymne, die das Lebensgefühl und die Botschaft jenes Sommers auf den prägnanten Satz komprimierte: „Alles was du brauchst ist Liebe"!. Am 25. Juni 1967 wurde die Fernsehsendung „Our World" mit dem neuen Beatles-Song weltweit ausgestrahlt. Am 30. Juni 1967 wurde der Song als Single in Deutschland veröffentlicht, am 7. Juli in Großbritannien und am 17. Juli in den USA. Überall erreichte die Single Platz 1 der nationalen Charts. Nach der Happening-ähnlichen Live-Übertragung des Beatles-Songs aus den Abbey Road-Studios in London drückte der Beatles-Pressesprecher aus, was viele damals empfanden: „Die Popmusik hat nie einen schöneren Augenblick erlebt".

Zum 50-jährigen Jubiläum von „All You Need Is Love" sind im Kramladen - neben dem Originalsong - viele verschiedene Coverversionen, Neubearbeitungen und Interpretation aus aller Welt zu hören.

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. The Beatles / All You Need Is Love / Yellow Submarine (Songtrack) / EMI, Apple
3. Dave Koz & Friends / All You Need Is Love / The 25. of December / Concord Music Group
4. 156 countries sing together / All You Need Is Love / Aids Awareness Campaign by Starbucks / download
5. The Beatles / „All You Need Is Love" / Ausschnitt aus der TV-Sendung „Our World" / The Beatles Documents Vol. 3 / Document Records
6. Ben From Corduroy; Jamie Lancaster; Nate Williams Band / All You Need Is Love (Montage) / diverse / diverse
7. The Punkles / All You Need Is (Punk) / Beat The Punkles / Bitzcore
8. Charlotte Rayy / All You Need Is Love / Char Writes Songs / download
9. Sören Okholm-Trio / All You Need Is Love / WannaBe Studios / download
10. Bandaged Together / All You Need Is Love / Bandaged / download
11. Paul McCartney and Various Artists / All You Need Is Love / Party At The Palace / Virgin
12. Diverse Künstler / All Your Need Is Love (Montage) / diverse / download

 

am Donnerstag 15.06.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 17.06.17, 14-15 Uhr), Thema: 

Der ewige Beatle: Paul McCartney - zum 75. Geburtstag

 „Your song will fill the air", sang er 1968 in seinem Beatles-Song „I Will" aus dem Weißen Album - damals geschrieben als Liebeslied für seine spätere Frau Linda. Paul McCartneys Songs erfüllen noch immer die Klangwelt der Popmusik. Und sie füllen nach wie vor Stadien, Radioprogramme, Bücher und nicht zuletzt auch sein Bankkonto. Er ist der erfolgreichste Songschreiber der Popgeschichte, einer der letzten Giganten aus den sechziger Jahren, die die Entwicklung der Popkultur kreativ prägten wie kein anderes Jahrzehnt und er blieb bis heute einer der vielseitigsten Künstler des Planeten Pop.

Er schrieb klassische Werke und Ballettmusik, produzierte Ambient-Musik und elektronische Soundtableaus, er schrieb einen Lyrikband und ein Kinderbuch, veröffentlichte Kurzfilme und überraschte als Maler abstrakter Gemälde - und das natürlich neben all den unzähligen Rocksongs und Popballaden, die er seit rund 55 Jahre wie kaum ein Zweiter zu schreiben versteht. Er verfügt über die seltene Gabe, Melodien von besonderer Schönheit mit harmonischer Raffinesse zu verbinden und neue musikalische Ideen aus einem schier unerschöpflichen Reservoir zu schöpfen, wobei sein sicheres Gespür für die Attraktivität der populären Form ihn nur selten im Stich lässt.

Tatsächlich gehören viele seiner großen Songs, nicht nur aus der Beatles-Ära, sondern auch aus seiner Solo-Zeit - vor allem nach 1997 - zu den geschmackvollsten und edelsten Referenz-Kompositionen der Popszene.

Natürlich lebt Paul McCartneys unverwüstlicher Ruhm von seiner großen Vergangenheit als Beatle. Und noch immer kämpft er um die Musikrechte an den unsterblichen Beatles-Songs, die er mehr oder weniger mit John Lennon zusammen geschrieben hatte. Im Januar 2017 verklagte er den derzeitigen Rechteinhaber, den Musikverlag Sony/ATV, mit dem Ziel, die lukrativen Verlagsrechte an den Beatles-Evergreens zurückzuerlangen.

Er ist und bleibt also ungebrochen kämpferisch, wenn es um seine Interessen geht, er bleibt als Performer auch mit 75 und darüber hinaus aktiv und er hört nicht auf, künstlerisch kreativ zu sein. Seit dem letzten Jahr arbeitet er an einem neuen Studioalbum. Im Juli und September geht er auf große USA-Tournee und im Oktober gibt er Konzerte in Brasilien.

Und hält man sich vor Augen, was in jedem aktuellen Konzert von Paul McCartney weltweit passiert, wo man hört, wie beseelt er die alten Beatles-Klassiker mit Leben erfüllt, und wo man sieht, wie seine Fans im Publikum mit glänzenden Augen und verzücktem Lächeln mitsingen, dann wird der bekannte Aphorismus von William Faulkner wieder einmal bestätigt: „Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist noch nicht einmal vergangen".

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Paul McCartney / P.S. Love Me Do / Return To Pepperland / Download
3. Paul McCartney / We Got Married / Flowers In The Dirt / Capitol Records MPL
4. Paul & Linda McCartney / Uncle Albert - Admiral Halsey / RAM / Apple, EMI
5. Wings / Arrow Through Me / Back To The Egg / EMI Electrola
6. Paul McCartney / Here Today / Tug Of War / EMI, Electrola
7. Paul McCartney / Plastic Beetle / Liverpool Sound Collage
8. Paul McCartney / House Of Wax / Memory Almost Full / Hear Music
9. Paul McCartney / In The Blink Of An Eye / Ethels & Ernest (Soundtrackalbum) / download
10. Paul McCartney / I Lost My Little Girl / Unplugged / Parlophone
11. The Lonely Hearts Club Band / Penny Lane / Paul McCartney: YESTERDAY & Heute (Hörbuch) / RillenWerke 1740

 

am Donnerstag 01.06.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 03.06.17, 14-15 Uhr), Thema:

„Sgt. Pepper wird 50". Teil 2 

Beatles-Produzent George Martin schrieb in seinen Memoiren „Es geschah in der Abbey Road": „Für mich bedeutete das Werk einen Schnitt in der Karriere der Gruppe, denn es kennzeichnete den Übergang von einer „normalen" Rock'n'Roll-Band zu Künstlern, die einen nennenswerten Beitrag zur modernen Musikgeschichte leisteten. Es war ein Wendepunkt - der Wendepunkt. Durch Sgt. Pepper wandelte sich die Kunst der Aufnahme von der reinen Aufzeichnung netter Klänge zu einem Medium, das die Zeit als gültige Kunstform überdauert - und eine Art Skulptur der Musik erschafft."

