
Kramladen in ByteFM am Donnerstag 22.07.2010 23-24 Uhr (Wiederholung Samstag 24.07.2010 14-15 Uhr) Thema:

Die Entwicklung der Popmusik wurde nicht zuletzt durch den Fortschritt der Instrumententechnologie vorangebracht - vor allem durch die Erfindungen der elektronischen Klangerzeuger: Moog, Fairlight, Sampler etc. Doch am Anfang stand das Trautonium.
Die angsterregenden Schreie aus Hitchcock‘s Thriller „Die Vögel" entstanden 1961 in Berlin an Oskar Salas Trautonium. Dieses bahnbrechende Vorläuferinstrument von Synthesizer und Keyboards wurde in den 1930er Jahren von dem Physiker und Komponisten Oskar Sala mitentwickelt. Sein ganzes künstlerisches Leben - er starb im Februar 2002 - widmete er als virtuoser Musiker und Komponist diesem einzigartigen Instrument, dessen Töne durch elektrische Entladungen erzeugt werden. Dabei entsteht ein unvergleichliches Klanguniversum, das selbst subharmonische Tonreihen umfasst, die zuvor allenfalls theoretisch bekannt waren.
Auf seinem Instrument, dem von ihm weiterentwickelten Mixtur-Trautonium schuf Oskar Sala die Klangkulissen für mehr als 300 Filme. Außerdem komponierte er Klänge für Theater und Rundfunk. Zu seinen bekanntesten Klangschöpfungen zählt das Raketengeräusch im Werbespot des HB-Männchens („Wer wird denn gleich in die Luft gehen...")
Die Elektro-Popgruppe Kraftwerk und die Berliner Pop-Neutöner Einstürzende Neubauten berufen sich ausdrücklich auf Sala als Wegbereiter der elektronischen Avantgarde. Der Elektroniker von The Notwist, Martin Gretschmann, der als Console weltweit bekannt wurde, brachte soeben eine Performance zu Ehren von Oskar Sala im Münchner Deutschen Museum zur Aufführung.
Aus Anlass des 100. Geburtstages von Oskar Sala beschäftigt sich der Kramladen mit der Geschichte der elektronischen Musik: vom Trautonium über Tangerine Dream bis Techno, von Synthi-Pop bis Sampler, von E-Gitarre bis Electroclash.
Kramladen in ByteFM am Donnerstag 08.07.2010 23-24 Uhr (Wiederholung Samstag 10.07.2010 14-15 Uhr) Thema:
„Peace and Love" - zum 70. Geburtstag von Ringo Starr
With a little help from his friends, den Alt-Stars Edgar Winter, Rick Derringer, Gary Wright und Richard Page (Mr. Mister) ist Ringo Starr derzeit auf großer Sommer-Tournee durch Nordamerika. Auch am 7.Juli, seinem 70. Geburtstag, wird er mit seiner inzwischen elften All-Starr-Band auf der Bühne stehen - und zwar in der Radio City Music Hall, New York. Als Geburtstagsgeschenk wünscht er sich von seinen Fans und von der ganzen Welt, dass sich alle Menschen weltweit an folgender Aktion beteiligen: Am Tag seines Geburtstags, dem 7.7., solle jeder und jede um 12 Uhr, ob im Büro, auf der Straße, am Küchenherd, im Flugzeug, wo auch immer, die Hände zum Victory-Zeichen heben und laut rufen: „Peace and Love! Peace and Love!" - Typisch Ringo, dass diese Spass-Aktion mehr ist als nur ein Gag, sondern auch Ausdruck seines Selbstverständnisses und seiner Botschaft. Und die lautet seit 1967 unverändert: „All You Need Is Love!" Natürlich weiß er, dass ein Spruch, ein Song - so oft er auch wiederholt, so oft er auch begeistert gesungen wird - die Lieblosigkeit und den Unfrieden in der Welt nicht beheben kann. Ringo ist ja kein Schwachkopf und auch kein hippieseliger Flowerpower-Prophet. Aber er lässt keine Gelegenheit aus, um zu fragen: „What's wrong about peace and love?"
Seit seinem ersten Soloalbum „Sentimental Journey", das im März 1970 kurz vor der Trennung der Beatles erschien, hat Ringo inzwischen 16 weitere Studioalben und 10 Live-Alben veröffentlicht - das meiste davon ist musikalisch brav bis bieder, aber gut gemacht. Im Song „Peace Dream" aus seinem jüngsten Album „Y Not", das im Februar erschien, zitiert (um nicht zu sagen: plündert) er John Lennons Friedensbotschaft. Im Text heißt es: „So try imagine / If we give peace a chance / All the world could be / Living in harmony / One day our dream could be reality."
Ringo hat die utopische Friedensvision des Freidenkers Lennon in die Niederungen des Schlager-Pop verfrachtet - könnte man fast unken, wollte man dem ewigen „Sympath" Ringo an den Karren fahren, aber wer will das schon. Schließlich ist es ja wieder ganz nett geworden das aktuelle Album „Y Not", das von Ringo erstmalig selbst produziert wurde. Handwerklich gutgemachter Mainstream-Pop ist insgesamt dabei herausgekommen, aber als großen Wurf kann man Ringos neues Album wahrlich nicht bezeichnen, auch wenn die Liste der Begleitmusiker äußerst hochkarätig und prominent besetzt ist. Neben Paul McCartney beteiligten sich Joe Walsh von den Eagles, Dave Stewart ehemals Eurythmics, Joss Stone, Ben Harper, Richard Marx, Don Was und andere.
Der Kramladen zum 70. Geburtstag des ältesten Beatles feiert den Drummer mit dem treuen Hundeblick und dem Schalk im Nacken. Ringo ist und bleibt der berühmteste Sänger, dessen wacklige Intonation und dessen schiefe Töne von niemandem verübelt, sondern von allen gar als Ausdruck von Authentizität betrachtet werden. Vielleicht kann man heutzutage über „Peace and Love" glaubwürdig nur mit unsicherer Stimme singen.
Nachtrag: Am Abend des 07.07., als Ringo sein Geburtstagskonzert in New York gab, betrat plötzlich ein Überraschungsgast die Bühne: Paul McCartney sang und spielte gemeinsam mit Ringos All-Starr Band den White Album-Song „Birthday" und den Sgt. Pepper-Klassiker „With A Little Help From My Friends".
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