Schallplatte mit Volker Rebell Beschriftung

IMAGINE: John Lennon Lennon-Cover

das gleichnamige Hörbuch auf 2 CDs ist in Vorbereitung. Die Veröffentlichung ist geplant für Herbst 2017.

Hier ist vorab zu hören: "The Ballad of John & Yoko" in einer sehr speziellen Bearbeitung der Beatles Revival Band (vocals VR). Und noch ein Link zum Song "Working Class Hero": http://www.youtube.com/watch?v=FXoFpBocd-c

Volker Rebell & The BEATLES REVIVAL BAND präsentieren:

„I (don't) believe in Beatles" -

„IMAGINE John Lennon" - eine Hommage in Songs und Worten

Musikeinspielung: THE BEATLES REVIVAL BAND, Aufnahme und Musikproduktion: Fritz Heieick

Text: Volker Rebell

Sprecher: Werner Reinke, Moritz Stoepel, Volker Rebell

2010 war Lennon-Jahr: sein 70. Geburtstag (*09.10.1940) war zu würdigen, sein 30. Todestag (08.12.1980) war zu begehen.

Die Geschichte des künstlerisch kreativsten, schillerndsten und widersprüchlichsten Ober-Beatle wurde 2010 live in einer 2-Stunden-Show hörbar gemacht. Basierend auf dem Live-Programm wurde ein Hörbuch produziert

Die renommierte BEATLES REVIVAL BAND, spielt live John Lennons berühmteste Songklassiker aus der Beatles-Ära und aus seinen Solo-Jahren - zum Teil in neuen eigenwilligen Arrangements.

Volker Rebell (langjähriger hr3-Moderator [„Volkers Kramladen", „hr3-rebell"], ausgewiesener Beatles-Kenner und Buchautor [„Die Beatles 1968 - Das Weiße Album"]) erzählt Anekdoten aus Lennons bewegter Biographie, liefert die Hintergrundinformationen zu den Songs von John Lennon und zu seiner Persönlichkeit. Außerdem ist VR auch als Sänger und Gitarrist bei der Aufnahme beteiligt.

Imagine - Stell dir vor, es gäbe keine Lennon-Songs. Wie arm wäre die Popwelt.

Label-Etikett: Lennon

 

„Als ich zur Schule ging, wurde ich gefragt, was ich werden möchte, wenn ich groß bin. Ich antwortete: ‚glücklich!' Sie sagten mir, dass ich die Frage nicht verstanden hätte, und ich sagte ihnen, dass sie das Leben nicht verstanden hätten." (John Lennon)

 

Hier folgt ein Ausschnitt aus dem Begleitbuch des Hörbuchs, aus dem Kapitel: „Die definitiven Lennon-Songs" (copyright Volker Rebell)

A Day In The Life (Schlusstitel des Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" vom Juni 1967)