Höhepunkt des Albums ist zweifellos, der grandiose Abschluss-Song „A Day In The Life". One-two-three-four, so würde jeder andere den Song einzählen. Aber ist John Lennon wie jeder andere? Sein Vorzähler lautet: „Sugar Plum Fairy, Sugar Plum Fairy" (Zuckerpflaumenfee) - so „hieß im damaligen Slang die Person, die einem Aufputschmittel besorgte" (Mark Hertsgaard). Lennon hatte bei diesem Song noch andere verrückte drogengeschwängerte Ideen. Doch die abgefahrenste stammte nicht von ihm alleine. So etwas hatte noch niemals zuvor irgendjemand in der Popmusik mit dem hehren Klangkörper eines 60-köpfigen Orchesters angestellt. Völlig entgeistert schauten die klassischen Musiker drein, als man ihnen auftrug, ein atonales „Soundcluster" zu erzeugen - ein was? - ein Glissando zu spielen, leise beginnend, ausgehend vom tiefsten Ton und dann sich stetig steigernd bis zum höchsten Ton in voller Lautstärke, allesamt endend in einem wilden Klimax-Akkord E. Ein organisiertes Chaos, exakt 24 Takte lang. Dieses düstere und dissonante orchestrales Crescendo, das an den Nerven zerrt und schier endlos kakophonisch aufsteigt bis es am höchsten Punkt erstirbt, ist das musikalisch herausstechendste Ereignis des genialen Songs „A Day In The Life". Die auslösende Textzeile, die dem Klang-Furor vorangestellt ist, wurde als die Provokation verstanden, die von den Beatles intendiert war: „I'd love to turn you on" - „ich würde dich gerne antörnen", das wurde nicht nur von der BBC als Aufforderung zum Drogenkonsum verstanden und führte sofort zum Sendeverbot im britischen Radio. Provokation im Sinne von Aufrütteln war angeblich die Intention dieser Zeile, und nicht die Leute zu animieren, einen Joint durchzuziehen: „Wir wollten die Leute anmachen, damit sie die Wahrheit herausfinden. Es ging dabei nicht um das verdammte Haschisch", stellte Paul McCartney später in einem Interview klar. Es ging wohl eher um LSD, denn natürlich war die Drogen-Assoziation beabsichtigt; schließlich kannte fast jeder damals das geflügelte Wort „Turn on, Tune in, Drop out". Mit diesem Slogan hatte sich Timothy Leary im September 1966 bei einer Pressekonferenz in New York als Prophet der Bewusstseinserweiterung durch psychedelische Drogen wie LSD weltweit bekannt gemacht.

„A Day In The Life" markiert nicht nur den Abschluss des epochalen Meisterwerks „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", sondern kann auch als künstlerischer Höhepunkt nicht nur des Albums, sondern auch der Zusammenarbeit des genialen Songschreiber-Duos Lennon/McCartney angesehen werden. Der Rahmensong stammte aus der Schreibe von John Lennon, den Mittelteil hatte Paul McCartney beigesteuert. Beide hatten nur ein Songfragment fertiggestellt, unabhängig voneinander und ohne dass der eine vom Thema des anderen wusste. Und doch passten die beiden völlig unterschiedlichen Songteile, wie von magischer Hand gesteuert, perfekt zusammen.

John Lennon schlägt die Akkorde des mollreichen Harmonieschemas auf seiner Akustikgitarre schnörkellos geradlinig an, während das Klavier und Paul McCartneys ideenreiches Bass-Spiel raffinierte rhythmische Akzente setzen und Ringo auf dem Schlagzeug mit clever getrommelten Fills brilliert. George Harrison spielt bei dieser vielleicht überragendsten Aufnahme in der Beatles-Geschichte so gut wie keine Rolle. In der Besetzungsangabe wird er geführt unter dem Instrument „Maracas". Johns Gesang ist verhalten intoniert, doch ungemein präsent und präzise phrasiert. Seine Stimme klingt kontrolliert und im Duktus fast wie unbeteiligt erzählerisch und gleichzeitig auch gespenstisch, weltabgewandt und traumverloren. Gesanglich besonders herausstechend sind zwei Abschnitte: 1. die in schnellen Sechzehntel-Noten gesungenen Schlusszeilen der Strophen 1und 3 („Nobody was really sure if he was from the House ..., now they know how many holes it takes to fill the..."), die beide mit einem kühnen Sprung in die Kopfstimme enden („..of Lords, ... Albert Hall") - und 2. das leiernde Auf- und Abschwingen im Halbton-Intervall auf den Silben „turn you on" (das übrigens im Jahre 2001 von Michael Stipe im R.E.M-Song „Imitation Of Life" imitiert wurde).

Beendet wird der vielleicht beste, sicher aber spektakulärste Song der Beatles nach der zweiten sich hoch schraubenden Orchester-Kakophonie durch einen mächtigen E-Dur-Akkord, auf drei Konzertflügeln gleichzeitig angeschlagen. Bei diesem Effekt des mächtigen Schlussakkordes und seines langsamen Ausklangs bis zur völligen Stille kam manchem die Assoziation der sich allmählich ausbreitenden, unheimlichen Grabesstille nach einer Atombomben-Explosion. Doch auch in der Düsternis, die von der Texthandlung des Songs heraufbeschworen wird, stecke Hoffnung und „Lennons Sehnsucht, die Welt wachzurütteln und ihr bewusst zu machen, dass sie es nicht nur in der Hand hat, sich selber auszulöschen, sondern sich auch zu erneuern" (schrieb Tim Riley). Auf der Platte mag der finale E-Dur-Akkord nach 53 Sekunden verklungen sein, doch der Nachhall des Geniestreichs „A Day In The Life" klingt überdauernd weiter.

Playlist:   Artist /  Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. The Beatles / Within You Without You / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
3. The Beatles / Within You Without You (Take 1 Indian Instruments) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
4. The Beatles / When I'm Sixty-Four / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
5. The Beatles / When I'm Sixty-Four (Take Two) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
6. The Beatles / Lovely Rita / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
7. The Beatles / Lovely Rita (Take 9) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
8. The Beatles / Good Morning Good Morning / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
9. The Beatles / Good Morning Good Morning (Take 8) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
10. The Beatles / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
11. The Beatles / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise) (Take 8) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
12. The Beatles / A Day In The Life / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal
13. The Beatles / A Day In The Life (Take 1) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (2017) / Parlophone, EMI, Universal

 

am Donnerstag 18.05.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 20.05.17, 14-15 Uhr), Thema:

Sgt. Pepper wird 50 (Teil 1)

 Wie oft hat man das schon gehört und gelesen, als besondere Auszeichnung, als höchstes Lob, wenn ein spezielles Album in der Geschichte einer Band oder eines Solisten herausgestellt wurde mit dem Adelstitel: Das ist das „Sgt. Pepper-Album von XY". Ein größeres Kompliment konnte man einer LP-Veröffentlichung nicht machen, als sie zu vergleichen mit dem berühmtesten Meilenstein-Album der Beatles „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", das vor 50 Jahren veröffentlicht wurde, offiziell genau am 30. Mai 1967 in West-Deutschland, tags drauf am 01. Juni 1967 in UK und am 2. Juni in den USA. Das waren die offiziellen Erscheinungstermine. Aber da bereits Raubpressungen kursierten, entschloss sich die Plattenfirma der Beatles, das Album bereits am 26. Mai auf den Markt zu bringen. Der Kramladen feiert das 50-jährige Jubiläum des epochalen Sgt. Pepper-Albums in zwei Teilen - am 18. Mai und am 1. Juni.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung stand „Sgt. Pepper" schon auf Platz 1 der Album-Charts - und das fast überall in der Popwelt. Bis heute wurde das Album weltweit über 30 Millionen mal verkauft. „Sgt. Pepper" gilt vielen als das bedeutendste Album der Popgeschichte. Im Jahre 2003 wählte das Musikmagazin Rolling Stone „Sgt. Pepper" zum besten Album aller Zeiten. Wem das eine Nummer zu groß ist, wird zustimmen, „Sgt. Pepper" als das herausragende Pop-Album der 1960er Jahre zu bewerten, obwohl es etliche Beatles-Fachleute gibt, die das Vorläufer-Album „Revolver" noch höher einschätzen. Aber „noch höher" heißt eben nur, „Revolver" wird von vielen als ein noch größeres Meisterwerk angesehen - und dies heißt konsequent weiter gedacht: die Beatles waren in der Zeit 1966 bis '67 das Non Plus Ultra, die absolute Weltspitze in der populären Musik, nicht nur was die Popularität und die Verkaufszahlen anging, sondern weitaus wichtiger, was die künstlerische Qualität ihrer Musik jener Zeit betraf.

Das Sgt. Pepper-Album überraschte damals mit bislang ungehörten Sound-Experimenten, faszinierte mit der konzeptuellen Idee eines Gesamtkunstwerks, begeisterte sowohl mit seiner Vielfalt an Stilformen, exotischen Instrumenten und surrealen, psychedelischen Klangbildern wie auch durch die musikalische Versinnbildlichung einer künstlerisch wie gesellschaftlich innovativen Jugendkultur im „Summer of Love" und überzeugte durch seine aufwändig ausgearbeiteten Songarrangements und die überragende, damals unerreichte Produktionsqualität.

In all den Jahren ist eine Menge über das Ausnahmealbum „Sgt. Pepper" geschrieben worden. Was man so alles lesen konnte, war unter anderem dies: die Beatles hätten aus Rock'n'Roll Kunst gemacht. Oder: sie hätten die Sache des aufmüpfigen Beat an die etablierte Kultur verraten. Oder: mit Sgt. Pepper habe die Langspielplatte ihre höchste Entwicklungsstufe als künstlerisches Medium erreicht. Oder: seit dem Wiener Kongress habe kein Ereignis die Teilnehmer der westlichen Zivilisation - zumindest der jungen Generation - gemeinsam so betroffen, wie das Erscheinen des Sgt. Pepper-Albums. Oder: Sgt. Pepper gehöre zu den kulturellen Meilensteinen des 20. Jahrhunderts.

Pünktlich zum 50. Jahrestag des Beatles-Meisterwerks erscheint am 26. Mai eine Jubiläums-Edition mit allen neu abgemischten Original-Songs, plus diverser zusätzlicher, teils unveröffentlichter Aufnahmen aus den damaligen Studiosessions.

„Es ist völlig irre, dass wir auf dieses Projekt 50 Jahre später mit so viel Freude zurückblicken - und auch gewissem Erstaunen darüber, wie vier Typen und ein großartiger Produzent samt seiner Tontechniker einen derartigen Klassiker schaffen konnten", so lautet Paul McCartneys Kommentar in seinem neu verfassten Einleitungswort zur „Sgt.-Pepper"-Jubiläums-Ausgabe.

„Sgt.-Pepper' schien damals wohl einfach die gesellschaftliche Stimmung des Jahres 1967 musikalisch treffend einzufangen und die Menschen geradewegs zu beflügeln", erinnert sich Ringo Starr im beigefügten Buch zur Jubiläums-Ausgabe.

Teil 1 der Kramladenfeier zum 50. Geburtstag von Sgt. Pepper beschäftigt sich ausführlich mit den Songs der A-Seite des Albums (1. Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band, 2. With A Little Help From My Friends, 3. Lucy In The Sky With Diamonds, 4. Getting Better, 5. Fixing A Hole, 6. She's Leaving Home, 7. Being For The Benefit Of Mr. Kite!

Im zweiten Teil folgen detaillierte Besprechungen aller Songs der B-Seite (8. Within You Without You, 9. When I'm Sixty-Four, 10. Lovely Rita, 11. Good Morning Good Morning, 12. Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise), -- und als Höhepunkt und Abschluss: 13. A Day In The Life.

Zusammenfassung: „A splendid time is guaranteed for all"

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. The Beatles / Strawberry Fields Forever / Magical Mystery Tour / Parlophone, EMI, Apple
3. The Beatles / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band / Parlophone, EMI, Apple
4. The Beatles / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Take 9 and speech) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Anniversary Edition 2017) / Parlophone, EMI, Apple
5. The Beatles / With A Little Help From My Friends (Remix) / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Anniversary Edition 2017) / Parlophone, EMI, Apple
6. Joe Cocker / With A Little Help From My Friends / Joe Cocker Sings The Beatles / Edel Company
7. The Beatles / Lucy In The Sky With Diamonds / Love / EMI, Apple
8. Katie Melua / Lucy In The Sky With Diamonds / Piece By Piece / Dramatico Records
9. The Beatles / Getting Better / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band /  Parlophone, EMI, Apple
10. Ben from Corduroy / Getting Better / Fab Guiro! / Sony
11. The Beatles / Fixing A Hole / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band / Parlophone, EMI, Apple
12. Billy Brag / She's Leaving Home / Lennon & McCartney-Songbook Volume 2 / VSOP, EMI
13. The Beatles / She's Leaving Home / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band / Parlophone, EMI, Apple
14. Al Jarreau / She's Leaving Home / Tenderness / Reprise Records
15. The Beatles / Being For The Benefit Of Mr. Kite / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band / Parlophone, EMI, Apple

 

 

am Donnerstg 04.05.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 06.05.17, 14-15 Uhr), Thema:

Procol Harum veröffentlicht ein „Novum" - erst 1967 und nun auch 50 Jahre später

Das Jahr 1967 war eines der wichtigsten in der Popgeschichte. Bahnbrechende Debütalben wurden veröffentlicht: The Doors (Januar 1967) mit dem Singlehit „Light My Fire" (April 1967), The Velvet Underground & Nico (März 1967), Jimi Hendrix „Are You Experienced" (Mai 1967) mit der fantastischen Single-Auskopplung „The Wind Cries Mary". Im August folgten die Debütalben von Pink Floyd und Janis Joplin, damals noch Bandmitglied von Big Brother and The Holding Company.

Das alles überragende Album des Jahres 1967 war natürlich „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", das am 1. Juni auf den Markt kam. Doch vier Wochen zuvor erschien eine Single, die international für Furore sorgte und zumindest einen Monat lang - bis die Beatles mit Sgt. Pepper allen den Rang abliefen - die Popszene dominierte: „A Whiter Shade Of Pale", die erste musikalische Verschmelzung von klassischen Elementen mit britischem Beat, gesungen vom Komponisten des Songs Gary Brooker, dessen Soulstimme in der Tradition des afroamerikanischen Rhyth'n'Blues stand. Gary Brooker hatte sich musikalisch inspirieren lassen von Johann Sebastian Bachs „Air" aus der Orchestersuite Nr. 3 in D-Dur und verknüpfte seine melodiöse Bach-Adaption mit einem gravitätisch schreitenden Rhythmus und einem surrealen. metaphernreichen Text, was man so zuvor in dieser Form noch nicht im Pop gehört hatte. Die Reaktionen auf diesen von klassischen Klavierakkorden und einer sakral klingenden Orgel getragenen Wunder-Song waren damals überwältigend, und die außergewöhnliche Faszination dieser schwerblütigen, hymnischen Ballade hat bis heute kaum nachgelassen.

50 Jahre nach diesem Novum in der Popmusik veröffentlichte die längst umformierte Gruppe Procol Harum, in deren Mittelpunkt aber noch immer Mastermind Gary Brooker steht, ein weiteres „Novum", nämlich das gleichnamige, mittlerweile 13. Studioalbum von Procol Harum, ganze 14 Jahre nach dem letzten Plattenopus „The Well's On Fire" von 2003.

Musikalisch bietet das neue Album „Novum" nichts wirklich Neues, dafür aber eine Weiterentwicklung des bekannten eklektischen Stils der Gruppe zwischen neo-klassischer Harmonik, romantischem Kunstlied und blues-getränktem Rock-Gestus. Auf Elektronik-Mätzchen und soundtechnische Nachbearbeitung am Computer wurde weitgehend verzichtet. Den Songaufnahmen hört man an, dass sie überwiegend in einer live-ähnlichen Studioproduktion von allen gemeinsam eingespielt wurden. Nur Gary Brooker hat seinen Gesang erst später playback aufgenommen. Das Album „Novum" ist für Procol Harum kein gänzlich neues Kapitel, öffnet aber neue Türen in eine Zukunft möglicher Erneuerungen.

Zum 50-jährigen Band-Bestehen geht Procol Harum in diesem Jahr auf große Jubiläumstour und kommt im September 2017 auch für 10 Konzerttermine nach Deutschland.

Der Kramladen schlägt einen fünf Dekaden umspannenden Bogen vom Mai 1967 zum Mai 2017 und macht ein Stück beeindruckender Pop/Rockgeschichte hörbar - am konkreten Beispiel von Procol Harum.