One-two-three-four, so würde jeder andere den Song einzählen. Aber ist John Lennon wie jeder andere? Sein Vorzähler lautet: „Sugar Plum Fairy, Sugar Plum Fairy" (Zuckerpflaumenfee) - so „hieß im damaligen Slang die Person, die einem Aufputschmittel besorgte" (Mark Hertsgaard). Lennon hatte bei diesem Song noch andere verrückte und drogengeschwängerte Ideen auf Lager. Doch die abgefahrenste stammte nicht von ihm alleine. So etwas hatte noch niemals zuvor irgendjemand in der Popmusik mit dem hehren Klangkörper eines 60-köpfigen Orchesters angestellt. Völlig entgeistert schauten die klassischen Musiker drein, als man ihnen auftrug, ein atonales „Soundcluster" zu erzeugen - ein was? - ein Glissando zu spielen, leise beginnend, ausgehend vom tiefsten Ton und dann sich stetig steigernd bis zum höchsten Ton in voller Lautstärke, allesamt endend in einem wilden Klimax-Akkord E. Ein organisiertes Chaos, exakt 24 Takte lang. Dieses düstere und dissonante orchestrale Crescendo, das an den Nerven zerrt und schier endlos kakophonisch aufsteigt bis es am höchsten Punkt erstirbt, ist das musikalisch herausstechendste Ereignis des genialen Songs „A Day In The Life". Die auslösende Textzeile, die dem Klang-Furor vorangestellt ist, wurde als die Provokation verstanden, die von den Beatles intendiert war: „I'd love to turn you on" - „ich würde dich gerne antörnen", das wurde nicht nur von der BBC als Aufforderung zum Drogenkonsum verstanden und führte sofort zum Sendeverbot im britischen Radio. Provokation im Sinne von Aufrütteln war angeblich die Intention dieser Zeile, und nicht die Leute zu animieren, einen Joint durchzuziehen: „Wir wollten die Leute anmachen, damit sie die Wahrheit herausfinden. Es ging dabei nicht um das verdammte Haschisch", stellte Paul McCartney später in einem Interview klar. Es ging wohl eher um LSD, denn natürlich war die Drogen-Assoziation beabsichtigt; schließlich kannte fast jeder damals das geflügelte Wort „Turn on, Tune in, Drop out". Mit diesem Slogan hatte sich Timothy Leary im September 1966 bei einer Pressekonferenz in New York als Prophet der Bewusstseinserweiterung durch psychedelische Drogen wie LSD weltweit bekannt gemacht.

„A Day In The Life" markiert nicht nur den Abschluss des epochalen Meisterwerks „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", sondern kann auch als künstlerischer Höhepunkt nicht nur des Albums, sondern auch der Zusammenarbeit des genialen Songschreiber-Duos Lennon/McCartney angesehen werden. Der Rahmensong stammte aus der Schreibe von John Lennon, den Mittelteil hatte Paul McCartney beigesteuert. Beide hatten nur ein Songfragment fertiggestellt, unabhängig voneinander und ohne dass der eine vom Thema des anderen wusste. Und doch passten die beiden völlig unterschiedlichen Songteile, wie von magischer Hand gesteuert, perfekt zusammen. Lennons textthematisch leicht düster-melancholische Strophen-Erzählung wird kontrastiert von Pauls munterem Song-Torso in der Mitte, das im doppelten Tempo losspurtet, vom Aufwachen und aus dem Bett fallen handelt, vom Hetzen und spät dran sein, vom gerade noch den Bus kriegen, dort kurz verschnaufen, eine rauchen und dann wegdriften in einem Tagtraum.

John Lennons Songtext liest sich wie die Zeitungsseite „Vermischtes aus aller Welt". Und tatsächlich bezog er seine Inspiration aus der Daily Mail vom 17. Januar 1967. Die Aufmachergeschichte der Zeitung handelte vom Millionärs-Sohn und Guinness-Erben Tara Browne, einem Bekannten der Beatles, der in seinem hellblauen Lotus mit überhöhter Geschwindigkeit bei Rot über die Ampel gefahren war, gegen einen parkenden Lieferwagen gekracht und noch an der Unfallstelle gestorben war. In Lennons erster Strophe ist entsprechend von einem Glückspilz die Rede, der es geschafft hat ("a lucky man who made the grade"). Doch weil er das Umschalten der Ampel übersehen hatte, hauchte er sein Leben in einem Auto aus, so heißt es weiter. Irritierenderweise singt der Ich-Erzähler in der Zeile zuvor: „Obwohl es eine traurige Meldung war, musste ich unwillkürlich lachen, als ich das Photo sah." Ist das makabrer Humor oder eher ein kopfschüttelndes Auflachen über die Absurdität des Schicksals: eine Unaufmerksamkeit im Verkehr - und schon ist man tot. Auch der allergrößte Reichtum kann daran nichts ändern. Die gaffenden Umstehenden grübeln, ob sie das Unfallopfer nicht von irgendwoher kennen, vielleicht sogar vom Oberhaus. Mit dieser Textwendung wirft Lennon ein Licht auf die Sensationsgeilheit der Öffentlichkeit und der Medien, deren unseriöse Berichterstattung die niederen Instinkte bedient und befördert. Die englische Armee, so berichtet der Ich-Erzähler mehr oder minder anteilnahmslos in der zweiten Strophe, habe gerade den Krieg gewonnen, das hätte er in einem Film gesehen. Eingeweihte wissen natürlich, dass Lennon hier auf den Anti-Kriegsfilm von Richard Lester „How I Won The War" anspielt, in dem John eine Hauptrolle übernommen hatte. Nicht auszuschließen ist, dass damit auch eine Assoziation zum Vietnam-Krieg hergestellt werden sollt, der ihn damals sehr beschäftigte.