Playlist: Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Procol Harum / I Told On You / Novum / Eagle Records, Universal
3. Procol Harum / Image Of The Beast / Novum / Eagle Records, Universal
4. Procol Harum / Weisselklenzenacht (The Signature / The Well's On Fire / Eagle Records
5. Procol Harum / The Vip-Room / The Well's On Fire / Eagle Records
6. Procol Harum / Wallstreet Blues / The Well's On Fire / Eagle Records
7. Procol Harum / Businessman / Novum / Eagle Records, Universal
8. Procol Harum / A Whiter Shade Of Pale / The Definite Collection / BR Music
9. Keith Emerson, Glenn Hughes, Marc Bonilla / A Whiter Shade Of Pale / Boys Club Live From California / Ear Music, Edel
10. Procol Harum / The Only One / Novum / Eagle Records, Universal
11. Procol Harum / Don't Get Caught / Novum / Eagle Records, Universal

 

am Donnerstag 20.04.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung  22.04.17, 14-15 Uhr), Thema:

Hellmut Hattler - zum 65. Geburtstag

Einer der wenigen, bis heute wirklich innovativen Musiker aus der Frühzeit der deutschen Rockmusik, der Bassist, Songschreiber und Bandleader Hellmut Hattler konnte am 12. April seinen 65. Geburtstag feiern. Als 19-jähriger machte er zum ersten Mal von sich reden, als Bassist der Jazzrockgruppe Kraan, die bis heute ein Markenbegriff für melodiebetonten Jazzrock der höchst individuellen Art geblieben ist. Parallel zu Kraan stieß er in die neuen Stilbereiche eines groovigen Hipjazz mit dem Duo Tab Two vor (1988 - 1999), tourt seit dem Jahr 2000 regelmäßig mit seiner exquisiten Elektro-Soulpop/Jazzlounge-Gruppe HATTLER durch die Lande, gründete mit der afrodeutschen Soul/Jazz-Sängerin Siyou das großartige Duo Siyou'N'Hell und erlaubt sich gemeinsam mit dem kongenialen Gitarristen Ali Neander immer wieder spannende Ausflüge in die freien Welten eines Neo-Fusion-Jazzrock der absoluten Highend-Spitzenklasse.

Dies ist als Geburtstagständchen zum 65. der zweite Teil einer Hattler-Hommage, mit weiteren Ausschnitten aus einem ausführlichen Gespräch, das ich am 4. Oktober 2016 mit ihm führen konnte - und mit weiteren Musikstücken aus seinem inzwischen äußerst umfangreichen Repertoire.

Sein Geburtstagsalbum zum 65., „Bassbal II", stieg am 13. April bei den iTunes-Jazzcharts von 0 auf Platz 1. Wenn das kein erfreuliches Geburtstagsgeschenk ist, das ihm seine Fans mit eifrigen Downloads bescherten ...

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. HATTLER / Warhol Holidays (Reprise) / Warhol Holidays / Bassball Recordings, 36music, Broken Silence
3. Tab Two / Lieblingslied / Sonic Tools / Virgin
4. HATTLER / Love And Freedom (No Smiley) / Warhol Holidays / Bassball Recordings, 36music, Broken Silence
5. HATTLER / Sunny Jay / Live Cuts / Bassball Recordings, 36music
6. HATTLER / Sand am Meer / Warhol Holidays / Bassball Recordings, 36music, Broken Silence
7. HATTLER / Anything At All / Warhol Holidays / Bassball Recordings, 36music, Broken Silence
8. HATTLER / Mountain Bike / Warhol Holidays / Bassball Recordings, 36music, Broken Silence
9. HATTLER / Dot Competition / Warhol Holidays / Bassball Recordings, 36music, Broken Silence

 

am Donnerstag 06.04.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 08.04.17, 14-15 Uhr), Thema:

 „The Night Siren" - das neue Album von Steve Hackett und Erinnerungen an Genesis

 Es scheint, als würde die Welt aktuell in Dunkelheit versinken, schreibt Steve Hackett in den Liner Notes zu seinem neuen weltmusikalisch orientierten Album „The Night Siren". Wo man hinschaue, sehe man Extremismus, Intoleranz, die Abkehr von der etablierten Politik und das Erstarken von Nationalismus. Dem wolle er den Geist der multikulturellen Offenheit entgegensetzen. Sein Album handele vom Frieden und beinhalte Weltmusik und Musik aus allen Teilen der Welt. Tatsächlich haben sich zwanzig Musiker aus aller Welt an Steve Hacketts neuem Album beteiligt. Neben dem typischen Instrumentarium des progressiven Artrock ist z.B. die indische Sitar zu hören, die persische Langhalslaute Tar, die Charango, das kleine Saiteninstrument aus Peru, der irische Dudelsack, das armenische Oboen-ähnliche Blasinstrument Duduk, die Andenflöte Quena, das australische Didgeridoo usw.

In den elf neuen Songs sind Flamenco-Elemente verarbeitet, Folklorethemen aus Aserbeidschan und Palästina - und doch kann man das Album „The Night Siren" nicht als typisches World Music-Album bezeichnen. Es enthält eine weiterentwickelte Form des Artrock, der sich verschiedenster Anregungen aus der weiten Welt der Musik bedient. Natürlich ist diese Stilmischung nicht neu. Auch neigen manche Songthemen zu übermäßigem Pomp oder verirren sich auch mal in seichtere Gefilde, doch insgesamt überwiegen die überzeugenden Momente dieser vielgestaltigen, weltoffenen Artrock-Produktion. Vor allem weiß Steve Hackett erneut als großartiger Gitarrensolist zu beeindrucken und erstmalig ist auch sein Gesang als gelungen einzustufen.

Der ehemalige Genesis-Gitarrist Steve Hacket, der an den sechs klassischen Genesis-Alben von 1971 bis '76 teilweise auch als Co-Komponist beteiligt war - Nursery Cryme (1971), Foxtrot (1972), Selling England By The Pound (1973), The Lamb Lies Down On Broadway (1974), A Trick Of The Tail (Februar 1976), Wind And Wuthering (Dezember 1976) - und inzwischen 25 Alben unter eigenem Namen veröffentlicht hat, gilt als einer der vielseitigsten Gitarristen aus dem Umfeld des britischen Artrock. Sein Gitarrenspiel wurde mal als Kreuzung aus mittelalterlichem Lautenspiel und futuristischem Weltalltrip bezeichnet. Er überraschte selbst Gitarrenexperten immer wieder durch spiel- und soundtechnische Neuerungen. Mal klang sein Gitarrenton wie ein Synthesizer, mal wie eine klagende menschliche Stimme, mal wie betörender Sirenengesang.

Bis auf ein kurzes Gastspiel in der vermeintlichen Supergruppe GTR mit Yes-Gitarrist Steve Howe arbeitet Steve Hackett seit 1976 als Solist. Als einflussreicher Gitarrist nahm er in den 1970er Jahren Entwicklungen vorweg, die erst sehr viel später im Pop/Rock stilbildend wurden. Bevor der Begriff erfunden wurde musizierte er schon akustisch-„unplugged", kreierte Ambient-Soundscapes, erprobte sich in klassisch-sinfonischer Musik und war gitarristischer Vorläufer der New Age-Musik. Doch seine eigentliche Domäne sind die verschiedenen Varianten des progressiven Artrock.

Steve Hackett ist derzeit noch bis zum 13. April auf Deutschlandtournee (Berlin, 10.04. / Hamburg 11.04. / Bochum 12.04. / Leipzig 13.04.). Sein Tourprogramm besteht aus Genesis-Songklassikern und ausgewählten Titeln aus seinen Soloalben, darunter auch zwei Stücke aus dem neuen Album „The Night Siren".

Playlist:  Artist /  Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Steve Hackett / Behind The Smoke / The Night Siren / Inside Out, Sony
3. Steve Hackett / In The Skeleton Gallery / The Night Siren / Inside Out, Sony
4. Genesis / The Lamb Lies Down On Broadway / Genesis Archive 1967-1975 / Virgin
5. Steve Hackett / Dance On A Volcano / Genesis Revisited / Reef Recordings, Snapper Music
6. Steve Hackett / Martian Sea / The Night Siren / Inside Out, Sony
7. GTR / Roundabout / Roundabout Live / download
8. Steve Hackett / Dejavu / Genesis Revisited / Reef Recordings, Snapper Music
9. John Hackett & Steve Hackett / Gymnopédie No.3 / Sketches Of Satie / Camino Records
10. Steve Hackett / Anything But Love / The Night Siren / Inside Out, Sony

 

am Donnerstag 23.03.17, 23-24 Uhr (Wiederholung 25.03.17, 14-15 Uhr), Thema:

Elton John - zum 70. Geburtstag

Wer kennt schon Reginald Kenneth Dwight? Mit einem solchen Namen kann man höchstens Abteilungsleiter in der Brillenfachabteilung werden, oder allenfalls Kassenwart eines Fußballvereins, dachte sich offenbar der 20-jährige Pianist Reg und taufte sich vor 50 Jahren kurzerhand in Elton John um. Wenige Jahre später war er Popstar, besaß mengenweise exzentrische Brillen und leistete sich einen eigenen Fußball-Verein.

Heute trägt er den Adelstitel Sir, ist Ehrendoktor der Royal Academy of Music und spendet er für seine AIDS-Stiftung. Solange er lebe und Platten produziere, werde er alle Erlöse aus seinen Single-Verkäufen für die AIDS-Forschung zur Verfügung stellen, verkündete Elton John schon vor vielen Jahren. Für den Nr.1-Hit „Sacrifice" von 1990 kamen so vierhunderttausend britische Pfund zusammen. Seine späteren Single-Veröffentlichungen konnten allerdings nicht mehr ganz so viel Geld für den guten Zweck sammeln, mal abgesehen von der Remake-Single „Candle In The Wind", die ursprünglich für Marilyn Monroe geschrieben war und in der Neufassung von 1997 für Lady Di zur meistverkauften Single aller Zeiten aufstieg - was Keith Richards zum lästernden Ausspruch veranlasste, Elton Johns Talent beschränke sich darauf, Songs über tote Blondinen zu schreiben. Immerhin brachte die Zweitverwertung von „Candle In The Wind" der Stiftung zu Ehren von Prinzessin Diana 30 Millionen US-Dollar ein.

Auch wenn es immer wieder mal längere oder kürzere Durststrecken des Misserfolges und Phasen kreativer Flaute gab, sein Starruhm verblasste doch niemals. Immer wieder gelang es ihm, sich erneut mit einem großartigen Song in den Charts zurückzumelden und ins Bewusstsein der Medien und der Pop-Öffentlichkeit zurückzukehren.

Gemeinsam mit dem Texter Bernie Taupin schrieb Elton John in den vergangenen fünf Jahrzehnten ein Repertoire an edlen Popsongs, das zum qualitativen Premiumsegment in der Popgeschichte zu zählen ist

Im April wird der dann 70-jährige Elton John (geboren am 25. März 1947 in Pinner bei London) in Südamerika auf Tournee sein und gibt anschließend acht Konzerte in Las Vegas unter der Überschrift „The Million Dollar Piano". Für Juni und Juli ist eine große Europa-Tournee angekündigt, die ihn auch nach Deutschland führen wird  (5. Juli Mannheim, 7. Juli Berlin und 8. Juli Hamburg). Und für den Herbst sind Konzerte in Australien, Spanien, Frankreich und Russland geplant. Der mit über 300 Millionen verkauften Tonträgern erfolgreichste Sänger/Pianist/Komponist der Popgeschichte, der im Frühjahr 2016 sein 33. Studioalbum „Wonderful Crazy Night" veröffentlichte, bleibt also ungebrochen aktiv.

Nachdem er seine langjährige Drogenabhängigkeit, die ihn fast das Leben gekostet hätte, 1992 überwinden konnte, produzierte und konzertierte Elton John danach auf qualitativ gleich bleibend hohem Niveau und erfreut sich bis heute einer großen Anerkennung und enormen Beliebtheit, was seine Tourneetätigkeit auch im Jahre 2017 belegen kann.

Der Kramladen würdigt den Popkomponisten, Sänger und Pianisten Reginald Kenneth Dwight, der als Elton John zum Superstar aufstieg und zum Sir geadelt wurde.

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Elton John / Claw Hammer / Wonderful Crazy Night / Universal
3. Elton John / Take This Dirty Water / The Diving Board / Mercury Records
4. Elton John & Eric Clapton / Runaway Train / The One / MCA
5. B.B. King & Elton John / Rock This House / B.B. King & Friends - 80 / Geffen
6. Eminem & Elton John / Stan (live) / Curtain Call The Hits / Shady Records
7. Elton John / Old '67 / The Captain & The Kid / Mercury Records
8. Elton John / Border Song / Border Song / DJM Records
9. Elton John / Goodbye Yellow Brick Road / Goodbye Yellow Brick Road / MCA Records
10. Elton John & Mary J. Blige / I Guess That's Why The Call It The Blues / One Night Only / Mercury Records
11. John Lennon feat. Elton John / What Ever Gets You Through The Night / Walls & Bridges / Apple

am Donnerstag 09.03.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 11.03.17, 14-15 Uhr), Thema:

Zensur im Pop und Moddis verbotene Lieder

 In Zeiten von Fake-News, alternativen Fakten, „Lügenpresse" und gezielter Desinformation, in diesen Zeiten der Inhaftierung kritischer Journalisten, der Unterdrückung der Meinungsfreiheit, der staatlichen und behördlichen Willkür, in diesen Wochen, in denen Autokraten eine kritische Presse pauschal verunglimpfen, Oppositionelle als Terroristen anklagen und unliebsame Fragesteller mundtot machen, in diesen Tagen sind die „Unsongs", die verbotenen Lieder, die der norwegische Musiker Moddi nun auf die Bühne bringt, von besonderer Brisanz und Aktualität.

Zensur gab es in der Popmusik schon immer: Radioboykott, schwarze Listen, indizierte Songs, oder die Weigerung von Plattenfirmen, Songs oder auch nur Plattencover mit provozierendem, „anstößigem" Inhalt zu veröffentlichen.

Über die Indizierung von Tonträgern durch behördliche Institutionen wie die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien" kann man geteilter Meinung sein, nicht aber über die kritische Auseinandersetzung mit rechtsradikalen Bands bis hin zum Verbot von Gewalt verherrlichenden und menschenverachtenden Liedtexten.

Das Songprogramm „Unsongs" des norwegischen Singer/Songwriters und Folkpop-Sängers Moddi, mit dem er nun auf Tournee geht, präsentiert Lieder aus aller Welt, die wegen ihrer politischen oder gesellschaftskritischen Inhalte boykottiert oder aus dem Verkehr gezogen wurden, deren Urheber verfolgt, inhaftiert oder gar getötet wurden und die vor dem Vergessen-werden bewahrt werden müssen.

Das Album und Songprogramm „Unsongs", das Moddi Ende März live in Deutschland vorstellt, versammelt zwölf von ihm neu interpretierte, internationale Lieder, die in ihren jeweiligen Ländern verboten oder indiziert wurden.

Moddi: „Alles ist dabei - von Leuten, die wegen ihrer Musik getötet wurden wie Victor Jara aus Chile und Lounes Matoub aus Algerien. Künstler, die im Gefängnis waren wie Pussy Riot in Russland und Viet Khang in Vietnam, oder die immer noch eingesperrt sind wie Liu Xiaobo in China, bis zu Stars, die es nicht wirklich körperlich zu spüren bekamen, aber deren Songs einfach nicht mehr gespielt wurden wie etwa einzelne Songs von Kate Bush oder in Israel von Ihzar Ashdot." 

Kate Bush ist in der Tat niemals wegen eines ihrer Lieder bedroht worden. Ihr Song „Army Dreamers" von 1980 wurde während des ersten Golfkrieges lediglich von den Playlists der BBC gestrichen. Der algerische Sänger Lounes Matoub indes wurde wegen seiner kritischen und satirischen Lieder angefeindet, verfolgt und schließlich ermordet.

Das Thema Zensur im Pop zeitigte auch kuriose Vorgänge, etwa dass der brave Paul McCartney 1972 auf die Verbotsliste der BBC kam wegen seines harmlosen Protestsongs „Give Ireland Back To The Irish", oder dass Drafi Deutschers Schlagerschnulze „Marmor Stein und Eisen bricht" in der DDR von der Parteispitze verboten wurde, weil sie fürchtete, der Text könne als Attacke auf den „antiimperialistischen Schutzwall", sprich die Berliner Mauer verstanden werden. Johnny Cashs Nr.1.Hit „A Boy Named Sue" von 1967 durfte in vielen US-amerikanischen Radioprogrammen nur mit einem eingeblendeten Piepton statt der Zeile „son of a bitch" („Hurensohn") gesendet werden.

Der mehr gestöhnte als gesungene Beischlaf-Song „Je t'aime (moi non plus)" von Serge Gainsbourg und Jane Birkin war 1969 der meist zensierte Song der Popwelt. Die Single wurde mit Sendeverbot belegt und in Frankreich, England und Deutschland zum Teil mit Warnhinweisen bedruckt und in Italien sogar razzia-artig beschlagnahmt.