Und in der dritten Strophe geht es dann noch um 4000 Löcher in Blackburn. Die Meldung der Daily Mail lautete: „Die Straßen in Blackburn, Lancashire weisen 4000 Schlaglöcher auf. Das sind, nach einer Schätzung des Stadtrats, ein Loch auf 26 Personen. Wenn Blackburn ein typisches Beispiel ist, dann gibt es zwei Millionen Löcher auf Englands Straßen, davon alleine 300000 in London." Diese absurde Hochrechnung übersteigerte Lennon noch in den totalen Hirnriss-Nonsens mit seinen Songzeilen: „obwohl die Löcher eher klein waren, mussten alle gezählt werden. Jetzt wissen sie, wie viele Löcher es braucht, um die Albert Hall zu füllen."

John Lennon schlägt die Akkorde des mollreichen Harmonieschemas auf seiner Akustikgitarre schnörkellos geradlinig an, während das Klavier und Paul McCartneys ideenreiches Bass-Spiel raffinierte rhythmische Akzente setzen und Ringo auf dem Schlagzeug mit clever getrommelten Fills brilliert. George Harrison spielt bei dieser vielleicht überragendsten Aufnahme in der Beatles-Geschichte so gut wie keine Rolle. In der Besetzungsangabe wird er geführt unter dem Instrument „Maracas". Johns Gesang ist verhalten intoniert, doch ungemein präsent und präzise phrasiert. Seine Stimme klingt kontrolliert und im Duktus fast wie unbeteiligt erzählerisch, doch gleichzeitig auch gespenstisch, weltabgewandt und traumverloren. Gesanglich besonders herausstechend sind zwei Abschnitte: 1. die in schnellen Sechzehntel-Noten gesungenen Schlusszeilen der Strophen 1 und 3 („Nobody was really sure if he was from the House ..., now they know how many holes it takes to fill the..."), die beide mit einem kühnen Quinten-Sprung in die Kopfstimme enden („..of Lords, ... Albert Hall") - und 2. das leiernde Auf- und Abschwingen im Halbton-Intervall auf den Silben „turn you on" (das im Jahre 2001 von Michael Stipe im R.E.M-Song „Imitation Of Life" imitiert wurde).

Beendet wird der vielleicht beste, sicher aber spektakulärste Song der Beatles nach der zweiten sich hoch schraubenden Orchester-Kakophonie durch einen mächtigen E-Dur-Akkord, auf drei Konzertflügeln gleichzeitig angeschlagen. Bei diesem Effekt des mächtigen Schlussakkordes und seines langsamen Ausklangs bis zur völligen Stille kam manchem die Assoziation der sich allmählich ausbreitenden, unheimlichen Grabesstille nach einer Atombomben-Explosion. Doch auch in der Düsternis, die von der Texthandlung des Songs heraufbeschworen wird, stecke Hoffnung und „Lennons Sehnsucht, die Welt wachzurütteln und ihr bewusst zu machen, dass sie es nicht nur in der Hand hat, sich selber auszulöschen, sondern sich auch zu erneuern" (Tim Riley). Auf der Platte mag der finale E-Dur-Akkord nach 53 Sekunden verklungen sein, doch der Nachhall des Geniestreichs „A Day In The Life" klingt überdauernd weiter.