Schwerer wog da schon der Boykott, der 2003 in den USA gegen die Dixie Chicks verhängt wurde, weil die aus Texas stammende Leadsängerin der Dixie Chicks in einem Interview sich kritisch über den Irak-Krieg geäußert und gesagt hatte, es sei eine Schande, dass Präsident George W. Bush aus ihrem Bundesstaat komme. Die Platten und Videos der Countrypop-Band standen danach auf der Sendeverbotsliste fast aller US-Radio- und Fernsehsendern, Fanartikel wurden öffentlich verbrannt und Morddrohungen ausgestoßen.

Harmlos dagegen und auch wenig drollig waren die Zensuraktivitäten des bayerischen Kulturministeriums, das 2001 einem Schulbuchverlag die Anweisung erteilte, ein bereits gedrucktes Liederbuch für den Musikunterricht wieder einzustampfen, weil es ein anstößig kritisches Lied der bayerischen alternativen Volksmusikgruppe Biermösl Blosn enthielt. Der bayerische Kultusstaatssekretär rechtfertigte die Zensur-Aktion mit der Begründung, das Lied „Gott mit dir, du Land der BayWa" sei eine Verballhornung des Bayernlieds, „um die Firma BayWa und den Einsatz von chemischen Düngemitteln in der bayerischen Landwirtschaft zu kritisieren". So etwas sei für den Gebrauch im bayerischen Unterricht ungeeignet. Wenn die Zensur doch immer nur so lächerlich deppert wäre und nur zur Belustigung beitragen würde wie in Bayern.

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Moddi / A Matter Of Habit / Unsongs / Propeller Records
3. Moddi / June Forth 1989 From The Shatterd Pieces Of A Stone It Begins / Unsongs / Propeller Records
4. Gene Vincent / Woman Love / Be-Bob-a-Lula / Capitol
5. Moddi / Open Letter / Unsongs / Propeller Records
6. Moddi / Our Worker / Unsongs / Propeller Records
7. Phil Collins / The Times They Are-A Changin' / Dance Into The Light / Face Value Records
8. Moddi / The Shaman And The Thief / Unsongs / Propeller Records
9. Silly / Battailon D'Amour / Battailon D'Amour / Amiga BMG
10. Biermösl Blosn / Gott mit dir du Land der Baywa / Grüß Gott, mein Bayernland / Mood Records
11. Moddi / Punk Prayer / Unsongs / Propeller Records
12. Kolbe-Illenberger / Waves, Emotions, Annalisa (Hintergrundmusik) / Essentials / timezone

 

am Donnerstag 23.02.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 25.02.17, 14-15 Uhr), Thema:

In Memoriam: Al Jarreau und Larry Coryell

Die traurige Serie von Todesfällen in der Popularmusik reißt nicht ab. Nun sind auch die renommierten Jazzmusiker Al Jarreau und Larry Coryell gestorben.

Nur vier Tage nachdem der virtuose Jazzsänger Al Jarreau ankündigen musste, dass er auf ärztlichen Rat hin alle für 2017 geplanten Konzerte absagen müsse, starb er im Alter von 76 Jahren am 12. Februar. Der Schwerpunkt dieser In Memoriam-Sendung gehört dem Stimmwunder Al Jarreau, der wegen eines Schwächeanfalls und Atemnot, wie es hieß, Ende Januar ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Am 8. Februar ließ er vom Krankenbett aus verlauten, es gehe ihm zwar besser, er müsse aber schweren Herzens vom Tourleben Abschied nehmen. Die gesundheitliche Besserung war indes nur von sehr kurzer Dauer. Nun müssen alle seine Anhänger von ihm, dieser großen Sängerpersönlichkeit, endgültig Abschied nehmen.

Al Jarreau konnte schöpferisch improvisieren wie kaum ein zweiter, verfügte über stimmliche Fähigkeiten wie nur wenige andere Sänger und hatte die Gabe, den Klang von Instrumenten mit seiner Stimme zu imitieren. Zu recht feierte man ihn, den charismatischen Gesangsvirtuosen, als „einzigen Vokalisten mit einem ganzen Orchester in der Kehle".

Der in Milwaukee, Wisconsin am 12. März 1940 geborene Al Jarreau, der eigentlich Alwyn Lopez Jarreau hieß, war das fünfte von sechs Kindern. Sein Vater war Prediger, musste aber während der Kriegsjahre in einer Munitionsfabrik schuften, währenddessen vertrat die Mutter den hart arbeitenden Vater in der Kirche und spielte die Orgel. Die Familie Jarreau war arm und hatte kein leichtes Leben in der öden Stadt Milwaukee im Mittelwesten der USA, wo die afroamerikanische Bevölkerung unter sozialen Problemen und Diskriminierungen noch mehr zu leiden hatte als in anderen Städten des Mittleren Westens. Doch die gesamte Familie, Eltern und Geschwister, war hoch musikalisch, schon in seiner Kindheit erlernte Al im gemeinsamen Singen mit seinen Geschwistern das Improvisieren. Als junger Mann begann er in Bars aufzutreten und verdiente sich so ein wenig Geld für sein Studium der Psychologie und Sozialpädagogik. Anschließend zog er nach San Francisco und arbeitete dort tagsüber als Rehabilitationshelfer für geistig und körperlich behinderte Kinder und Erwachsene und arbeitete als Sozialhelfer mit Drogenabhängigen, und abends widmete er sich seiner Musik und seiner Entwicklung als Jazz-Sänger. 1969 entschloss er sich dann professionell Musik zu machen, konnte aber erst 1975 als damals schon 35-jähriger ein eigenes Album aufnehmen. In seiner Heimat USA kaum beachtet, wurde sein Debütalbum in der Bundesrepublik mit dem Schallplattenpreis der Deutschen Phonoakademie ausgezeichnet.

Kein anderer Musiker hat es - bis heute jedenfalls - fertig gebracht in den drei so unterschiedlichen Genres Jazz, Rhythm'n'Blues und Pop einen Grammy, die höchste Auszeichnung der US-amerikanischen Musikwelt zu erhalten. Insgesamt wurde er 7 mal mit einem Grammy ausgezeichnet. In seinem Nachruf schrieb der Zeit-Autor Stefan Hentz: „In seinem Gesang fließen die verschiedenen Seitenarme eines Stroms wieder zusammen, der sich irgendwann aufgeteilt hatte, als der Jazz erwachsen wurde und Kunstwillen zeigte, die schwarze Popmusik lieber Glitzeranzug trug und der kleine Bruder Rock'n'Roll das Pubertäre für sich beanspruchte." In Al Jarreaus Stimme hört der Autor: „Betörende Virtuosität und menschliche Wärme, mitreißenden Groove und subtil phrasierte Melodie, die Experimentierfreude des Jazz, den Schmelz des Rhythm'n'Blues und die Menschennähe des Pop".

Genau eine Woche nach Al Jarreau starb ein weiterer renommierter Jazzmusiker. Der Jazzrock-Gitarrist Larry Coryell hatte eine ganze Zeit lang mit Drogenproblemen zu kämpfen. Ob sein relativ früher Tod im Alter von nur 73 Jahren mit seiner früheren Drogenproblematik zu tun hat, ist eine spekulative Frage. Jedenfalls ist der Fusion-Pionier Larry Coryell, der gerade auf Tournee war, am Sonntag dem 19. Februar 2017 in einem New Yorker Hotel an Herzversagen gestorben.

Gemeinsam mit John McLauglin und Paco deLucia bildete Larry Coryell Ende der 70er Jahre das berühmte Guitar Trio mit deren legendärer Produktion „Meeting Of Spirits". Doch wegen seiner Drogenprobleme musste Larry Coryell ausscheiden und wurde durch Al DiMeola ersetzt. Schon 1968 war er durch die Jazzrock-Schule von Miles Davis gegangen, und 1973 gründete der 1943 in Texas geborene, in New York lebende Gitarrist seine eigene Fusion-Gruppe The Eleventh House, mit der Larry Coryell auch in Europa bekannt wurde. Seine handwerkliche Klasse als profunder, stilprägender Gitarrist und fähiger Komponist ist unbestritten. Ein US-amerikanischer Kritiker nannte ihn sogar: „Godfather of Fusion".

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Al Jarreau / All I Got / All I Got / GP, Universal
3. Al Jarreau / (Round Round Round) Blue Rondo á la Turk / Breakin Away / Warner Bos
4. Al Jarreau / You Don't See Me / We Got By / Reprise
5. Al Jarreau & Marcus Miller / You Don't See Me / Tenderness Studio Session / WEA
6. Al Jarreau / Raging Waters / Al Jarreau in London / Polygram
7. USA For Africa / We Are The World / We Are The World / CBS
8. George Benson & Al Jarreau feat. Paul McCartney / Bring It On Home To Me / Givin' It Up / Concord Records, Universal
9. Al Jarreau / Groovin' High / Accentuate The Positive / Verve
10. Al Jarreau / Fire And Rain / Glow / Warner
11. Larry Coryell / Purple Haze / Gipsy Blood A Tribute To Jimi Hendrix / Horizons

 

am Donnerstag 09.02.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 11.02.2017, 14-15 Uhr), Thema:

„It Was The Heat Of The Moment" - John Wetton, Sänger, Bassist und Songschreiber u.a. bei ASIA starb am 31.01.2017 an Krebs. Ein Porträt und Nachruf.

When I ride the hounds of hell / Twist my foot, I nearly fell / I was lucky I was alive /
One look back, I could have died / I was the sole survivor"
. Diesen von ihm geschriebenen Song über das Glück, eine persönliche Katastrophe überlebt zu haben, sang John Wetton zum letzten Mal live im Römischen Theater zu Plovdiv in Bulgarien - im letzten Konzert seiner Band ASIA, begleitet von einem großen bulgarischen Symphonieorchester. Der Livemitschnitt erscheint am 24. Februar 2017 auf CD und DVD. Der Doppel-Silberling „ASIA - Symfonia live in Bulgaria 2013" wird musikalisch eröffnet von „Sole Survivor", John Wettons erstem Erfolgssong, der 1982 als Single und im Debütalbum von ASIA erschienen war.

Überwunden hatte John Wetton seine schwere Alkoholabhängigkeit, überlebt hatte er 2007 eine komplizierte Herzoperation, überlebt hatte er im Frühjahr 2015 eine Krebsoperation, bei der ihm ein fast kilo-schwerer maligner Tumor entfernt worden war, doch dann kam der Krebs zurück. Am 31. Januar starb John Wetton im Alter von 67 Jahren.

John Wetton war Mitglied in erstaunlich vielen berühmten Bands und veröffentlichte 19 Soloalben. 1997 erschien sein wohl bestes Soloalbum „Arkangel". Als  Erzengel der britischen Rockszene hätte man den umtriebigen Musiker in seinen besten Jahren bezeichnen können. Auch als gefallener Engel konnte er wegen seiner Alkoholsucht gelten. Bei Solokonzerten in den 1990er Jahren war er oft so betrunken, dass er von der Bühne getragen werden musste. Doch niemals war er ein namenloser Posaunenengel aus dem Background-Chor.

Er hatte etwas von einem unsteten Wanderer, aber auch etwas von einem Chamäleon, das sich in jeder neuen Umgebung zu assimilieren versteht. Kein anderer englischer Musiker hat mit einer solchen Vielzahl von prominenten Bands und renommierten Solisten zusammengearbeitet wie er. Die Liste der Gruppen und Einzelkünstler, bei denen John Wetton seine Talente als Sänger, Bassist und/oder Songschreiber unter Beweis stellen konnte, liest sich fast wie ein Who-is-Who der britischen Pop/Rock-Geschichte: Mogul Thrash, Rare Bird, Family, King Crimson, Uriah Heep, Roxy Music, Streetwalkers, UK, Wishbone Ash, ASIA, Qango, Icon und andere. Er kooperierte mit Solokünstlern wie Brian Eno, Pete Sinfield, Bryan Ferry, Phil Manzanera, Peter Banks, Steve Hackett, David Byron, Roger Chapman und vielen mehr. Er schrieb Songs für Jethro Tull, Agnetha, David Cassidy, Heart, Cher u.a.. Sein berühmtester Song „Heat Of The Moment" stammt aus dem Jahre 1982; er schrieb ihn für seine Pomp- und Progressive-Hardrockband ASIA, der er von allen seiner vielen Bands am längsten angehörte. Für 2017 war eine große USA-Tour von März bis Juli schon fest gebucht. Die Tourdaten stehen noch immer auf der ASIA-Homepage.

Carl Palmer, Ex-ELP und Schlagzeuger bei ASIA schrieb in einem persönlichen Nachruf über seinen Band-Kollegen John Wetton: „John hatte eine sanftmütige Persönlichkeit. Er erschuf einige der unsterblichsten Melodien der Popmusik,. Als Künstler war er sowohl mutig als auch innovativ. Seine Stimme trug die Musik von ASIA in die Hitlisten der ganzen Welt. Sein später Triumph über die Alkoholsucht machte ihn zu einer Inspiration für viele Menschen, die sich in einem ähnlichen Kampf befinden. Für jene die ihn näher kannten und mit ihm zusammenarbeiteten, war auch sein tapferer Kampf gegen den Krebs eine Inspiration. Ich werde sein Talent vermissen, seinen Sinn für Humor und sein ansteckendes Lächeln."

In seinem letzten Studiosong, den John Wetton 2014 für das ASIA-Album „Gravitas" aufnahm, singt er: „Think the best of me, till we meet again."

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
0. ASIA / Till We Meet Again / Gravitas / Ward Records
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. John Wetton / The Last Thing On My Mind / Arkangel / Eagle Records
3. ASIA / Sole Survivor / ASIA - Symfonia live in Bulgaria 2013 / Frontiers Music
4. John Wetton / Rock Of Faith / Rock Of Faith / Giant Electric Pea
5. Family / Burlesque / Bandstand / Reprise WEA
6. Mogul Thrash / Elegy / Mogul Thrash / RCA
7. King Crimson / Fallen Angel / Red / E.G. Records
8. Roxy Music / Do The Strand / Viva! Roxy Music / Polydor
9. Bryan Ferry / The In-Crowd / Another Time Another Place / Island
10. Uriah Heep / Return To Fantasy / Return To Fantasy / Bronze Records
11. Phil Manzanera / Numbers / K-Scope / Parlophone
12. Roger Chapman & The Shortlist / Prisoner / Hyenas Only Laugh For Fun / Sanctuary
13. ASIA / Heat Of The Moment / Now - Live in Nottingham / Blueprint
14. UK / Caesar's Palace Blues / Night After Night / EG Records

 

 

am Donnerstag 26.01.2017, 23 - 24 Uhr (Wiederholung 28.01.2017, 14-15 Uhr), Thema:

Komplexität statt Simplifizierung - Vielfalt statt Einfalt - Offenheit statt Scheuklappen

Das neue Jahr begann vielversprechend - zumindest im Bereich der Neuveröffentlichung künstlerisch ambitionierter Pop/Rockalben. Wenn in der aktuellen Zeitgeschichte Personen und Strömungen versuchen, mit „alternativen Fakten" und Ansichten aus der Mottenkiste vordemokratischer Zeiten das Rad der Geschichte zurückzudrehen, dann muss man dagegenhalten - unter anderem mit dem emanzipatorischen Geist der Kunst. Auch in der aktuellen Pop/Rockmusik finden sich jede Menge Beispiele für ein aufgeklärtes fortschrittliches Bewusstsein: Songschreiber, Komponisten, Bands, in deren neuen Alben sich eine stilistische Offenheit mit Experimentier- und Spielfreude verbindet und nach individuellen, neuen Wegen geforscht wird.

Vielschichtigkeit, Komplexität, Grenzüberschreitungen, Kreativität und Klangfantasie, all das findet sich in den neuen Alben „Preternatural" von Moulettes, „V" von Blackfield, „Venn" von Clock Opera, „Hang" von Foxygen, „In The Passing Light Of Day" von Pain Of Salvation, „Mother Tongue" von Rebekka Karijord, „Close Eyes To Exit" von Klangstof, „The Outpost" von Blueneck, u.a.

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Moulettes / Parasite / Preternatural / Craft Pop, Rough Trade
3. Clock Opera / Whippoorwill / Venn / K7, Indigo
4. Pain Of Salvation / Meaningless / In The Passing Light Of Day / Inside Out, Sony
5. Foxygen / Mrs. Adams / Hang / Jagjaguwar, Cargo
6. Blackfield / Family Man / V / Kscope, Edel
7. Rebekka Karijord / Home / Mother Tongue / Control Freak Kitten Records, Cargo
8. Moulettes / Coral / Preternatural / Craft Pop, Rough Trade
9. Gentle Giant / Free Hand / Playing The Fool / Chrysalis
10. Foxygen / America / Hang / Jagjaguwar, Cargo

 

am Donnerstag 12.01.2017, 23-24 Uhr (Wiederholung 14.01.2017 14-15 Uhr), Thema:

In Memoriam: Paul Vincent Gunia

- zum Tod eines großartigen, vielseitigen und zeitlebens unterschätzten Musikers 

Wer sich nur über die großen Musikzeitschriften informiert, konnte es nicht wissen, weil es dort nicht vorkam. Auch der Schreiber dieser Zeilen hat es nicht mitbekommen und jetzt erst durch Zufall erfahren: Der großartige Musiker, virtuose Gitarrist und originelle Komponist von Rocksongs und Soundtracks für Kino/TV-Filme, Paul Vincent Gunia, ist bereits im Oktober 2016 gestorben.

Am 1. Dezember 1950 im Rheinland geboren, begann Paul Vincent, wie er sich als Musiker nannte, seine Laufbahn als Sänger und Gitarrist noch zur Schulzeit in der Beatband Park Lane und gehörte anschließend kurzzeitig der hessischen Psychedelic Rockband Missus Beastly an. Nach dem Gymnasium zog er nach München und konnte rasch in der dortigen Musikerszene Fuß fassen. Über den Jazz-Saxophonisten und Manager der Band Amon Düül II, Olaf Kübler, lernte er Klaus Doldinger kennen, in dessen Jazzrock-Gruppe Motherhood Paul Vincent als Gitarrist einstieg. Zu Motherhood gehörte damals auch der Schlagzeuger Udo Lindenberg, mit dem Paul Vincent später eng zusammenarbeiten sollte. 1973 erschien sein Debütalbum als Solist: „Vincent - Makin' Our Own Sweet Music", mit selbstverfassten, englischsprachigen Songs, gefolgt 1975 von dem deutschsprachigen Album „Vincents Fliegender Rock & Roll Zirkus", das im schnoddrigen Szenesprech der Texte an Udo Lindenberg erinnerte. 1982 wurde Paul Vincents dritte Solo-LP, das Deutschrock-Konzeptalbum „Sternreiter" veröffentlicht, eine „phantastische Reise ans Ende der Zeit" (Untertitel).

Inzwischen war Paul Vincent längst zu einem gefragten Studiomusiker aufgestiegen und begleitete eine große Zahl namhafter Musiker bei deren Plattenproduktionen. So arbeitete er als Studiogitarrist z.B. für Freddie Mercury, Eric Burdon, Sting, Roger Clover (Deep Purple), Meat Loaf, Gary Brooker (Procol Harum), Gianna Nanini, Eberhard Schoener und Peter Maffay. Zwischen 1976 und 1980 war er dann als Gitarrist, Co-Komponist und Arrangeur Mitglied in Udo Lindenbergs Panikorchester, danach der Macher, Songschreiber und Produzent in der Wolle Kriwanek Band, die von 1977 bis 2003 eine der wichtigsten Mundart-Bluesrockbands in Deutschland war. Als der schwäbische Dialekt-Rocker Wolle Kriwanek im April 2003 überraschend starb, machte die Band nun unter der Leitung von Paul Vincent mit neuem, englischsprachigem Songprogramm weiter und nannte sich Vincent Rocks.

Daneben gründete er die Band Quartetto, die sich auf Rock-Arrangements von klassischen Kompositionen (u.a. von Bach, Mozart, Grieg) spezialisierte. Schon in den 90er Jahren hatte er gemeinsam mit seiner Frau, der klassisch ausgebildeten Sängerin Monika „Mono" Gunia, ein weiteres Side-Projekt ins Leben gerufen, die Gospel-, Folk- und Spiritualgruppe Vincent, mit der er drei LPs produzierte.

Neben Live-Konzerten und Plattenaufnahmen beschäftigte sich Paul Vincent immer mehr auch mit der Komposition und Produktion von Filmmusik für TV-Serien und Kinofilme. Im Jahre 2001 erhielt er den Deutschen Fernsehpreis in der Sparte „beste Filmmusik" für seine Musik zum Film „Der Schrei des Schmetterlings". Für den Tatort hatte er ebenso Musik produziert wie für die ARD-Serie „In aller Freundschaft". Nebenher arbeitete er auch als Musikjournalist, schrieb von 1987 bis 2005 Kolumnen für die Musikfachzeitschrift Sound Check, führte Interviews mit Brian May, Jimmy Page u.a. und veröffentlichte 1993 ein Buch über die Geschichte der Rock-Gitarre („Das Rock Guitar Buch").

Auf seinen eigenen Alben überraschte er immer wieder mal mit originellen Stilverschmelzungen. Dazu gehörte auch eine originelle Mixtur aus Mozarts kleiner Nachtmusik und dem Bluesrock-Klassiker „Sunshine Of Your Love" von Cream. Zur Creme der deutschen Pop/Rock-Musiker zählte der bescheidene Paul Vincent allemal, auch wenn ihn außerhalb der Musiker- und Insiderszene kaum einer kannte. Diese Kramladen-Ausgabe will an das große Können des ungemein sympathischen und fachkundigen Musikers Paul Vincent erinnern - und zwar mit einem Querschnitt durch seine umfangreiche Produktivität.

So veröffentlichte er z.B. im Jahre 2004 eine Rockoper mit dem Titel „Love and Peace and Rock'n'Roll". In dieser amüsanten Song-Geschichte erzählt Paul Vincent mit mild ironischem Unterton ein Stück Rock-Historie aus Deutschland und England in den frühen siebziger Jahren. Auf drei CDs, die sehr liebevoll und aufwändig produziert wurden, hatte Paul Vincent seinen Traum von einer „Rock-Oper aus besseren Zeiten" - so der Untertitel - verwirklicht.

Im Jahre 2007 erschien das souverän eingespielte Live-Album American Girl seiner Band Vincent Rocks. 2011 veröffentlichte Paul Vincent äußerst gelungene, mutige und fast im Alleingang aufgenommene Bearbeitungen von Beatles-Songs in seinem Album My Beatles Songbook. Im Jahr darauf folgte sein nostalgisches, handwerklich großartig gemachtes, psychedelisches Bluesrock-Album Electric Hippie Music. Sein ungebrochener Arbeitseifer und seine schier unerschöpfliche Kreativität führten schließlich 2015 zu der 71 Songs umfassenden 4-CD-Box L.O.V.E., eine Art Kompendium der Love-Song-Tradition in der Popgeschichte; alles selbst geschrieben, arrangiert und überwiegend alleine in seinem eigenen Tonstudio aufgenommen. Hut ab! Große Pop-Kunst! Im September 2016 erschien dann sein letztes Album „Kammermusik".

Für seine Familie und Freunde muss es wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel gekommen sein. Paul Vincent Gunia starb am 25. Oktober 2016 völlig überraschend „an den Folgen eines schweren Herzinfarktes" (www.vincentrocks.de). Er wurde nur 65 Jahre alt.

Playlist:  Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Paul Vincent / Universal Love / L.O.V.E. / Luxus Musik, Bell Records
3. Paul Vincent / Shangri-La / Electric Hippie Music / Luxus Musik, Bell Records
4. Vincent Rocks / Eine kleine Nachtmusik, Sunshine Of Your Love / American Girl live / Luxus Musik, Bell Records
5. Paul Vincent / Daytripper / My Beatles Songbook / Luxus Musik, Bell Records
6. Klaus Doldingers Motherhood (feat. Paul Vincent und Udo Lindenberg) / Song Of Dying / Klaus Doldingers Motherhood / Liberty Records
7. Freddie Mercury / Man Made Paradise / Mr. Bad Guy / Columbia
8. Udo Lindenberg (feat. Paul Vincent) / Montage diverser Songs / diverse Alben /  diverse
9. Wolle Kriwanek Band / I bin für die bloß der Neger / Schwabenrock / Mercury
10. Paul Vincent Gunia / Der Schneemann / Soundtrack / download
11. Paul Vincent / Ticket To Ride /  My Beatles Songbook / Luxus Musik, Bell Records